Bild: Alles easy für Gysi? Auch mit fast 70 und nach drei Herzinfarkten schwimmt er noch meisterhaft gegen den Strom. , Was haben Gysi und studentische Wahlbeteiligung miteinander zu tun? Bild: Jan Turek

Hochschule. Seid rebellischer! Gregor Gysi forderte dies jüngst von den Studierenden. Der Blick auf die studentische Wahlbeteiligung zeigt: Anstelle der Politikverdrossenheit wird es Zeit für ein bisschen Rebellion. 

Warum haben so wenige Studierende bei der vergangenen Wahl zum 51. Studierendenparlament ihre Stimme abgegeben? Ist es das berüchtigte Desinteresse? Zu wenig Informationen? Zu kompliziert? 

Was es auch ist: Ein rebellischerer Wind muss über den Beton-Campus der Uni wehen. Nicht mehr unterbuttern lassen! Dies fordert zumindest Gregor Gysi, ehemaliger Fraktionsvorsitzender von Die Linke, im Rahmen einer Signierstunde in der Buchhandlung Janssen. Neben Hochschulpolitik plaudert Gysi auch über die Großen im Geschäft, sein neues Buch und das Faszinosum Strukturwandel im Ruhrgebiet. 

:Die Redaktion

Lest dazu die Analyse und das vollständige Interview. 

 
weiterlesen

Kommentar. Eine Beteiligung von acht Prozent bei der StuPa-Wahl ist ein Alarmsignal: Es fehlen die WählerInnen und diesen die Zeit für studentische Partizipation. Grundlegende Reformen müssen her.

Ja, was machen die denn eigentlich? Das haben sich viele unter den 91,65 Prozent der RUB-Studierenden gefragt. Vorausgesetzt, diese absolute Mehrheit hat überhaupt mitbekommen, dass es sie gibt: studentische Hochschulpolitik. Nach der größer werdenden Enthaltung wird über die Ursachen spekuliert: Liegt es an den Listen, die nicht genug informieren? Oder an der so oft beschworenen Politikverdrossenheit der heutigen Studierendenschaft? Ein Campus ohne DemokratInnen?

Diese Erklärungsversuche übersehen, wie sehr der Bologna-Prozess die Bedingungen für eine demokratische Kultur von Hochschulpolitik aushöhlt. Als die studentische Mitbestimmung in den Sechzigern erkämpft wurde, war der Alltag an der unternehmerischen Uni in weiter Ferne: Regelstudienzeitdrill, stumpfsinniges Sammeln von CPs und ein paar Nebenjobs, um diese ganze Scheiße zu finanzieren. Wer heute ein Studium absolviert, hetzt sich ab, macht seinen Abschluss (und vielleicht Schulden) und heuert danach auf dem Arbeitsmarkt an. Um mitzudiskutieren, den Campus gar mitzugestalten, fehlt oft die Zeit.

Das sind Folgen der neoliberalen Reformen, gegen die beim Bildungsstreik 2009 noch tausende Studierende auf die Straße gingen. Diese Folgen drücken sich auch im geringen Urnen-Andrang aus: 2007 gaben an der RUB noch etwa 17,60 Prozent der Studierenden ihren Wahlzettel ab. In zehn Jahren ist die Wahlbeteiligung um die Hälfte auf acht Prozent gefallen. An anderen Hochschulen ist die Lage noch dramatischer. Der Bologna-Prozess, mit dem die Hochschullandschaft für den Markt umgekrempelt wurde, entpuppt sich als schleichender Putsch, als Killer studentischer Partizipation. Wer diese retten will, darf die neoliberale Umstrukturierung nicht unangetastet lassen. Grundlegende Reformen müssen her. Sonst wird die Wahlbeteiligung weiter fallen.                             

 :Die Redaktion

Lest dazu unsere Analyse, warum Studierende nicht gewählt haben

Bild: Arm und alleinerziehend: Frauen haben es auf dem Arbeitsmarkt schwer, besonders mit Kind. , Die Lage für Frauen auf dem Arbeitsmarkt verschlimmert sich Bild: juma

Armut. Der vierte Arbeitslosenreport der Freien Wohlfahrtspflege NRW im Jahr 2017 beschäftigt sich dezidiert mit Arbeitslosigkeit von Frauen. Vor allem alleinerziehende Mütter sind verstärkt von Arbeitslosigkeit und Armut betroffen. Warum ist dies der Fall und was wird dagegen getan?

Im September 2017 waren über 315.000 Frauen in NRW arbeitslos gemeldet, 

44 Prozent von ihnen waren bereits mehr als ein Jahr ohne Arbeit. 18 Prozent der arbeitslosen Frauen, aber lediglich 

1 Prozent der arbeitslosen Männer sind laut Freier Wohlfahrtspflege alleinerziehend. Doch auch Frauen mit festem Job müssen ihr Gehalt öfter aufstocken als Männer. 53 Prozent der sogenannten „Aufstocker“ sind Frauen. Ihnen stehen aufgrund eines zu geringen Lohns Hartz-IV-Leistungen nach dem Zweiten Buch des Sozialgesetzbuches (SGB II) zu. 

In Bochum leben derzeit 3.636 alleinerziehende Frauen in Bedarfsgemeinschaften, mehr als 1.500 Frauen sind als arbeitslos gemeldet, der Rest gilt als arbeitssuchend. Die Tendenz der alleinerziehenden Frauen in Bochum ist nach Angaben des Jobcenters Bochum leicht steigend.

Die Probleme

Stefanie Malcherek vom Jobcenter Bochum versucht, die Probleme der alleinerziehenden Frauen in Bochum zusammenzufassen. Das Hauptproblem sei ein fehlender Berufsabschluss, etwa 60 Prozent der Betroffenen können diesen nicht nachweisen. Gründe hierfür seien in vielen Fällen Schwangerschaften während der Ausbildung oder eine auch in Bochum nicht bedarfsdeckende Kinderbetreuung. Es fehle das Geld für Kindergartenplätze und ein Rechtsanspruch auf nachschulische Ganztagsbetreuung bestehe trotz Notwendigkeit noch immer nicht. Auch die mangelnde Flexibilität aufseiten der ArbeitgeberInnen wird von Malcherek kritisiert.

Auch der Arbeitslosenreport bestätigt, dass die Unvereinbarkeit von Kindererziehung und Berufsleben noch immer ein Problem für viele Frauen ist. Das Bochumer Jobcenter setzt sich seit längerem für die weitere Verbreitung von Teilzeitausbildungen ein, die sich auch mit der Kindererziehung vereinbaren lassen. „Viele Betriebe wissen gar nicht, dass die Möglichkeit zur Teilzeitausbildung prinzipiell in jedem Ausbildungsberuf besteht“, erklärt Malcherek. Um diese Wissenslücke zu schließen, stehe man auch mit der Industrie- und Handelskammer in Kontakt.

An Lösungen arbeiten

Das Jobcenter, die Stadt Bochum, die Beratungsstellen für Arbeitslose und Alleinerziehende sowie verschiedene Bildungsträger arbeiten im Netzwerk „Wiedereinstieg“ seit zwei Jahren an Lösungen, um alleinerziehenden Frauen den (Wieder-)Einstieg in die Arbeitswelt zu erleichtern. Zum Angebot des Jobcenters zählt unter anderem eine spezialisierte Beratung. Sie ist die erste Anlaufstelle für Alleinerziehende und speziell auf die Fragen und Bedürfnisse dieser Zielgruppe eingestellt. Darüber hinaus arbeitet das Arbeitsamt an einem Aktionsplan, der vorsieht, dass jedem Arbeitsvermittlungsteam einE ExpertIn für Alleinerziehende zur Seite steht, die/der sich mit Themen wie Kinderbetreuung und Entwicklung von Perspektiven auskennt. Mit dieser Arbeitsweise habe man bereits gute Erfahrungen sammeln können.

Am 15. Februar bietet das Jobcenter im Rahmen der Frauenwochen spezielle Veranstaltungen von und für Alleinerziehende an. Ziel ist es, gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln. Auch das Netzwerken untereinander helfe den Frauen, so Malcherek.           

                                      :Justinian L. Mantoan

Bild: Haushaltsplan: So soll Bochums Zukunft gesichert werden. , Die Stadt Bochum muss sparen. Deshalb verabschiedete sie vergangenen Donnerstag einen Haushaltsplan, der viel Kritik erntet Bild: Wikimedia Commons Hans-Jürgen Wiese, Bearbeitung: stem

Stadtfinanzen. Am 14. Dezember beschloss der Bochumer Stadtrat den Doppelhaushaltsplan für die Jahre 2018 und 2019. Zusätzlich wurde das Haushaltssicherungskonzept für die beiden Jahre genehmigt. Wie rot-grün die Neuverschuldungen beseitigen will, stößt auf Kritik.

Bis 2022 soll Bochum einen ausgeglichenen Haushalt aufweisen, also keine neuen Schulden mehr machen. Darauf einigten sich die Kommunalaufsicht der Bezirksregierung Arnsberg und die Stadt im Jahr 2012. Damals betrug die Neuverschuldung der Stadt 125 Millionen Euro, dieses Jahr sind es noch 85 Millionen. Nach der Hälfte der angepeilten Zeit sind somit erst ein Drittel der jährlichen Schulden beseitigt. Für die kommenden Jahre heißt das eines: Sparen. Deshalb will die Stadt das restliche Minus vor allem durch steigende Erträge aus Steuern und Zuwendungen begleichen, während gleichzeitig die Ausgaben auf dem diesjährigen Niveau bleiben sollen. Dies geschehe, nach Angaben des Bochumer Haushaltssicherungskonzepts, durch Stellenkürzungen und die Auslagerung städtischer Jobs in die Privatwirtschaft.

Sparen durch Abbau

Im September sagte die neue Kämmerin Eva-Maria Hubbert, die gerade frisch den langjährigen Kämmerer Manfred Busch ablöste, es seien in Bochum „kaum noch kurzfristige Einsparungen möglich“. Doch bereits Anfang Dezember schwenkte Hubbert um. So sagte sie im Gespräch mit der „WAZ“: „Es gibt beim Personal noch Einsparpotenzial.“ Eine deutliche Kursänderung. 

Zwar wurden dieses Jahr 46,75 von der Stadt getragene Stellen hinzugefügt, so viele wie schon lange nicht mehr, jedoch soll dieser Trend nicht weitergeführt werden. Dies führt nun dazu, dass insgesamt 200 Stellen bis 2022 eingespart werden sollen, unter anderem im Bereich der städtischen Reinigung. So will die Stadt zum Beispiel ungefähr 700.000 Euro bei der Reinigung von Schulen sowie 1.150.000 Euro durch eine Reduzierung des Stadtanteils an der Gehwegreinigung einsparen. Dabei werden Mittel durch eine Ausgliederung der Stadtreinigung an private Unternehmen freigelegt. Neu angestellte StadtarbeiterInnen sollen außerdem geringer bezahlt werden. 

Vor allem die Ratsfraktion der Linken kritisierte dies scharf. Der Fraktionsvorsitzende Ralf-Dieter Lange sagt, der Personalabbau forciere „faktisch den Abbau städtischer Kompetenzen, was im Ergebnis zu Kostensteigerungen führt. Denn dort, wo Kompetenzen durch Personalabbau reduziert werden, muss teurer bei Fremdfirmen eingekauft werden.“ Die Linke fordern nicht weniger, sondern mehr städtisches Personal.

Haushalt mit Ungewissheiten

Manfred Preuß, Fraktionsvorsitzender der Grünen, räumte im Rat ein: „Wir haben auch nie verheimlicht, dass die Konsolidierungsanstrengungen auch für die Bürgerinnen und Bürger sichtbar und spürbar werden.“ Er kritisierte fehlende Zuwendungen von Bund und Land. Doch auch CDU und FDP kritisierten das Haushaltssicherungskonzept. So bemängelte die CDU, dass die im Sicherungskonzept enthaltenen, niedrigeren Zinsausgaben unrealistisch seien.

Der Doppelhaushalt wurde vom damaligen Kämmerer Manfred Busch in die Wege geleitet, da sich durch den Beschluss eines Doppelhaushalts Einsparungen schaffen ließen. Ob dies jedoch stimmen wird, ist zweifelhaft. Denn schon im Januar räumte Busch ein, es könne unter Umständen zu einem Nachtragshaushalt im zweiten Jahr kommen. Damit wäre der Kostengrund für den doppelten Haushalt, den die Linken als Machtverschiebung von Gremien hin zur Verwaltung sehen, nichtig.        

                  :Stefan Moll

Bild: Analog vor dem Aus? Am Musischen Zentrum spielt die analoge Fotografie in nächster Zeit keine Rolle mehr… , Umstrukturierung des Musischen Zentrums abgeschlossen Bild: juma

Kunst. Die analoge Fotografie ist der große Verlierer bei der geplanten Umstrukturierung des Musischen Zentrums (MZ) an der RUB. Seit dem Wintersemester 17/18 ist die Fotografie Teil des Bereichs „Künstlerische Gestaltung und Visuelle Medien“ unter Leitung von Melanie Windl.

weiterlesen
Bild: Schimmel in den Ecken? In der KiTag am Lennershof bald Geschichte. , Schimmelproblem an der KiTa Lennershof – Lösungen werden erarbeitet Bilder: Sven Heintze, Collage: ken

Akafö. Die Kindertagesstätte „KiTag“ am Lennershof hat ein Problem mit Schimmel. Vor Kurzem begann die Sanierung. Mit Containern wird eine Zwischenlösung geschaffen, bis der Neubau steht.

weiterlesen
Bild: Soweit das Auge reicht: Nichtwählende, die sich auf den regnerischen Campus begeben. , Warum haben Studierende nicht gewählt? Bild: lor

Hochschulpolitik. Wer sind die 41.832 Studierenden, die vor Kurzem nicht im Rahmen der Studierendenparlamentswahl gewählt haben? Wir haben uns auf die Suche gemacht und mit Studis darüber geredet, warum sie sich den Urnengang gespart haben.  

weiterlesen
Bild: Erste Reaktion des Immunsystems: Über Interferone eine Immunantwort einleiten. , Interferone auf dem Prüfstand

Forschung. Die Kooperation von RUB und UDE erforscht Interferone, was ein tieferes Verständnis des Immunsystems ermöglicht.

weiterlesen
Bild: Signierstunde: Nachdem er etliche Widmungen geschrieben hatte, nahm sich Gysi Zeit für die :bsz., Linken-Politiker Gysi verrät der :bsz, dass ihm viele Studis zu unpolitisch sind Bild: Jan Turek

INTERVIEW. In der vergangenen Woche war der Bundestagsabgeordnete und ehemalige Fraktionsvorsitzende der Linken, Gregor Gysi, in Bochum. Bei einer Buchsignierstunde in der Büuchhandlung Janssen in der Brüderstraße sprachen wir mit ihm.

weiterlesen
Bild: Es wird gefährlich: Wenn Sicherungen alter Schächte nicht mehr ausreichen., Unter dem Ruhrgebiet lauern unsichtbare Gefahren

Bergbau. Bochum war wie viele Städte des Ruhrgebiets eine der Gewinnerinnen des Ruhrbergbaus. Doch jetzt drohen die Altlasten der Steinkohleförderung zur Gefahr zu werden.

weiterlesen