Bild: Büörks: Peter Neururer hat seine ganz eigene Meinung zu RB Leipzig. , GELD SCHIESST TORE, TRADITION WIRFT BENGALOS? – Teil 2 der :bsz-Reihe zur Lage des Fußballs – RB Leipzig spaltet Fußball-Deutschland Karikatur: Sabrina Schmidt

Nach dem gelungenen Zweitliga-Start träumt RB Leipzig schon vom direkten Aufstieg in die Bundesliga. Vielen ist der durch Red Bull finanzierte Verein ein Dorn im Auge und dessen Besitzer Dietrich Mateschitz ein größeres Feindbild als Dietmar Hopp von Hoffenheim. Peter Neururer findet RB gar „zum Kotzen“. Wird durch Red Bull die 50+1-Regel, die bisher eine Kommerzialisierung des Fußballs verhindern sollte, gebrochen?

Ein neues Trainings- und Jugendzentrum wurde gebaut, ein WM-Stadion hat der Verein auch, alle Jugendmannschaften spielen von der U9 bis zu den Profis mit demselben System, alles ist einheitlich und hoch professionell ausgelegt, nach dem Vorbild der berühmten Ajax-Akademie. Ralf Rangnick, Sportdirektor von RB Leipzig, kann man nur beneiden, arbeitet er doch nicht für Bayern, Dortmund oder Schalke, sondern für Leipzig mit einem riesigen Budget, das die österreichische Brausefirma zur Verfügung stellt. Klingt nach einem Segen für den Fußball, vor allem für den strukturschwachen Osten der Republik?

50+1-Regel wird umgangen

Tatsächlich spaltet RasenBallSport Leipzig, so der offizielle Name, Fußball-Deutschland und wieder treffen Fußball-NostalgikerInnen und die ModernistInnen aufeinander, die über Tradition und Kommerz streiten. Die Lizenz für die zweite Liga hat der Verein erst bekommen, nachdem er sein Logo modifiziert hatte und er nicht mehr direkt mit der süßen Brause in Verbindung gebracht werden kann. Die Mitgliedsbeiträge, die noch vor kurzer Zeit bei rund 800 Euro pro Jahr lagen, wurden gesenkt und es ist jetzt auch einfacher, ein Teil der „Bullen“ zu werden, wenn man das denn will. Doch darf ein Unternehmen, das jährlich eine halbe Milliarde Euro in Sportmarketing steckt, so viel Einfluss haben? Der DFB, der so stolz auf seine 50+1-Regel ist, die es Investoren untersagt, die Mehrheit an einem Verein zu übernehmen,  gab dem Verein schließlich die Lizenz und stellt die Regel nun auf dem Prüfstand.

Keine Wasserwerfer vor dem Stadion

Fragt man die Fans in Leipzig,  sind  diese zumindest froh, dass durch Red Bull ein wenig Ruhe im rauen Stadion-Alltag des Ostens eingetreten ist. „Viele BesucherInnen sind froh, dass keine Wasserwerfer vor dem Stadion stehen“, sagt RB- Sprecher Sharif Shoukry, der damit auf die Zustände bei Lokomotive und Sachsen Leipzig hinweist, bei denen Gewalt und ein hohes Polizeiaufkommen bei den Heimspielen auf der Tagesordnung stehen. Das ist nicht von der Hand zu weisen, doch zeigt es nicht die Problematik auf, die für die gesamte Bundesliga besteht: Die totale Kommerzialisierung der Liga auf Kosten der weniger finanzstarken Traditionsvereine. Ob Fluch oder Segen, RB Leipzig ist auf einem  Aufstiegsplatz und will mit aller Macht in die Bundesliga. Ob die Liga RB Leipzig will, ist eine andere Frage. Peter Neururer will sie definitiv nicht.

Neue :bsz-Reihe: Geld schießt Tore, Tradition wirft Bengalos?

„Die machen den Fußball kaputt!“

…das warf man sich jüngst vor, als das DFL-Konzept „Sicheres Stadionerlebnis“ Ende letzten Jahres verabschiedet wurde und zahlreiche Proteste in den Stadien nachsichzog. Fans warfen den Liga-Verantwortlichen, Sponsoren und Polizei vor, mit übertriebenen Kontrollvorlagen die Fankultur zu ersticken. Im Gegenzug werden die Leute auf der Tribüne dafür kritisiert, für Krawalle zu sorgen: Platzstürme, Hasstiraden und fackelnde Bengalos im Block und auf dem Rasen – König Fußball erscheint als Symptom für gesellschaftliche Widersprüche. Deutschland ist Weltmeister, aber von Burgfrieden ist weit und breit nichts zu sehen; stattdessen wird die Fangemeinde hierzulande polarisiert: Mäzenate, Retortenvereine und die allgemeine Kommerzialisierung des Profifußßballs sorgen dafür. Auf der anderen Seite sehen wir einen alltäglichen Existenzklampf der Traditionsvereine: Legendäre Clubs wie Rot-Weiss Essen, MSV Duisburg oder Rot-Weiß Oberhausen (,um nur wenige zu nennen) stehen oder standen am Rande des Abgrunds. Aber was, wenn alles durchkommerzialisiert ist? Wenn ein Stadion dem anderen ähnelt? Fangesänge der eigenen Mannschaft nicht mehr von den gegnerischen Chören zu unterscheiden sind? Wir wollen fragen: was kommt? Was bleibt? Wie wird er aussehen, unser Fußball: Eine Eskatase nach Feierabend oder routinierter Arbeitssieg? Das Beben der Kurve oder die Dekadenz der VIP-Tribüne? Das Singen der eigenen Chöre oder stumpfinniger Werbeterror? Nostalgie oder Erneuerung? Wahrheit oder Kommerz?

Lest in Teil Eins der Reihe über Fußball auf der Krim.

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