Bild: Vol les Programm, wenig freie Zeit – für Black Friday - Shoppen reichte es trotzdem. , Austausch die 2. Bild: lewy

Die Ruhr-Uni pflegt seit bald drei Jahren Kontakte in den Oman. Auf eine Exkursion von RUB-Studis 2019 folgte nun der Gegenbesuch von omanischen Studierenden.

Vergangene Woche besuchte eine Gruppe Studierender aus dem Oman für fünf Tage die Ruhruni. Der Aufenthalt der 15 Germanistikstudent:innen  mitsamt drei Begleitpersonen war etwa ein Jahr im Voraus geplant worden. Es handelte sich dabei um einen Gegenbesuch, denn im März 2019 war eine Gruppe von RUB-Studierenden der Orientalistik und Islamwissenschaften, darunter der Verfasser dieses Artikels, sowie mehreren Dozierenden in den Oman gereist. Dort hatten die Studis an der Universität von Nizwa ein Tandem-Projekt mit Studierenden der Germanistik absolviert. Daneben gab es ein kulturelles Programm, bei dem es unter anderem in die Städte Nizwa, Bahla, Manah, Al-Hamra, Mattrah, Jabrin sowie die Hauptstadt Maskat ging, Oasen und Wadis besucht und Museen, Archive, Bibliotheken, Moscheen sowie die deutsche Botschaft besichtigt wurden. Ein Schwerpunkt lag zudem auf den antiken Bewässerungskanälen, von denen der von Natur aus extrem trockene Nordoman bis vor wenige Jahrzehnte noch abhängig war.

Der Oman ist in den letzten Jahren zunehmend interessant für Orientalist:innen, Arabist:innen und Islamwissenschaftler:innen geworden. Denn das Land im äußersten Osten der Arabischen Halbinsel, in dem eine als stabil geltende absolute Monarchie herrscht und das sich außenpolitisch als neutraler Vermittler in allen möglichen Konflikten geriert , war im Gegensatz zu nahezu allen anderen arabischen Ländern in den letzten zehn Jahren weder in einen Volksaufstand, noch in einen Krieg oder Bürgerkrieg verwickelt und gehört wegen seiner Ölvorkommen zugleich zu den wohlhabenderen Ländern der Region. Der Kontakt der RUB in den Oman, konkret zur Uni Nizwa, läuft über Johann Büssow, der 2018 von Tübingen nach Bochum kam, um hier den Lehrstuhl für Orientalistik zu übernehmen. Die damalige Exkursion diente der Vertiefung dieser Verbindung, die damit auch auf die RUB ausgeweitet wurde. Dies schlug sich bislang in gemeinsamen digitalen Lehrveranstaltungen der Bochumer Islamwissenschaftler:innen und der Nizwaer Germanist:innen nieder. Der kürzliche Gegenbesuch der Omanis, der ursprünglich bereits für Juni geplant gewesen war, allerdings wegen Corona verschoben werden musste, bildete den vorläufigen Höhepunkt dieser Kooperation.

Von den insgesamt zehn Tagen, die die omanischen Studierenden in Deutschland waren, verbrachten sie je fünf Tage in Bochum sowie in Göttingen, wohin die Uni Nizwa über eine ehemalige RUB-Dozentin ebenfalls Kontakte pflegt. Neben der Teilnahme unter anderem am hiesigen Arabisch-Unterricht besuchten sie etwa das Bochumer Bergbaumuseum, die Zeche Zollverein in Essen, das Mülheimer Theater an der Ruhr, das Jüdische Museum in Dorsten, die ehemalige Grenze zwischen BRD und DDR und den Göttinger Weihnachtsmarkt.  „Ich glaube, unter den schwierigen Bedingungen der Pandemie haben wir ein schönes Programm zusammengestellt und die Exkursion ganz gut gemeistert“, resümiert Yasemin Gökpınar, RUB-Dozentin und mit der Betreuung der Omanis betraut. „Unsere omanischen Gäste waren sehr zufrieden. Für sie – und uns – war es ein unvergessliches Erlebnis.“ Abgesehen von der obligatorischen Buspanne, wegen der die Gruppe den Anschlusszug nach Göttingen fast verpasste, und einem falschpositiven PCR-Test, lief es alles in allem rund. „Ziel war es, die beiden Unis und die entsprechenden Seminare für Arabistik und Islamwissenschaft vorzustellen und Möglichkeiten für ein Auslandsstudium in Deutschland aufzuzeigen. Außerdem wollten wir einen Einblick in das Leben und die Kultur in Deutschland geben.“

Fragt man die Omanis selbst, scheint das in der Tat geklappt zu haben: Alzahra zum Beispiel, die selbst zum ersten Mal in einem europäischen Land war, zeigt sich besonders vom ÖPNV und vom regnerischen Wetter begeistert. Auch die freie Seminar-Wahl in den Fächern war für sie neu. Sie bemängelt allerdings, dass der Zeitplan zu eng getaktet und dadurch zu wenig Möglichkeit zum Austausch mit den deutschen Studierenden und zum selbstständigen Erkunden der beiden Unis und der Städte gegeben gewesen sei – ein Problem, das von den RUB-Studierenden ebenfalls benannt wird: „Es wäre schön gewesen, mehr Zeit zu haben, diejenigen wiederzusehen, die wir damals im Oman kennengelernt haben“, meint Vanessa, die 2019 bei der Exkursion dabei war. Alzahra jedenfalls bekundet, sie habe „das Verlangen, in Zukunft noch einmal nach Deutschland zu kommen. Entweder als Touristin oder zur Vollendung meines Studiums.“

:Leon Wystrychowski

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