Bild: Jeden Freitag Nightmare in Ehrenfeld? Im Abendland kriegt niemand mehr ein Auge zu., Schon mitbekommen? Bild: lewy

 

Kommentar. Jeden Freitag ertönt jetzt in Köln der islamische Gebetsruf – nicht. Trotzdem spielen die Medien wieder einmal AfD. 

Seit dem 15. Oktober dürfen in Köln Moscheen über Lautsprecher zum Freitagsgebet rufen – nach Anmeldung, zwischen 12 und 15 Uhr und maximal fünf Minuten lang. Das sind die Vorgaben eines zweijährigen „Modellprojekts“, das die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker großspurig als ein Zeichen der Vielfalt am 11. Oktober bekannt gegeben hatte. Rein theoretisch durften Moscheegemeinden aufgrund der Religionsfreiheit zwar auch schon vorher zum Gebet rufen, in aller Regel sehen sie aber davon ab. Und auch jetzt scheint sich in Köln der Wille der islamischen Gemeinden, den Gebetsruf laut erschallen zu lassen, in Grenzen zu halten: Bislang hat nicht einmal ein Viertel der dortigen Moscheen auch nur Interesse bei der Stadt bekundet. Hintergrund ist wohl, dass man den Ball schön flach halten und möglichst niemanden provozieren möchte. Das scheint angesichts der Reaktionen, die auf Rekers Bekanntmachung folgten, genauso nachvollziehbar wie irrelevant. Denn was seither lautstark ertönt, ist nicht die Stimme des Muezzin, sondern das Krakelen jener, die der AfD jahrelang den Weg geebnet haben. 

Vorne mit dabei: Natürlich die Springer-Presse. Die Bild rollte gleich der Crème de la Crème der „Die müssen es ja wissen“- und „Die können doch gar nicht rassistisch sein“-Islamhasser:innen den roten Teppich aus. So schwadronierte die angebliche Islam-„Expertin“ Necla Kelek: „Eigentlich gehört der Ruf ‚Allahu Akbar‘ mittlerweile in unserem Wortschatz verboten. Sie dürfen das überhaupt nicht mehr benutzen, weil es von Attentätern, Islamisten und Terroristen benutzt wird.“ Glaubt man ihr, so seien viele Menschen aus mehrheitlich muslimischen Ländern nicht etwa vor Krieg oder vor Armut geflohen, sondern vor diesem „schrecklichen Ruf“.
Der als „Integrationsexperte“ – was immer das sein soll – vorgestellte Ahmad Mansour wusste den entsetzten Bild-Leser:innen zu berichten, dass die „Betreiber der Moscheen“ den Gebetsruf „als Machtdemonstration über ihre Viertel“ feierten. Das passt zwar überhaupt nicht zu den oben genannten Fakten, die interessieren Leute wie Mansour oder Kelek aber wohl auch nicht, solange sie nur ihre Gagen kassieren und ihre Bücher die Bestseller-Listen füllen.

Auch der Staatssender Deutschlandfunk machte sich mal wieder mitschuldig, indem er Susanne Schröter das Wort erteilte. Die – fälschlicherweise als Islamwissenschaftlerin vorgestellte – Ethnologin, die an ihrer Uni in Frankfurt wiederholt antirassistische Proteste provozierte (siehe :bsz 1279), erklärte, die Gleichberechtigung von Muslim:innen sei „zwar im Prinzip richtig“, aber gegen den Gebetsruf sei sie trotzdem, weil von dem irgendwie Islamist:innen profitierten. Und überhaupt wollten die meisten Muslim:innen in Deutschland ja gar keinen Gebetsruf… Wenn „Experten“ schon so wirres Zeug reden, kann es niemanden überraschen, dass in den Kommentarspalten und auf Social Media Untergangsszenarien und Verschwörungstheorien die Runden machen und dem blanken Rassismus und den Gewaltphantasien wieder einmal freier Lauf gelassen wurde. Vor diesem Hintergrund muss sich niemand wundern, dass in Deutschland Frauen wegen ihres Kopftuchs der Zugang zur Wahlkabine verweigert wird oder dass hier täglich zwei bis drei Moscheen angegriffen werden. Wenn dann aber wieder einmal ein Hanau geschieht, will es natürlich niemand gewesen sein. Zum Glück gibt es da ja aber noch die Ruhrbarone. Auf dem Bochumer Blog findet man seine Argumente, wenn man rassistisch und trotzdem nicht offen rechts sein möchte: Dort heißt es nämlich: Mit diesem „Geschenk“ – der Erlaubnis zum Gebetsruf – werbe die Stadt Köln „für Antisemitsmus (sic!), Frauenfeindlichkeit und Homophobie“. Wie schön: Islamfeindlichkeit politisch korrekt.

:Leon Wystrychowski

 

 

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