Bild: Ein alter Kampf: Seit Jahrhunderten werden Roma (Rom = Mensch auf Romanes) in die Illegalität gedrängt., Protest zeigt erste Wirkung aber ... Bild: lewy

Antiromaismus. Die Abschiebung der Familie Destanov ist vorerst ausgesetzt – doch noch längst nicht vom Tisch. 

Aktuell ist Aufatmen angesagt bei den Destanovs und ihren Unterstützer:innen: Die fünfköpfige Bochumer Familie muss vorerst nicht nach Nordmazedonien zurückkehren, von wo sie 2015 nach Deutschland geflohen waren. Gegen die drohende Abschiebung war zunehmend Protest laut geworden, als bekannt wurde, dass zwei der Kinder den Großteil ihres Lebens in Deutschland verbracht haben und dass der fünfjährige Raxmah an schweren Atemaussetzern sowie einer Herzerkrankung leidet (:bsz 1292). 

Roma wie die Destanovs werden in Europa seit Jahrhunderten diskriminiert, ausgegrenzt und verfolgt, auch in Deutschland. Diese Form des Rassismus mündete zwischen 1933 und 1945 in der systematischen Verfolgung durch die Nazis und schließlich im Porajmos, dem Völkermord an einer halben Million Roma. Ein Bewusstsein, wie bei der Shoah, gibt es für dieses Verbrechen so gut wie gar nicht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in der BRD vielmehr die NS-„Z*geunerexperten“ wieder eingestellt und die „Z*geunerkarteien“ der Nazis fortgeführt – anhand der Nummerierungen, die die Roma in den KZs erhalten hatten. Seit den Neunzigern schiebt die Bundesrepublik regelmäßig Roma nach Osteuropa ab. Die Fluchtgründe werden von den Behörden grundsätzlich nicht anerkannt. Das gilt umso mehr, wenn das Herkunftsland ein angehender NATO-Partner und EU-Beitrittskandidat ist, wie im Fall Nordmazedoniens. 2014 wurden die Westbalkanstaaten zudem zu „sicheren Herkunftsländern“ erklärt. 

Von sicher kann jedoch keine Rede sein: In den 1990er Jahren fiel die Integration und Gleichberechtigung der osteuropäischen Roma wieder weit hinter die Errungenschaften aus den Zeiten der Sowjetunion und Jugoslawiens zurück: Seither sind krasseste Armut und Diskriminierung bis hin zu regelrechter Verfolgung wieder an der Tagesordnung. So gibt es immer wieder Berichte über Angriffe, Anschläge und Pogrome gegen Roma. Vater Emran Destanov erklärte gegenüber der WAZ, die Familie sei nach einem Brandanschlag auf ihr Haus aus der Heimat geflohen.   Nachdem zuerst die Abschiebung, die eigentlich am 1. Juni erfolgen sollte, aufgeschoben wurde, konnte nun die Aussetzung der Ausweisung bis zum 13. August erreicht werden. So kann der schwerkranke Raxmah eine Herzuntersuchung Ende Juli wahrnehmen. Doch die Ausweisung ist nicht vom Tisch. Das Zittern und der Kampf für den Aufenthalt gehen also weiter.                                

  :Leon Wystrychowski

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