Bild: Symbolbild, König Fußball – 90 Minuten bis zum Krampf Bild: bena

Fußball. Lustlosigkeit, Überspielt und überfordert von der engen Taktung. Der Fußball scheint sich selbst ein Bein zu stellen und das hat Auswirkungen auf die Spieler, Fans und Vereine. Spielergewerkschaften schlagen schon Alarm, dass zu viele Spiele gespielt werden. Fans finden den Kommerz des Fußballs nicht schick und die Machthaber:innen suchen nach weiteren Möglichkeiten, den Fußball auszuschlachten.

 

Wirtschaft

Christian Seifert, Sprecher des Vorstands der Deutschen Fußball Liga, sagte im März 2020 auf einer Pressekonferenz: „Ehrlicherweise kommt vielleicht jetzt der Punkt, das Bundesliga zum ersten Mal zugeben muss: ‚Ja, wir stellen ein Produkt her.‘“ Und dieses Produkt hätte auf der Kippe stehen können, wenn die Saison im Mai nicht weitergespielt hätte.
Doch wo kommt das Missmanagement her?
Für einen Fußballverein steht der sportliche Erfolg im Fokus, so steht der Anreiz in den Kader oder in das Trainerteam zu investieren über dem Ziel, Rücklagen zu bilden, ist sich Christoph Breuer von der Deutschen Sporthochschule Köln sicher. All das liegt der Problematik zugrunde, dass die Vereine sich in einem Rattenrennen befinden, ein Wettbewerbsprozess, in dem die eingesetzten Ressourcen der Wettbewerber stärker steigen als die zu erzielenden Erlöse. Die geringe Gewinnorientierung führt auch dazu, dass die Top-Clubs Europas auf der Suche nach neuen Einnahmenquellen sind. Wie in Form einer Europäischen Super Premier League, an der die amerikanische Bank JP Morgan bastelt, um dem Fan das beste Entertainmentprodukt geben zu können.
Ob sich dieses Konzept mit den Fangruppen vertragen wird, wird sich zeigen. Doch Expert:innen sind sich sicher: Die leeren Stadien könnten den Vereinen durchaus helfen, dieses Vorhaben durchzuringen. 

 

Covid-19

Durch den laufenden Ligabetrieb wird die Krankheit für die Sportler auf die leichte Schulter genommen: Ein positiver Test sowie ein asymptomatischer Verlauf heißen zwei Wochen Quarantäne. Doch Sportler, die keine Symptome hatten, leiden dennoch unter Folgen der Erkrankung. Die vor allem bei der Leistungsfähigkeit der Sportler zu bemerken ist. Mehr noch kann eine extreme Ausbreitung im Team dafür sorgen, dass Spiele verlegt werden müssen und sich dann auf die Regeneration des Körpers im laufenden Wettbewerb auswirken.
An der Sporthochschule Köln wird unter Dr. Jonas Zacher an Coronafolgen von Spitzensportler:innen geforscht und die ersten Ergebnisse zeigten, dass sich eine Corona-Infektion häufig länger hinziehe als andere grippale Infekte. Betroffene Athlet:innen hätten ihm berichtet, „es zieht sich wie Kaugummi.“ Auch, wenn es zu früh sei, für aussagekräftige Erkenntnisse müssten die Sportler:innen wissen, dass das Auskurieren nach einer Corona-Infektion superwichtig sei, so Zacher.

 

Gesundheit und Körper

Die Trainer sind froh über große Kader mit so vielen Spielern, die man versucht, auf ein spielerisches Niveau zu bringen, damit man in einem eventuellen Covidfall oder anderer Verletzung so gut wie möglich ersetzen kann“, so Adam Frytz, Dozent im Spezialfach Fußball an der Ruhr-Uni. Aber auch Spieler bemerken nun, dass die Coronasaison und die vermehrten englischen Wochen, die bis zu vier Spiele in einer Woche beinhalten können, auf den Körper gehen. Für die Topspieler, die in den europäischen Wettbewerben spielten, gab es keine richtige Sommerpause, eine stark verkürzte Winterpause und zusätzlich Spiele mit der Nationalmannschaft. „Die meisten Verletzungen resultieren aus nicht vorhanden Pausen“, fügte der Fußballlehrer an. Dennoch sei ihm wichtig zu sagen, dass im professionellen Leistungssport auch viel dafür getan wird im Sinne des Monitorings. Es würden mehr Expert:innen mit Datenanalysen und Belastungsanalysen die Spieler überwachen. Jedoch könne man stand jetzt noch nicht sagen, ob man die Spieler damit besser schützen könne, so der Dozent. Mit aktuell über 60 Spielen in der Coronasaison und den Blick auf die Europameisterschaft sowie die Olympischen Spiele, an denen auch Fußballer mit teilnehmen können. „Aktuell sind viele junge Spieler unterwegs. Die sind spielerisch noch nicht verbrannt, die körperlichen Verschleiße der letzten Jahre haben sie noch nicht und denen scheint das stand jetzt nicht so viel auszumachen“, so Frytz. Doch man müsse auch vorsichtig in die Zukunft schauen, dass die körperliche Pflege ernst genommen würde, um mögliche Verschleiße vorzubeugen. Abschließend ist Frytz sich aber sicher: „Auch wenn die Spieler und ihr Team sich auf die harten Belastungen vorbereiten, ist es meiner Meinung nach viel zu viel.“ Es nähme kein Ende und das hätte man bei einigen Spitzenteams auch gesehen, dass diese in einem Loch waren und nicht nur Punkte liegen gelassen haben.

 

:Abena Appiah

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