Miniserie. Eine rechtspopulistische Partei an der Macht und wie reagiert die Gesellschaft darauf? Ein Gedankenspiel, das in der vierteiligen Kurzserie „Deutscher“ durchgespielt wurde. Doch mit Erfolg? 

Zwei Häuser. Zwei Familien. Eine Kleinstadt. Wir befinden uns im Leben von Familie Schneider, die im linken Haus wohnen und in dem von Familie Pielcke. Beide Familien kennen sich lange und haben jeweils einen Sohn im selben Alter. Eine Geschichte zweier Bilderbuchfamilien, die auf den ersten Blick keine großartigen Probleme miteinander haben. Doch mit dem Beginn einer neuen Regierung, gestellt von einer rechtspopulistischen Partei, beginnt eine Spaltung in der Gesellschaft und symbolisch dafür zwischen den beiden Familien.
Während die Familie Schneider sich entsetzt und empört zeigt, tritt im Nachbarhaus die Hoffnung auf. Denn endlich finden Veränderungen statt, die den „Deutschen“ nur helfen können. Schnell wird klar, was die Regierung eigentlich macht: Das Hetzen salonfähig! Und das gegenüber allen die keinen „Deutschen“ Namen tragen respektive so aussehen. Es folgen Ausgrenzungen, Bedrohungen und Anschläge auf die Menschen, die in der Diaspora leben. Es zeigt sich ein Bild von einem Deutschland, das an die Vorkriegszeit erinnert. Was passiert mit den Menschen, die helfen, wenn so etwas passiert? Wird überhaupt geholfen? Wer schweigt? Und wer nutzt es zu seinem Vorteil, dass die Gesellschaft vor einer Trennung zwischen den „Besseren“ und den „Anderen“ steht? 

In der Kleinstadt wird es ungemütlich und gewaltsam und diese Gewalt richtet sich vor allem gegen türkischstämmige Mitbürger:innen. So wird der Apotheker Burak und Familienfreund der Familie Schneider brutal nach einem Autounfall verprügelt und von seiner Chefin unter dem Vorwand, dass er den Kund:innen gegenüber sich nicht anmessend verhalten würde, gekündigt. Auch ein türkisches Restaurant wird angezündet und die Schulklassen aufgeteilt, sodass die „Deutschen“ unter sich bleiben können. 

Stefan Rogall, Drehbuchautor der vierteiligen Reihe erklärte, dass er Motivation und Vorurteile auf beiden Seiten nachvollziehbar herausarbeiten wolle. Doch das gelingt nicht wirklich, denn das Verhältnis der beiden Familien wird gewaltsam aus den Fugen gebracht und nicht immer für den:die Zuschauer:in nachvollziehbar. Die Thematik über den politischen Rechtsruck innerhalb Deutschlands gar Europa ist allgegenwärtig und es schien nur eine Frage der Zeit, wann es szenisch umgesetzt wird. 
Jedoch ist die Umsetzung als Miniserie nicht förderlich. Denn die Thematik und das Ensemble geben ein sehr gutes Konstrukt. Doch die Serie lässt uns die Protagonist:innen nicht kennenlernen. Zu oberflächlich, zu kurz das Ganze. Sodass die Serie am Ende politisch und inhaltlich grau bleibt. Beim Zuschauen schießen einen viele Fragen durch den Kopf, doch diese werden unbeantwortet bleiben. Denn auch wenn die Serie eine provokante Thematik bespielt, geht sie nie über die Grenzen heraus und stellt Fragen, die darüber hinausgehen, wie es zum „Ist-zustand“ gekommen ist.  

Es fehlt an Komplexität und Tiefe, die innerhalb der Gesellschaft das Erstarken solcher Parteien überhaupt ermöglichen. Die Porträtierung der zunehmenden Rechten zeigt sich stumpf und einfach und hat mit der Realität und Untergrundvernetzung, die wir durch NSU zum Beispiel kennen, nicht viel gemein. Man wünsche sich sogar, dass es eine Realität widerspiegeln würde, denn dann wäre der Kampf gegen Rechts um ein Vielfaches einfacher.
Die politische Thematik und ihre Darstellung stellen sich in diesem Fall als Krux heraus. Und auch wenn die Besetzung und Leistung der Schauspieler:innen ein positiver Aspekt ist, rettet es nicht die Serie, der es an Tiefgründigkeit fehlt.                  

  :Abena Appiah

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