Bild: Symbolbild, Across the Atlantic Bild:leda

Reportage. Deutsche hamstern Klopapier, Nudeln und Mehl, Italiener*innen singen von ihren Balkonen… und wie ist es in Irland? Ein subjektiver Bericht.

1. Februar. Ich fliege für zwei Monate nach Irland – noch ohne zu wissen, dass ich wegen COVID-19 früher abreisen werde. Weder in Deutschland noch in Irland ist groß Angst vor Corona. Das Einzige, was mir in Dublin auffällt: An öffentlichen Orten und Institutionen hängen große gelbe Plakate, die aufgrund des Virus’ an die Hygieneempfehlungen erinnern.29. Februar: In Irland wird die erste Person positiv auf COVID-19 getestet – etwa einen Monat nach dem ersten bestätigten Fall in Deutschland. Weitere Menschen, die engen Kontakt zu der Person hatten, werden bald auch positiv getestet. Dabei eine implizite Entwarnung: Man könne die Ansteckungskette nachverfolgen; alle betroffenen Personen sind in Quarantäne. Noch fallen in Dublin keine Änderungen im Verhalten der Menschen auf.

9. März. Die St. Patrick’s Day – Paraden werden abgesagt – bald werden auch alle weiteren Festlichkeiten um den Feiertag geschlossen; an dem Tag selbst werden nicht mal mehr die Pubs öffnen dürfen.

11. März. In der ganzen Republik Irland gibt es mittlerweile etwa 43 Fälle;  in NRW wird bald die 500-er Marke überschritten sein. Dann zwei Meldungen an einem Tag: Die World Health Organisation (WHO) klassifiziert die aktuelle Coronakrise als eine Pandemie und in Irland stirbt die erste Person an COVID-19.

12.März. Hier kommt die Wende – und der große Unterschied zu Deutschland: landesweit werden in der Republik Irland Schulen, Universitäten und Kinderbetreuungseinrichtungen geschlossen – erstmal bis zum 29. März, wobei von Anfang an von einer möglichen Verlängerung ausgegangen wird. Schlagartig scheinen auch die Einwohner*innen die Krise ernst zu nehmen: Öffentliche Verkehrsmittel, die sonst zu Stoßzeiten der U35 Konkurrenz machen, leeren sich innerhalb von wenigen Tagen fast vollkommen. Menschen schütteln sich nicht mehr die Hände zur Begrüßung; auf der Straße und in Supermärkten bleiben viele auf Abstand.
Eins bleibt jedoch fast unverändert: die Pubs. Es scheint, als würden alle noch so vorsichtigen Ir*innen ihre Vorsicht vergessen, sobald sie sich Richtung Temple Bar und Co. bewegen. Hier fällt wieder der Unterschied zu Deutschland auf: Das Problem wird erkannt – und am 15. März müssen alle Pubs – inklusive Hotelbars – schließen.

17. März. Es wird offiziell verkündet, dass die neuen Einschränkungen vermutlich deutlich länger als bis zum 29. März anhalten werden. Mittlerweile gibt es in der Republik Irland knapp unter 300 bestätigte Fälle; in NRW über 2.000 und in Deutschland über 7.000. Übrigens: Erst heute und gestern schließen bundesweit Schulen in Deutschland.

18.März. Happy St. Paddy’s Day! Ich bin auf dem Weg zu meinem verfrühten Rückflug. Die Straßen von Dublin sind fast ausgestorben, nur im innersten Kern der Stadt sehe ich noch mehr als ein paar Menschen – darunter insgesamt zwei in festlich-grüner Verkleidung.
Dublin Airport. Beim Check-In gibt es keine Schlange, in der Sicherheitskontrolle bin ich in 5 Minuten durch, im Café sowie am Gate habe ich viele Sitzplätze zur Auswahl – wobei immer ein Platz zur nächsten Person freigelassen wird. Im Flugzeug entschuldigt sich das Service-Personal, dass es keine Lebensmittel anbieten wird. Mehrere Leute tragen Handschuhe, einige Mundschutz.

Zwei Stunden später, Düsseldorf Flughafen. Das Flugzeug landet… und all jene, die zuvor noch auf den Sicherheitsabstand geachtet haben, springen gradezu auf, stellen sich dicht hintereinander im Gang auf und warten, bis man aussteigen kann. Und auch am Flughafen selbst stehen Menschengruppen, quatschen, laufen eng aneinander vorbei. Und ich fühle mich wie im falschen Film. Sollte Deutschland in der Coronakrise nicht einen Monat vor Irland liegen? Warum beachtet hier niemand irgendwelche Sicherheitsempfehlungen?

Welcome home.            

:Charleena Schweda

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