Bild: Absolut unüberwindbar: Treppen sind der Endgegner eines Menschen, der nicht gut zu Fuß ist. Bild:ken, Eingeschränkt im Alltag Bild:ken

Glosse. Gehbehindert im Alltag, wozu auch eben die die Uni gehört. Ganz schön beschissen sag ich Euch. Ein bitterböser Erfahrungsbericht und ein wenig Rumgepöbel.

Ich beginne mit einem Statement, mit dem sich viele wohl auch identifizieren können: Ich hasse Menschen. Leider sind Menschen Herdentiere und soziale Geschöpfe. An der Stelle ein Bernd das Brot Zitat: „Mist.“ Eine sich äußerst ungünstig ergänzende Kombination. Besonders schlauchend wird es, wenn man selbst aufgrund eines äußeren Umstandes plötzlich darauf angewiesen ist, mit eben diesen verhassten anderen Menschen in Interaktion zu treten. „Möchtest Du Dich setzen?“, „Was hast Du denn gemacht?“, „Aaaahhh das hatte ich auch mal und dann ist die OP ganz fürchterlich schief gegangen, weil …“ Und im eigenen Kopf wird das wütende Rauschen immer lauter.  

Doch von Anfang an: Unfälle passieren eben und so kann es jedem*r vorkommen, dass er*sie sich auf die Nase legt, sich das Bein verdreht, und der Alltag urplötzlich mit Krücken (und jetzt alle Physiotherapeut*innen im Chor: „Unterarmgehstützen!“) bewältigt werden muss. Der erste Impuls wird sein, zu sagen, dass es schon zu schaffen ist, kann ja schließlich nicht so schwierig sein. Eine Fesrstellung: es ist schaffbar, aber super ätzend. Die einfachsten Dinge werden zur interessanten Herausforderung, es kommen plötzlich „Alte-Leute-Probleme“ ins eigene Leben. Wie komme ich vom Bett hoch? Wie lang brauch ich eigentlich bis zur Toilette? Wie trage ich mein Essen zur Couch, wenn ich beide Hände voll habe? (Das fällt einem dann übrigens auf, wenn man die Schale Suppe gerade so voll gemacht hat, dass einzig die Oberflächenspannung ein Überlaufen verhindert, weil den kleinen Rest im Topf zu lassen wäre ja albern). Irgendwann ertappt man sich bei Aldi an der Kasse, wie man zur Stoßzeit die 15,34 Euro passend und mit Kupfer zahlen möchte …
Doch eben auch Probleme fernab der eigenen vier Wände beginnend bei „Wie komm ich überhaupt hier raus?“ bis hin zu „Wie komme ich zur Uni?“, „Wie lang brauche ich?“ und „Auf welchem Weg sind möglichst keine Treppen?“ kommen dazu.
Fakt ist: Du brauchst länger. Sowohl zum Klo als auch zum Kurs, zur Bahn, zu Freund*innen, zu einfach allem. Der Tag wird kürzer und du schaffst nicht mal die Hälfte von dem, was sonst geht. Deine Arme tun irgendwann weh, weil die Stützen einfach nervig sind, du hast im besten Fall nur Schwielen an den Händen und keine Blasen, du ärgerst dich irgendwann, dass es so wenige Bänke auf dem Weg zum Hörsaal gibt, du bist genervt, weil das Lernen zum Höllenritt wird, da du das angeschlagene Körperteil immer hochlegen sollst (irgendwann wird es schlicht anstrengend immer in derselben Haltung zu sitzen).
Doch Positives: Die Menschen werden netter. Türen werden dir aufgehalten, Menschen fragen dich, ob sie dir etwas abnehmen können, Freund*innen und Familie bringen dir Essen, weil das mit dem Kochen ja nicht so gut geht, andernfalls gibt der Pizzadealer des Vertrauens dir spätestens am dritten Tag Rabatt. Die Dozent*innen sehen Verspätungen viel entspannter, der Arzttermin kollidiert leider genau mit dem Kurs, der dich am wenigsten interessiert? Was ein Unglück aber auch. Bei den meisten Dozent*innen auch bei Anwesenheitspflicht kein Problem.

Liebe Unterarmgehstützenbenutzer*innen, lasst Euch nicht unterkriegen. Es geht in den meisten Fällen vorbei. Aber ihr werdet im Anschluss Eure gesunden Gliedmaßen mehr zu schätzen wissen. Für alle, die noch nicht dahinter gekommen sind: Pullis mit Kängurubeutel und Rucksäcke sind Eure neuen besten Feunde.          

:Kendra Smielowski

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