Bild: Sanierung des Gebäudekomplex „Am langen Seil“: Die ab 2020 erwarteten Einsparungen durch bessere Dämmung hat die VBW für sich beansprucht., Wohnen in Bochum Bild: jojo

Mieterhöhung. Der Wohnungsmarkt in Bochum wird ungemütlicher. Günstige Wohnungen sind knapp, der Bedarf aber hoch. Die VBW, Träger von knapp einem Drittel der Sozialwohnungen, erhöht die Mieten. 350 Asylberechtigte warten noch auf eine Wohnung.

Die VBW Bauen und Wohnen GmbH möchte im Jahr 2019 eine ähnliche Umsatzsteigerung erwirtschaften, wie im vergangenen Jahr. Verkäufe von Wohnungen und höhere Mieteinnahmen hatten der VBW zu einer Umsatzsteigerung von 3,7 Millionen Euro verholfen. Dieses Jahr aber kann die VBW nicht drei Millionen Euro aus Wohnungsverkäufen erwirtschaften, da die Baumaßnahmen nicht rechtzeitig fertig werden. Die Umsatzsteigerung von 3,6 Millionen Euro sollen jetzt die Mieter*innen bezahlen. Anfang des Jahres hat die VBW zahlreiche Briefe verschickt, die nach Öffnung des Kuverts über eine Mieterhöhung zu April informierten. Dies wurde im Rahmen der Ratssitzung vom 31. Januar bekannt.
Über die genaue Höhe der Mieterhöhungen schweigt sich die VBW auf Nachfrage der :bsz aus. Die Pressesprecherin der VBW lässt verlauten, dass die Erhöhungen nur einen kleinen Teil der Mieter*innen betreffe und sich die Mieterhöhungen an der aktuellen Mietpreissteigung von 3,9 Prozent orientiert. Die soziale Liste berichtet von 25 Euro im Monat, die für Wohnungen in der Flüssesiedlung in Grumme mehr bezahlt werden müssten. Eine Studentin, die in einem VBW-Wohnkomplex in der Straße Am langen Seil wohnt, reagiert gelassen auf die Mieterhöhungen: „Ja, wir haben einen Brief bekommen. Aber das Haus ist so schlecht isoliert, dass wir nach den Bauarbeiten nicht viel mehr bezahlen, als vorher. Meine Mitbewohnerin hat ein Zimmer zur Nordseite hin und ihre Heizung immer auf voller Pulle.“ Ab 2020, wenn die Sanierung des Gebäudes abgeschlossen ist, sollen sie und ihre beiden Mitbewohner*innen 82 Cent pro Quadratmeter mehr Monatsmiete bezahlen, laut VBW sparen sie davon 60 Cent an Heizkosten ein.
 

Probleme auf dem Wohnungsmarkt

Im Hustadtring sind dagegen noch keine Briefe eingetroffen. Doch auch hier befürchtet man Mieterhöhungen, denn vor kurzer Zeit sind Wohnungen im Hustadtring aus der jahrzehntelangen Preisbindung herausgefallen. Die Stadt Bochum kämpft derweil darum, nicht noch mehr Sozialwohnungen zu verlieren. Ein Drittel der Wohnungen sind in den letzten zehn Jahren aus der Preisbindung herausgefallen. Der Rat der Stadt Bochum hat daher beschlossen, dass jedes Jahr 800 neue Gebäude in Bochum gebaut werden sollen, wovon 200 Sozialwohnungen sein sollen. Damit kann aber maximal der weitere Rückgang von Sozialwohnungen aufgefangen werden. Peter van Dyk, Sprecher der Stadt Bochum, beruhigt: „Wer nicht auf einen Balkon zur Südseite besteht, wird in Bochum schnell eine Wohnung finden.“ Dennoch ist auch er sich über den angespannten Wohnungsmarkt bewusst. Dass es für Studenten dennoch nicht einfacher wird, eine preisgünstige Wohnung zu finden, lassen nicht nur die Mieterhöhungen der VBW vermuten. 350 (Zahl von Mitte 2018) geflüchtete Menschen warten weiter in städtischen Einrichtungen auf ihre Unterbringung in einen Privathaushalt. Auch sie suchen, wie 87 Prozent der nicht in Wohnheimen untergebrachten Bochumer Studierenden, eine kleine oder geräumige Wohnung. Doch angesichts der Wohnverhältnisse der Bochumer*innen (knapp die Hälfte wohnt allein) und dem Rückgang an Sozialwohnungen, müssen die Geflüchteten auf den Umzug in ihr neues Zuhause noch warten.

:Jonathan Josten

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