Bild: Kontroverse Revolutionäre: Lenin und die Bolschewiki. , Tagung zur Russischen Revolution

Ideengeschichte.  Gesprächsstoff zuhauf: Bei der viertägigen Tagung „Philosophie der Russischen Revolution“ geht es um das „epochale Ereignis“ vor hundert Jahren.

Noch heute sorgt dieses Kapitel nicht nur unter HistorikerInnen für Kontroversen: Vor hundert Jahren rebellierten ArbeiterInnen, Bauern und Bäuerinnen und Soldaten gegen die Zarenherrschaft. In den Städten und Dörfern entstanden Räte. Am Ende ergriffen die Bolschewiki unter Lenin die Macht und riefen den ersten ArbeiterInnenstaat der Geschichte aus.

„Die Russische Revolution ist ein epochales Ereignis, das die Welt erschüttert und die Weichen für das gesamte 20. Jahrhundert gestellt hat“, sagt Michael Hagemeister vom Osteuropa-Kolleg NRW. Dort lädt man vom 27. bis 30. September ein zur interdisziplinären  wie internationalen Tagung „Philosophie der Russischen Revolution. Ein Rückblick nach hundert Jahren“. Diskutiert werden Ideen und Diskurse vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Umbruchs im Jahr 1917. Im Vordergrund soll dabei die Rolle der damaligen „Intelligenzija“ als treibende Kraft der Revolution stehen. 

Putsch oder Revolution?

Brisant sind auch die heutigen Debatten – nicht zuletzt im gegenwärtigen Russland unter Putin: „Während in der Sowjetunion die offizielle Bewertung dieses Ereignisses und seiner Protagonisten eindeutig war (positiv die Bolschewiki, negativ die Konterrevolution), versucht man im heutigen Russland, an die Zeit vor der Revolution wieder anzuknüpfen und beide Seiten für ein harmonisierendes Geschichtsbild zu vereinnahmen“, so Hagemeister. „‚Rote‘ wie ‚Weiße‘ werden als russische Patrioten dargestellt, denen es um die Verteidigung des ‚einen und unteilbaren Russlands‘ und um die Größe des Imperiums gegangen sei. Anstelle des früher gefeierten revolutionären Bruchs, wird heute die imperiale Kontinuität betont.“ 

Kontroversen gibt es jedoch auch in der heutigen Forschung: Waren die Ereignisse im Herbst 1917 eine Revolution oder ein Putsch? Mussten die Prozesse, die anfangs so demokratisch waren, zwangsläufig im stalinistischen Totalitarismus enden?

27. bis 29. September in den Tagungsräumen der RUB-Mensa, mehr Infos unter:  tinyurl.com/russische-revolution

:Benjamin Trilling

 

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