Bild: „blicke“ – Filmfestival des Ruhrgebiets vom 23. – 27. November Foto: bent

Zum bereits 24. Mal fand im endstation.kino das „blicke“-Filmfestival des Ruhrgebiets statt. Insgesamt 39 Filme wurden an fünf Tagen gezeigt und standen auch im Wettbewerb um verschiedene Preise. Den blicke-Filmpreis räumte am Ende eine Dokumentation über jugendliche Geflüchtete ab.

Empört wendet sich ein Mann, der in den Mülltonnen fischt, zu den Menschen hinter der Kamera: „Was filmt ihr da?“ Der Mann neben ihm beruhigt ihn: „Die Deutschen sollen sehen, wie hart wir leben müssen.“ Damit sie es sehen können, haben sie einen Deal ausgemacht: Ihm und seiner Familie hat das junge Filmteam um Maximilian Feldmann und Luise Schröder Geld ausgezahlt. Als Gegenleistung durften sie die 10-jährige Valentina, ihren Vater und die anderen Familienmitglieder in ihrem Alltag begleiten. Und der ist vor allem von Armut und Perspektivlosigkeit in den Slums von Skopje geprägt.

Das Ergebnis, der Film „Valentina“, ist keine sozialrealistische Milieustudie.  Maximilian Feldmann und Luise Schröder verbinden stattdessen auf fast poetische Weise Schwarz-Weiß-Bilder mit den Erzählungen der ProtagonistInnen aus dem Off. Aber ist das engagiertes Kino oder Armutsvoyeurismus? Das fragte sich auch das Publikum kritisch im anschließenden Filmgespräch nach der Aufführung. Bei der Preisverleihung ging der kontroverse Beitrag über die Roma-Familie leer aus.

Doku-Highlight des Jahres

Bei einer Auswahl von 39 Filmen ist das auch keine große Überraschung. So ging der „blicke“-Filmpreis am Ende an „Ferne Söhne“. Regisseur Andres Rump lässt in seinem Dokumentarfilm Flüchtlinge zu Wort kommen, die nach ihrer Ankunft in Deutschland in einer Aachener Jugendunterkunft leben. Im Film erzählen sie vor ihren traumatischen Erlebnissen und ihren Hoffnungen. Anders Rump schafft es, die Innenwelten seiner Protagonisten wiederzugeben, ohne in einen platten Voyeurismus abzurutschen. Eines der Dokufilm-Highlights des Jahres und verdienter Gewinner des Preises.

:Benjamin Trilling

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