Bild: Angestaute Wut: Seit Jahren gehen Studierende gegen die Bildungsgebühren des Torie-Regimes auf die Straße. , Studierende empören sich in Großbritannien über hohe Bildungsgebühren Foto: Michael Fleshman

Schulden und Unsicherheit: Seit Jahren gehen in England Studierende gegen die erhöhten Gebühren auf die Straße.

Wenn Lydia Martin ihren Bachelor fertig hat, wird sie vor allem eines haben: einen Haufen Schulden. So ergeht es vielen ihrer KommilitonInnen im Vereinigten Königreich. „Die meisten werden Studienschulden von circa 37.000 Pfund (41.500 Euro, Anm. d. Red.) haben“, erzählt die Studentin der Literaturwissenschaft. „Wegen der wirtschaftlichen Situation in Großbritannien gibt es nach dem Abschluss keine Sicherheit einer gut bezahlten oder überhaupt einer Stelle.“ 

Sie selbst muss jedes Jahr über 10.000 Euro bezahlen. Hinzukommen fast 8.000 Euro für Unterkunft, Verpflegung, Bücher und so weiter. Die staatliche Unterstützung ist rar: Man kann einen Kredit für die Studiengebühren beantragen. Zuvor gab es noch das sogenannte „maintenance grants“, ein staatliches Stipendium, für das man sich bewerben konnte. Letzten September haben die Tories das abgeschafft. „Die Regierung hat sich dazu entschlossen, um angeblich Geld zu sparen“, so Lydia. „Aber die Konservativen scheinen ideologisch gegen die finanzielle Unterstützung von ärmeren Studenten zu sein.“

Proteste und Ausschreitungen

Eine neoliberale Umstrukturierung der Hochschullandschaft wird in Großbritannien schon seit Jahren betrieben – weg von der öffentlichen Uni, hin zur marktkonformen Bildungsfabrik. 2010 hatte die Cameron-Regierung eine Verdreifachung der Studiengebühren beschlossen.

Immer wieder regte sich dagegen Protest, zuletzt gingen im November 2014 zehntausend Studierende auf die Straße. Als die Polizei gegen die Demo vorging, kam es zu Ausschreitungen. Die Gebühren sind geblieben und wurden seitdem sogar noch verschärft. Die Wut unter den Studierenden ist enorm: „Die Verdreifachung der Gebühren ist der große Skandal unserer Generation“, erzählt Lydia, die Labour-Aktivistin ist und  wie viele andere junge Menschen im letzten Jahr den Linken Jeremy Corbyn für den Parteivorsitz unterstützte.

Nächsten Sommer wird Lydia ihr Studium beenden. Eigentlich würde sie dann gerne mit einem Master weitermachen. Dafür fehlt ihr jedoch das Geld.

:Benjamin Trilling

 

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