Bild: Kirschwein, mehr Fruchtwein: „Meine Schwester durfte Ausschussware von ihrer Arbeit mitbringen, wie Mangos, Papayas." Foto: Kac, Überreife Früchte mit dunklen Druckstellen kann man prima weiter verwerten Foto: kac

Die Bilder in unseren Köpfen von französischen Füßen, die in großen Holzfässern Trauben zerstampfen, um an den Saft zu gelangen, sind nach EU-Richtlinien nicht mehr up to date. In der :bsz 1084 haben wir über Selbstversorgung berichtet und in 1085 von „Weine vor Freude“, nun verbinden wir beides. Diplom-Kerninformatiker Piotr Kudlacik versorgt sich selbst mit Wein.

Piotr, von allen Peter genannt, ist gebürtiger Pole, dort sei es üblich, Wein selbst zuhause herzustellen. Meistens aus den Früchten des eigenen Gartens.
„Die Idee, selbst Wein (genauer, Fruchtwein, da der Begriff Wein für Weintrauben reserviert ist) herzustellen, verfolgte mich schon immer“, so Peter. Seinen ersten Versuch habe er vor etwa zehn Jahren unternommen. „Ohne größere Kenntnisse habe ich mit meiner Schwester zehn Kilogramm Trauben gekauft, ausgepresst und angesetzt. Das ganze wurde zu Essig. Keine Ahnung warum.“
 
Danach habe er das Thema vergessen. Bis er vor vier Jahren bei Bekannten in Köln war, die ihm einen selbstgemachten Pflaumenwein zum Probieren gaben. „Das hat mich inspiriert, es noch einmal zu versuchen. Bei polnischen Freunden und im Internet habe ich mich bezüglich der Weinherstellung informiert., huptsächlich auf der Seite  „fruchtweinkeller.de.“ Mit diesen Informationen habe Peter selbst einen Pflaumenwein angesetzt – aus Früchten, die er geschenkt bekam. „Er sollte genauso gut schmecken wie der meiner Bekannten.  Es hat sechs Monate gedauert, bis der Wein fertig war. Er war lecker, aber nicht so gut wie der andere. Ich hab also noch ein Ziel vor Augen.“
 
Peter benutzt hauptsächlich Obst, das er geschenkt bekommt oder das aus dem Garten seiner Mutter. Man kann aus jedem Obst Fruchtwein herstellen: „Abgesehen vom Pflaumenwein ist mein weiterer Favorit meine neueste zufällige Kreation. Ich habe von meinem Arbeitskollegen Pascal überreife Himbeeren geschenkt bekommen und diese mit selbst gepflückten Brombeeren, Johannisbeeren und Kirschen gemischt. Herausgekommen ist ein sehr leckerer fruchtig-süßer Wein. Leider sind es nur sieben Flaschen geworden. Er war jedoch so lecker, dass er mich im letzten Winter dazu verleitet hat, 40 Euro für Tiefkühlobst auszugeben und diesen noch einmal herzustellen.“ 
 

Wein, eine Wissenschaft für sich

Im Gegensatz zu seinen FreundInnen und Verwandten aus Polen geht Peter das ganze wissenschaftlich an. Dort wird Obst mit Zucker und Wasser vermischt und das ganze den natürlichen Fermentierungsprozessen überlassen. 
Es fängt bei der Auswahl der entsprechenden Reinzuchthefe an. Jede Hefe hat eine andere Alkoholtoleranz und einen eigenen Geschmack. „Jede Woche kontrolliere ich ob die Hefe genug zu essen hat und wie hoch der Alkoholgehalt ist – wenn nicht, wird nachgezuckert.  Dazu gibt es entsprechende Formeln: Damit sich 1 Volumen Prozent Alkohol (7,9 g/l) bilden kann, müssen 7,9 x 2,6 g/l = 20,5 g/l Zucker vergoren werden.“ Zu viel Zucker darf man natürlich auch nicht hinzugeben, da der Wein dann zu süß  wird und nicht mehr schmeckt.
 
:Katharina Cygan
 

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