Bild: Grazil: Das russische Ensemble beim Auftakt. , Das Russische Nationaltheater Moskau zu Gast in Bochum Fotoquelle: Highlight Concerts

Es ist wohl eins der berühmtesten Balletts mit der Musik von Tschaikowsky. Mit „Schwanensee“ gastierte am 29. Februar das Russische Nationaltheater im Ruhrcongress Bochum. Die Tanzchoreographie begeisterte das Publikum, auch wenn manche ZuschauerInnen sich durch die Garderobe der Tänzer von der Musik abgelenkt fühlten.

Die Handlung des Ballettklassikers ist schnell erzählt: Prinz Siegfried verliebt sich in die in einen Schwan verzauberte Odette. Um den Fluch des Zauberers Rotbart zu brechen, muss der Prinz seiner Angebeteten ewige Treue schwören. Zu dumm, dass sich Rotbarts Tochter bei Siegfrieds Festlichkeit als Odette ausgibt und er darauf hereinfällt. Im Original begeht Odette Selbstmord, doch der Choreograph Juri Grigorovich hat sich ein anderes Ende ausgedacht: Siegfried und Odette bleiben zusammen.

Auch bei der Kostümierung ging die Inszenierung offenbar neue Wege. Die Reaktionen auf die Beinkleider der männlichen Tänzer reichten von kulturbürgerlicher Empörung bis zu kindlichem Kichern. Bei letzterem fühlte sich ein Vater berufen, das Gesehene ästhetisch einzuordnen: „Da kannst Du doch nicht lachen. Das ist Kunst.“ Anlass waren die sehr engen hellen Strumpfhosen, unter denen sich nicht nur jeder Beinmuskel, sondern die gesamte Anatomie präzise abzeichneten.

Perfekte Synchronität

Jan Thomas, der in einer :bsz-Verlosung eine Karte gewonnen hatte, musste die Eindrücke seines ersten Ballettbesuchs auch erst einmal verarbeiten: „Zunächst haben mich die ganzen Penisse irritiert, doch ab dem zweiten Akt sah man die großartige Tanzchoreographie des Ensembles.“ Besonders gut habe ihm die akrobatische und athletische Leistung des Hofnarren gefallen.

Besonders nach der Pause zeigten sich dann zahlreiche Schwäne, die von den TänzerInnen mit filigranen Tanzbewegungen imitiert wurden, ein magisches Spiel aus perfekter Synchronität.

Dass sich überhaupt BallettzuschauerInnen von den engen Kostümen irritiert und gestört fühlten, sollte nicht dem Regisseur angelastet werden. Es zeigt vielmehr, dass die Gesellschaft zwar an die Nacktheit der Frau gewohnt ist, ob in der Werbung, Filmen oder Serien, aber nicht an die – auch nur angedeutete – Blöße des Mannes.

:Katharina Cygan

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