Bild: Nie wieder Dänemark: In den 70ern protestierten GrönländerInnen für ihre Unabhängigkeit. , Ab 21. Januar im Kino: „Sumé – The Sound of a Revolution“ Foto: mindjazz

Poetisch und politisch: Die grönländische Rockband Sumé sang freche Hymnen der Unabhängigkeitsbewegung gegen das Königreich Dänemark. Inuk Silis Høegh setzt der Band mit einem Dokumentarfilm ein spannendes Denkmal.

Auch das Tanzen muss manchmal gesellschaftlich erkämpft werden – vor allem im kargen, eisigen Norden: Als die grönländische Rockband Sumé Ende der 70er Jahre eine Tournee in Grönland gab, hatten sie bereits Konzerte in Dänemark gespielt, bei denen das Publikum mitzappelte. In ihrem Heimatland sieht das – noch – anders aus: Die Menschen da sind derart eingeschüchtert, dass sie wie im Kino vor der Bühne sitzen und leise den Songs lauschen. Für die vier Bandmitglieder von Sumé, die damals in Kopenhagen studierten, eine Auswirkung der Kolonialzeit, wie sie im Film  kommentieren.

Denn wie sehr sich die grönländische Gesellschaft in dieser Zeit im kolonialen Würgegriff des kapitalistischen Dänemarks befand, zeigt Høeghs spannende Doku in aktuellen Interviews, Archivaufnahmen und nicht zuletzt durch die Tracks der Band.

Kolonialismus noch allgegenwärtig

Dass Sumé in diesem Klima ihre Texte auf grönländisch sangen, war daher alles anderes als selbstverständlich, wie sich eine Zeitzeugin erinnert: „Am Anfang waren wir alle schockiert, als wir Sumés Musik hörten. Es hatte ja noch nie jemand vorher auf Grönländisch gesungen!“

In ihren Songs verbanden sie den Identitätsverlust der unterdrückten indigenen Inuitkultur mit dem selbstbewussten anti-kolonialen Kampf um Unabhängigkeit.  Sumé lieferte den Soundtrack dieser Aufbruchstimmung, die 1979 in der autonomen Selbstverwaltung der grünen Insel gipfelte – auch wenn Sumé-Songwriter Malik Høegh einräumt, dass die Auswirkungen der Kolonialzeit noch immer allgegenwärtig sind.

Das ist schließlich auch die Musik von Sumé: poetisch, melodisch und rebellisch – der Sound der Beatles trifft auf die Kraft des Antikolonialismus. Wer nach diesem Film und den faszinierenden Versen von Sumé Musik für politisch belanglosen Zeitvertreib hält, ist ein unbelehrbarer Trottel.

:Benjamin Trilling

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