Bild: Leidenschaft trifft Energie: Die Münsteraner Long Distance Calling krönten den Abend mit ihrem klanggewaltigen Instrumentalrock., Hard Rock, Post Rock, Death Metal: Musikalische Abwechslung beim Leafmeal in Dortmund Foto: mb

Den Herbst gebührend verabschieden – das schafften die OrganisatorInnen des Leafmeal-Festivals vergangenen Freitag im Dortmunder FZW. Verschiedenste Stilrichtungen trafen auf zwei Bühnen aufeinander, sodass alle LiebhaberInnen experimenteller Gitarrenmusik zufrieden ins Wochenende starten konnten.

Was haben Bands mit kryptisch klingenden Namen wie Long Distance Calling, Crippled Black Phoenix oder Hexvessel miteinander gemeinsam? Sie alle sprengen die gewohnten Grenzen einzelner Musikgenres und vereinen in ihrer jeweils eigenen Stilrichtung verschiedenste Einflüsse auf eine unverwechselbare Art und Weise.

Ambivalente Atmosphäre: Mit ihren einzigartigen „Endzeit-Balladen“ überraschten Crippled Black Phoenix aus England. Foto: mbSo war vergangenes Wochenende im FZW für alle, die sich allgemein an rockigen, atmosphärischen oder auch härteren Spielarten der Gitarrenmusik erfreuen, etwas dabei. Auf zwei Bühnen und an drei Bars sorgte das Leafmeal-Team für musikalische Leckerbissen sowie ausreichend Bier und vegane Snacks.

Auf verträumten Folk folgte hartes Geknüppel

Leider war es aufgrund der Überschneidung in den Spielzeiten nicht möglich, jede Band komplett zu bestaunen. Doch verschiedene Stile machen es schließlich auch einfacher, individuelle Schwerpunkte zu setzen. So begann mein Abend mit dem finnischen Grüppchen Hexvessel, die mit ihrem verträumten und zugleich düsteren „Forest Folk“ das Publikum sofort in ihren Bann zogen. Instrumentell versiert und vielseitig zeigten sich die MusikerInnen an Geige, Trompete, Synthesizer, Drums und Saiteninstrumenten, während die unverkennbare Stimme des Sängers Mat McNerney – der später als DJ den Abend abrundete – durch und durch berührte.

Gut 20 Minuten später klang es auf der kleineren Bühne schon ganz anders: Die lokale Truppe Sulphur Aeon energetisierte die Atmosphäre mit ihrem düsteren, ballernden Death Metal im Lovecraft’schen Cthulhu-Gewand. Gleichzeitig zog es die mehr klassisch Interessierten in den großen Raum, wo die Schweden von Dead Lord gekonnt feinsten Hard Rock boten.

Hexvessel spielten im FZW auf dem Leafmeal-Festival. Foto:mbWohlige Endzeit-Stimmung

Die aus wechselnden MusikerInnen bestehenden Crippled Black Phoenix aus England überraschten mit einem extrem einzigartigen Mix, der ambivalente Gefühle hinterließ. In ihren „endtime ballads“, wie sie sie selbst bezeichnen, kreieren sie mit klassischen Rock-Instrumenten sowie zusätzlich Piano und Synthesizern einen unverkennbar tragenden Klangteppich – gekonnt gespickt mit einer Prise Melancholie und Hoffnungslosigkeit.

Der heimliche Headliner des Abends war jedoch die Post-Rock-Größe Long Distance Calling. Die Münsteraner sind bekannt für ihre atmosphärische Musik mit ausgesprochen viel Energie dahinter. Ihr Auftreten ist dabei sympathisch bodenständig – den Spaß, den sie auf der Bühne haben, geben sie nicht nur durch ihre rhythmischen Passagen an das Publikum weiter. Auch mit Ansagen wie „Als nächstes folgt unser mit Abstand härtester Song. Viel Spaß beim Abgehen!“ vermögen sie ihre zumeist heterogene ZuhörerInnenschaft in ihren Bann zu ziehen.

Man kann nur hoffen, dass es in Zukunft mehr von solch sympathischen Veranstaltungen mit einer so großen Bandbreite an dargebotenen Stilen geben wird.

:Melinda Baranyai

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