Bild: Kohle für alle: In der finnischen Hauptstadt Helsinki möchte man, dass alle genug zum Leben haben – auch ohne Arbeit., Gegen die steigende Arbeitslosenquote: Der Norden will es vormachen Foto: Oulal / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Die neue finnische Koalition, bestehend aus der liberalen Zentrumspartei („Suomen Keskusta“), der konservativen nationalen Sammlungspartei („Kansallinen Kokoomus“) und den rechtspopulistischen Basisfinnen („Perussuomalaiset“),  hat diesen Monat im Koalitionsvertrag festgehalten, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen im Land getestet werden soll. Wie, wann und wo ist noch unklar.

Die Idee eines Grundeinkommens in gleicher Höhe für jedeN ist nicht neu – international gibt es sie bereits mindestens seit den 1920er Jahren. Ziel ist es, jedem Bürger und jeder Bürgerin eine finanzielle Unterstützung zu gewährleisten, die ohne weiteres Einkommen existenzsichernd ist. Finnland präsentiert sich schon hinsichtlich der Studierendenförderung von mindestens 500 Euro monatlich – die nicht zurück gezahlt werden müssen – als Vorreiter.

Enorm hohe Lebenshaltungskosten

Nun sind sich nicht nur die Koalitionsparteien, sondern laut einer Umfrage auch 79 Prozent der Finnen einig: Das bedingungslose Grundeinkommen muss her.

Denn auch Finnland ist nicht von Armut verschont: Die Lebenshaltungs- sowie die Produktionskosten sind im europäischen Vergleich enorm hoch und die Schwächung Nokias sowie der Papierindustrie machen es auch nicht gerade einfacher. Mehr als die Hälfte der allein lebenden RentnerInnen liegt unter der finnischen Armutsgrenze.

Pro und Contra

Ein bedingungsloses Grundeinkommen ermögliche nicht nur ein menschenwürdiges Leben für jedeN, sondern auch die Absage an die Leistungs- und Konkurrenzgesellschaft.  

Dem entgegen steht als wichtigster Kontrapunkt die Gefahr, dass die Menschen weniger zum Gemeinwohl beitragen, da sie auch ohne Arbeit ein Einkommen erhalten.

Ob das Konzept funktioniert, versuch(t)-en bereits einige Länder und Initiativen herauszufinden: Bei „Mein Grundeinkommen“ zum Beispiel  wird per Crowdfunding Geld gesammelt, das dann in Höhe von 1.000 Euro monatlich verlost wird. In einer Ortschaft in Namibia gab es zumindest keine negativen Ergebnisse, als testweise von Januar 2008 bis Dezember 2009 rund 100 Namibia-Dollar im Monat pro Person ausgezahlt wurden. Von einem aussagekräftigen Test ist allerdings bis dato im internationalen Kontext noch nicht die Rede. Ob die nach rechts gerückte Regierung in Helsinki eine probeweise Einführung organisieren kann, wird sich noch zeigen.

:Anna-Eva Nebowsky

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