Bild: Auf dass sie nicht umsonst gestorben sind: Der Künstler mr.R & papa.giBs verewigte die Opfer an einer Mauer in Poitiers. , Aus der Sicht einer Augenzeugin: Anschlag auf Charlie Hebdo Quelle: ID-Number-THX-1139 (CC BY 2)

Die Anschläge auf Charlie Hebdo waren ein Angriff auf Frankreich, die westliche Welt und vor allem die Werte, für die sie unter anderem steht: Presse- und Meinungsfreiheit. Eine junge Pariserin erlebte ungewollt die Ereignisse aus nächster Nähe und hatte Glück im Unglück: Sie kam noch mit dem Schrecken davon.

Denise wollte eigentlich nur etwas einkaufen gehen  in der „Rue de Meaux“ – einem Ort, an dem sich der Fluchtwagen der Attentäter von Paris befand. „Ich sah das Auto und auf einmal kamen Spezialkräfte der Polizei, gefolgt von Bombenentschärfungsteams. Natürlich wusste ich noch nicht, dass es sich um ein Attentat handelte. Deswegen bin ich sofort nach Hause gegangen und dann kamen schon die Eilmeldungen im Internet und im Fernsehen.“

Die gebürtige Bochumerin zog 2007 nach Paris, nachdem sie in Mainz und später in Dijon studiert hatte und jetzt für einen Online-Versandhandel arbeitet. „Als ich dann den Fernseher anmachte, war ich fast den Tränen nahe, ich hatte wohl einfach Glück gehabt“, erzählt sie. Zusammen mit ihrem Freund ist sie erst kürzlich in eine neue Wohnung gezogen, die sich in unmittelbarer Nähe des Tatortes befindet, der sie immer noch beschäftigt: „Es ist einfach schrecklich, was dort passiert ist!“

Solidarische Kundgebung am selben Tag

Zwar habe sie das Satire-Magazin nicht wirklich gelesen, gleichwohl entspreche es schon eher ihrer politischen Richtung. Am Abend des Attentats fand an der Place de la République eine große Kundgebung statt, die weniger mit französischen Fahnen und Patriotismus, sondern mit echter Anteilnahme aus allen Bevölkerungsschichten eine klare Message demonstrierte: Das Attentat trifft nicht nur westliche Werte, Demokratie und Pressefreiheit, sondern auch alle friedlichen MuslimInnen im Land, die mit den Folgen in Zukunft leben müssen. Das weiß auch der rechtsextreme „Front National“, der noch am selben Tag in gewohnt populistischer Form die Wiedereinführung der Todesstrafe forderte und gegen MuslimInnen hetzte.

Front National profitiert – leider!

Für Denise ist es selbstverständlich, in einem multikulturellen und weltoffenen Land wie Frankreich zu leben, und deshalb kann sie solchen Forderungen wenig abgewinnen; gleichzeitig ist sie froh, dass erst in zwei Jahren wieder gewählt wird. „Natürlich profitiert der Front National von solchen Anschlägen und leider schafft dieser es auch, eine undifferenzierte Meinung in der breiten Bevölkerungsschicht zu festigen.“ Der französische Präsident François Hollande hatte davor gewarnt, Islamisten und Muslime gleichzusetzen – nichtsdestoweniger hat Denise Angst davor, dass das Land wieder nach rechts abdriftet.

Demonstration an der Place de la République am Sonntag

Um das zu verhindern, beteiligte sie sich wie rund eine Millionen andere Demonstrant–Innen – unter ihnen auch Bundeskanzlerin Merkel – am Sonntag an dem Gedenkmarsch für die Opfer der Anschlagsserie und hofft, dass alles friedlich bleibt. Denn in Frankreich leben über fünf Millionen Menschen mit muslimischem Glauben. Hoffentlich kommt das auch in der breiten Bevölkerung an und nicht nur bei Denise selbst.

:Tim Schwermer

0 comments

You must be logged in to post a comment.