Bild: Früh übt sich: Das gilt auch für den Kriegsdienst an der Waffe auf der Jugendmesse YOU in Dortmund. , Kein Werben fürs Sterben: Aktionen gegen die Bundeswehr auf der YOU-Messe in Dortmund Foto: bent

Uncle Sam wants YOU: In diesem Jahr fand die YOU-Messe nach einigen Jahren wieder in Dortmund statt und brachte mit der Bundeswehr einen umstrittenen Standbetreiber, der die Jugendmesse als Plattform nutze, um junge Menschen für den Wehrsdienst zu rekrutieren. Dagegen zeichnete sich schon im Vorfeld Widerstand ab. Verschiedene Organisationen störten als Bündnis Krieg ist kein Funsport mit Flashmobs den aufwendigen Standbetrieb des Militärs.

So hat man sich das wohl nicht vorgestellt: Die Bundeswehr kam an diesem Wochenende einfach nicht zur Ruhe. „Deutsche Waffen, deutsches Geld morden mit in aller Welt“, zischt es durch die Westfalenhalle. AktivistInnen des Bündnisses Krieg ist kein Funsport schmeißen sich mit kunstblutverschmierten T-Shirts vor einen Panzer der Bundeswehr, der „Die-in“ rüttelt einige MessebesucherInnen auf; Kinder und Eltern, welche die rosaroten Karrierebilder der Bundeswehr zu sehen bekommen, können nicht ignorieren, dass es hier ums ganz blutige Geschäft geht: Waffenexporte, Akzeptanz zum Militarismus und ein unverblümtes Werben für das Sterben – auf  dem Altar des Vaterlandes. Während vor der Westfalenhalle eine Kundgebung auf die militaristische Propaganda hinwies, fanden vor dem Bundeswehr-Stand, für den einiges an militärischem Gerät angefahren wurde, das gesamte Wochenende über Aktionen und Flashmobs statt. So pusteten Jugendliche schon am Freitag symbolische Seifenblasen in die Luft und richteten sich mit Sprechchören wie „Kein Werben für’s Sterben“ gegen die Rekrutierungsversuche.

Überwachungsandrohung gegen AktivistInnen

Vielleicht muss man Kurt Tucholsky ergänzen: „Soldaten sind Mörder“.  Aber zunehmend familienfreundliche Mörder. Denn die Bundeswehr war vor allem darauf bedacht, sich den Jüngsten als normaler Arbeitgeber für den Kriegsdienst zu präsentieren. „Wenn in Afrika Kindersoldaten rekrutiert werden, sorgt das hier in der bürgerlichen Gesellschaft für breite Empörung. Wenn allerdings die Bundeswehr in der BRAVO für ihre sogenannten Funsport-Camps wirbt oder eben Propaganda auf der Jugendmese YOU betreibt, dann soll das völlig in Ordnung sein?“ kritisierte Jan Tacke, Pressesprecher des Bündnisses Krieg ist kein Funsport. „Das Werben von Militär unter Minderjährigen widerspricht massiv den Grundsätzen der UN-Kinderrechtskonvention.“ Gegen den Versuch der AktivistInnen, „friedlich, bunt und kreativ“ auf die Präsenz der Bundeswehr hinzuweisen, gab es jedoch schon im Vorfeld Androhungen seitens der VeranstalterInnen und der Polizei. So verwies etwa Philipp Rischke, Prokurist der Westfalenhallen, darauf, dass die Bundeswehr mit dem Militärischen Abschirmdienst (MAD) über „Mittel und Wege“ verfüge, Informationen über die Planung möglicher antimilitaristischer Aktionen zu beschaffen. Der Bundeswehr, die sich bei der YOU als familienfreundlicher Arbeitgeber mit Karrierechance zeigen wollte, brachte das am Wochenende nicht viel. Die Aktionen der KriegsgegnerInnen schadeten dem Image der Bundeswehr, auch wenn sie nur kurz waren: Wenige Minuten gegen Militarismus und Kriegshetze.

:Benjamin Trilling
 

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