Unruhen
Soziale Unruhen von Stockholm bis Istanbul
Beliebtes Mittel zum Abreagieren und Zeichen Setzen: Vielerorts in Europa brennen Autos bei Unruhen. Foto: Wikimedia Commons / Richard Hopkins (CC BY-2.0)

Vergangene Woche noch geisterten täglich Aufnahmen brennender Autos, einer Polizeiwache und Bildungseinrichtungen aus schwedischen Vorstädten durch die Medien – diese Woche sind die Nachrichten voller Bilder des staatlich unterdrückten Protests gegen ein mutmaßlich undemokratisches Regime in der Türkei. So verschieden die Anlässe des Aufruhrs auch sein mögen – gemeinsam ist den aktuellen sozialen Unruhen eine tiefe Unzufriedenheit mit staatlicher Repression und struktureller Chancenungleichheit im Turbokapitalismus der Gegenwart. Während die Entwicklung der inzwischen auf 48 von 81 Provinzen ausgeweiteten Proteste in der Türkei bei Redaktionsschluss nach dem Tod zweier Menschen und etwa 1.000 Verhaftungen bei über 90 Demonstrationen unklar ist und am Wochenende auch in Deutschland vielerorts Solidaritätsdemos stattfanden, hat sich die Situation in Schweden einstweilen beruhigt. Die :bsz betrieb Ursachenforschung und sprach mit der Stockholmer Projektleiterin und politischen Beraterin für ethnische Vielfalt bei der JuristInnengewerkschaft Jusek, Josefin Claesson. 

Erneut Unruhen in nordirischer Hauptstadt Belfast
Eine Folge des Flaggenstreits: Brennende Autos im Osten Belfasts. Screenshot: Chris Maginnis, YouTube

Wieder stehen Autos in Flammen, wieder wird die nordirische Stadt Belfast von schweren Unruhen erschüttert. Die ProtestantInnen im Osten Belfasts sind empört, dass die britische Flagge nicht mehr täglich auf dem Dach des Rathauses weht. Am 3. Dezember 2012 gelang es den NationalistInnen der Sinn Féin, zusammen mit der Alliance Party of Northern Ireland, eine neue Flaggenordnung durchzusetzen. Dabei überstimmten sie die Ratsmitglieder der Democratic Unionists Party. Der Beschluss sieht vor, dass die Flagge nur noch an 17 bestimmten Tagen im Jahr gehisst werden darf – eine Zumutung für die pro-britischen LoyalistInnen.