Das „Handlungskonzept Wohnen“ zur wohnungspolitischen Strategie Bochums wird Gremien vorgelegt
Wie wird Bochum wohnen?
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Wie wohnt Bochum in Zukunft? Die Beantwortung dieser und anderer Fragen findet sich im „Handlungskonzept Wohnen“ und liegt derzeit den Gremien vor.  Foto: tom
Wie wohnt Bochum in Zukunft? Die Beantwortung dieser und anderer Fragen findet sich im „Handlungskonzept Wohnen“ und liegt derzeit den Gremien vor.

Leben. Knapp ein Jahr lang wurde das „Handlungskonzept Wohnen“ für Bochum erarbeitet. Ab dem 27. September liegt der Entwurf den Ausschüssen und Bezirksvertretungen zur Beratung vor. Die Bochumer Linke stellt „dringenden Nachbesserungsbedarf“ fest.

Laut Pressemitteilung vom 20. September weise das Wohnraumangebot in Bochum quantitative und qualitative Defizite auf. Abwanderungen von Bochumer Haushalten seien die Folge eines unzureichenden Angebots in der Stadt, nicht alle in Bochum lebenden Menschen könnten mit Wohnraum in ausreichender Menge und Qualität versorgt werden. Mit dem „Handlungskonzept Wohnen“ soll eine wohnungspolitische Strategie geschaffen werden, die „gleichermaßen auf Neubaumaßnahmen als auch auf die Bestands- und Quartiersentwicklung“ setze. Die Erarbeitung des Konzepts wurde gestützt durch das Gutachterbüro empirica aus Bonn. Als wichtigstes erarbeitetes Ergebnis gelte: „Die Wohnungsbauaktivitäten im Neubau und im Bestand müssen deutlich steigen, um die Nachfrage nach Wohnraum zu befriedigen und die Bevölkerungszahl stabil zu halten.“

Als Ziele formuliert sind daher unter anderem eine Ausweitung des Wohnungsneubaus auf jährlich 800 Wohnungen, davon 200 im sozialen Wohnungsbau, soziale Wohnraumförderung, eine Modernisierung der Wohnbestände sowie eine nachhaltige Quartiersentwicklung.

Kritik am Konzept

Die Linksfraktion im Bochumer Rat stellt „dringenden Nachbesserungsbedarf beim Entwurf“ fest. Das Konzept könne die strukturellen Probleme in der Wohnungspolitik nicht lösen, erklärt Horst Hohmeier, Ratsmitglied der Bochumer Linken. Es werde weiter auf großflächige Privatisierung statt auf kommunalen Wohnungsbau gesetzt und es seien keine weitergehenden Maßnahmen zur Stabilisierung des Mietpreises vorgesehen. „In der vorliegenden Form ist das Handlungskonzept mut- und einfallslos. Bochum muss die Chance nutzen, die Probleme auf dem Wohnungsmarkt endlich grundsätzlich anzugehen!“, so Hohmeier weiter. 

Ist kommunal bauen möglich?

Eckart Kröck, leitender städtischer Baudirektor, erklärt diesbezüglich, die Stadt baue nicht selbst, da sie dazu ökonomisch schlichtweg nicht in der Lage sei. Wäre sie das, kämen nichtsdestoweniger mindestens 3 Jahre an Organisation hinzu, ein Verzug wäre unvermeidbar. Des Weiteren seien private AkteurInnen vorhanden, kommunaler Wohnungsbau sei in dieser Hinsicht also das falsche Signal. Alle in Bochum verfügbaren Flächen würden derzeit auf dem Markt angeboten. Es gelte das „Bestgebotsverfahren“. Dabei gebe die Stadt aber nicht in Gänze das Ruder aus der Hand. Sie will als Vorbild für die Entwicklung von Wohnraumflächen fungieren und ihren Handlungsspielraum nutzen. „Soweit die Stadt selber in der Lage ist, mit ihrer Grundstücks- und Planungshoheit aktiv sozialen Wohnungsbau zu fördern und zu befördern, geht sie das offensiv an“, so Kröck. Sozialen Wohnungsbau verstehe er als aktive Sozialpolitik, bei welcher der Bestand, die Modernisierung und die Erhaltung in rechtliche, finanzielle und personelle Möglichkeiten eingebettet werden.

Kröck erklärt weiter, dass zu geringe Mieten zu einem Mangel an Investition, Erneuerung und Instandsetzung führen würden. Bei dem derzeit völlig überalterten Wohnungsbestand fielen Wohnungen über kurz oder lang aus, wenn der Markt nicht im richtigen Kontext angegangen werde.

:Tobias Möller