Zweite digitale Ausgabe des Sommerfests ist vorbei
Sommerfest 2021

Talk

Im Gespräch über Gender

Letzten Mittwoch setzte ich mich also an einem schönen Sommertag in mein Zimmer, statt die Sonne zu genießen, und schaute mir den Livestream des Sommerfests 2021 an. Das Programm fing dabei sogar vielversprechend an. Nach einer kurzen Anmoderation und Begrüßung ging es los, und das erste, was ich mir anschaute, war eine Gesprächsrunde mit der Musikerin und Aktivistin Sookee und dem freien Autor Fikri Anıl Altıntaş mit Moderatorin Jasmin Brock. Das Thema? Geschlechter(un)gerechtigkeit. Nachdem die Gäste kurz vorgestellt wurden, wurden ihnen Sätze gegeben, die sie vervollständigen sollten. Zum Beispiel dazu, welche Erwartungen an ihr Geschlecht sie mittlerweile abgelegt haben und welche Themen zukünftig in Büchern für Kinder präsenter sein sollten. Schnell entstand ein sehr interessantes Gespräch, das Aspekte der Dekonstruktion von Geschlechterrollen, Normalisierung von Diversität und Problemen der Musikindustrie abdeckte. Auch die sogenannte „allyship“ – wenn sich Nicht-Betroffene mit Betroffenen gewisser Formen von Diskriminierung solidarisieren und sie aktiv unterstützen – und das Messen mit zweierlei Maß, bei weiblich und männlich gelesenen Personen, war Thema. So kam eine Frage im Chat, wie die Gäste denn zur Rapperin Schwester Ewa stünden. Diese saß bis Anfang dieses Jahres wegen 35-facher Körperverletzung, Steuerhinterziehung und Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger im Gefängnis. Diese Taten seien zu verurteilen, jedoch müsse man betrachten, wie sehr sie öffentlich skandalisiert und verurteilt werden im Vergleich zu ähnlichen Taten männlicher Musiker. Dass Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock gefragt wird, ob sie neben ihrer politischen Tätigkeit genügend Zeit für ihre Kinder habe, während solche Fragen einem Mann wie Friedrich Merz nie gestellt würden, und die der Betrugsmasche des sogenannten „Enkeltricks“ bezichtigte Schweizer Rapperin Loredana wurden als weiteres Beispiel angebracht. Das einstündige Gespräch griff viele Facetten des Geschlechter-Diskurses auf, erklärte Grundbegriffe und war zugänglich für Personen verschiedener Kenntnisstände. Gestört hat mich am Ende nur, dass es mit einer Stunde eigentlich viel zu kurz war.                 :kjan

Lounge

Der Freizeit-Talk mit Special Guest startete um 20:15 Uhr zur besten Sendezeit. Der Gast wurde groß angekündigt und ein paar vereinzelte Studis werden schon mit ihm gerechnet haben. Er könne über die Uni-Brücke gehen, ohne erkannt zu werden und dazu passte auch sein Outfit. Eine Kapuzen-Sonnenbrillen-Kombination kaschiert sein Gesicht und der Hintergrund gibt ebenfalls nicht viel preis. Wäre da nicht der verräterische Aufdruck auf seinem Hoodie: PTR KRDLL.
Am Gespräch nahmen nur Peter Kardell und die freundliche Moderatorin teil - könnte man meinen. Aber die Kommentarspalte gab vieles her und der Grundtenor war ziemlich eindeutig – die Menge tobt für ihren Peter. Die Kommentare waren auf dem Sommerfest eine willkommene Abwechslung für die Moderator:innen, um Fragen der Studis zu stellen, sodass das angepriesene Live-Erlebnis seinen Soll erfüllen konnte. So verlief das Gespräch über verschiedene Themen wie Frühstück und Morgenroutinen, ein Chemie-Studium, wofür er nicht brannte, seine nächste Mail und sein allgemeines Mail-Verhalten bis hin zu kleinen Anekdoten aus seiner Zeit an der RUB. Ein Spruch, den sein Pulli nicht hätte besser formulieren können, fasst es ganz gut zusammen: wo Peter Kardell draufsteht, ist auch Peter Kardell drin.

 

Club: DJ-Battle Hip-Hop vs. (Tech-)House

Das Sommerfest startete für manche mit einem Duell an den Turntables. Die Kontrahent:innen waren Jenny Ostro und Kurtis Flow, welche den in der Szene Eingesessenen schon über den Weg gelaufen sein werden. Um nicht mit einem Kopfsprung ins kalte Wasser zu klatschen, gab es für beide jeweils 15 Minuten Warm-Up-Session, während derer man wie überall per Kommentarspalte mit dem Rest der Meute kommunizieren konnte. Außerdem gab es hier schon eine weitere Möglichkeit, ein kleines Feedback abzugeben. Man konnte den Auftritt mit „geht so“, „super“, „großartig“ oder „weltklasse“ bewerten und zugleich immer einen Blick darauf haben, wie andere die Performance einschätzen. Schon beim Warm-Up konnte man heraushören, dass die beiden aus verschiedenen Genres kommen und einen anderen Stil fahren. Doch schien das Online-Publikum am Anfang noch sehr ausgewogen abzustimmen. In der zweiten Runde hatten beide 20 Minuten Zeit, die Leute für sich zu begeistern und Spaß zu haben. Die jeweils andere Person tanzte teils mit oder stand sehr höflich vor dem eigenen Equipment herum. Nachdem sie ihre Sets beendet hatten, gab es zwei Minuten Zeit, um für den:die Favorit:in abzustimmen. Ganz im Sinne der sich durch das gesamte Sommerfest ziehenden only good vibes, gebe es laut Moderator keine Verlierer, nur den ersten und zweiten Gewinner. In diesem Fall hat Jenny Ostro mit einem kleinen Vorsprung mehr gewonnen als Kurtis Flow.

STAGE: Bands & Backstage-Talk

Wer die Abendunterhaltung mit Musik beginnen wollte, konnte sich um 19.15 Uhr zur STAGE dazuschalten und einen Auftritt von KAFFKIEZ in Dresden erleben. Die fünf Jungs hatten Akustikgitarren, Bass, Keyboard und Schlagzeug im Gepäck. Das war nach Angaben auf ihrer Instagram-Seite ihre erste Bühnenperformance seit 250 Tagen und sie haben sich sehr über die Chance gefreut. Dass sie so lange einer Bühne fern waren, haben sie sich in ihrer Musik nicht anmerken lassen. In den Liedern besingt die Band mit rauer Stimme auf Deutsch Mädchen, Wein und Wien. Hier könnte man ihnen gewisse Parallelen zu anderen Bands ziehen, wie es der Moderator im Backstage-Talk getan hat, aber beim Sommerfest haben sie musikalisch nochmal eine andere handgemachte Note miteingebracht.