Auflösung der Grünen Hochschulgruppe (GHG) an der RUB
Kapitulation vor unpolitischen Campus-Zeiten
Foto: Freie Uni Bochum
„Revolutionäres Flair“ trifft es nicht ganz, aber auch die Freie Uni Bochum gehört zu den „großen Schlachten“, an denen sich die GHG beteiligt hat.  Foto: Freie Uni Bochum
„Revolutionäres Flair“ trifft es nicht ganz, aber auch die Freie Uni Bochum gehört zu den „großen Schlachten“, an denen sich die GHG beteiligt hat.

Die Grüne Hochschulgruppe (GHG) verabschiedet sich von der Hochschulpolitik an der RUB. Begründet wird die Entscheidung vor allem mit dem unpolitischen Klima innerhalb der Studierendenschaft und den jüngsten Angriffen gegenüber der GHG.  Die ParlamentarierInnen der GHG werden ihre Sitze jedoch bis zur nächsten Wahl behalten.

„Wir hatten gute und schlechte Zeiten“, lautet das schlichte Resümee, mit der die GHG in einer Pressemitteilung ihren Abschied verkündete. Insgesamt Zwölf Jahre waren es, in denen die Grüne Hochschulgruppe die RUB politisch mitgestaltet hat – fünf Jahre davon im AStA. Bildungsstreik und Proteste gegen die verhassten Studiengebühren, die Besetzung des Audimax oder die Freie Uni Bochum im heutigen Q-West – die „guten Zeiten“ werden stolz in der PM aufgelistet: „Mit unserem Engagement konnten wir dazu beitragen, dass Schwarz-Gelb in NRW vom Hof gejagt wurde und damit auch die Studiengebühren nun Geschichte sind.“

„Viele Anfeindungen von außen“

Doch zuletzt waren es vor allem schlechte Zeiten, die schließlich zum Entschluss führten, sich als Liste aufzulösen. Oder wie es pathetisch in der Stellungnahme heißt: „Die großen Schlachten sind wohl geschlagen. Vielleicht ist damit unsere Zeit einfach vorbei“

Dass es für die Auflösung ausschließlich politische und nicht etwa personelle Gründe gab, bekräftigte die GHG auch auf Anfrage der :bsz: „Die Gruppenzusammenarbeit war gut und freundschaftlich und es gab auch einige Menschen, die sich engagiert haben. Aber natürlich gab es auch viele Anfeindungen von außen. Von Burschenschaftlern, von anonymen rechten Gruppen, aber auch in Kommentaren auf der :bsz-Homepage und nicht zuletzt in der unsäglichen Massenmail im vergangenen Wahlkampf.“

Vor allem das unpolitische Klima auf dem Campus, das es besonders linken Listen schwierig mache, wird als Grund für den Rückzug angeführt – nicht ohne Kritik an den aktuellen AStA: „Die mittlerweile größte Liste, die NAWI, wird immer größer. Sie hat nicht nur das Erbe des CDU-nahen RCDS angetreten, sondern noch zusätzlich unpolitische Menschen angesprochen, aber auch AfD-Mitglieder und Studis, die Politik als solches verachten. So weit entfernt von einer linken Mehrheit waren wir noch nie.“ Gegenüber der :bsz erklärte die GHG zudem: „Natürlich kann eine linke Liste heute noch etwas erreichen, aber es ist viel schwieriger geworden. Die Voraussetzungen haben sich jedoch geändert. Heute – gerade im Bachelor/Master-System – wird es indirekt bestraft, wenn Studis sich politisch engagieren.“

Rückkehr in näherer Zeit unwahrscheinlich

Ein Comeback, wie es vor einem Jahr die Linke Liste hinlegte, hält man seitens der GHG jedoch für unrealistisch: „Wir haben die Grüne Hochschulgruppe auf einer Mitgliederversammlung aufgelöst. Die Linke Liste hat dies nie vollzogen, sie ist nur einmal nicht bei einer StuPa-Wahl eigenständig angetreten.“ Ganz unmöglich sei dies jedoch nicht: „Natürlich können wir nicht ausschließen, dass sich irgendwann wieder eine grüne Gruppe gründet. Es gab ja auch schon verschiedene grüne und alternative Listen an der Ruhr-Uni in der Vergangenheit.“

Die vier ParlamentarierInnen der GHG werden ihre Sitze im Studierendenparlament aber behalten, wie StuPa-Sprecher Arne Michels erklärt: „Jeder, der durch die Wahl zum jetzigen Studierendenparlament einen Sitz über die Liste der Grünen Hochschulgruppe errungen hat, hält weiterhin das Recht inne, die Studierendenschaft im Parlament zu vertreten. Es gilt sogar weiterhin das Recht der Stellvertretung. Und auch das Nachrücken im Falle eines Ausscheidens ist weiterhin darüber abgedeckt.“

:Benjamin Trilling

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