Bild: Symbolbild, „Jackass Forever“ zeigt gealterte Helden Bild: CC0

Über ein Jahrzehnt nach ihrem letzten Film will es die Crew rund um Johnny Knoxville in „Jackass Forever“ noch einmal wissen. 

Die meisten jungen Erwachsenen werden sich wohl heute noch an den ein oder anderen Clip aus der MTV-Serie „Jackass“ erinnern, die Anfang des Jahrtausends auch in Deutschland zu sehen war. Ein paar Jungs, größtenteils aus der Skater-Szene, waren dabei zu sehen, wie sie sich allerhand grotesker Blödsinnigkeit freiwillig hingaben. Nur so zum Spaß machten sie gefährliche Versuche mit Selbstverteidigungsgeräten, ließen sich auf unmögliche Stunts ein oder traten sich zwischendurch auch gerne mal einfach beherzt in die Weichteile. In Zeiten vor YouTube war das ein großes Novum, das durch die Authentizität des Homevideo-Stils vor allem ein junges Publikum begeistern konnte. „Jackass“ war stets eine Mischung aus geschmackloser Provokation und einer gesunden Ablehnung von Vernunft, welche naturgemäß von Eltern und Konservativen strikt verachtet wurde, womit der Erfolg des Formats garantiert war. 
Der ganz große Durchbruch gelang mit den daraus folgenden drei Kinofilmen, die zwischen 2002 und 2010 veröffentlicht wurden und den Wahnsinn jeweils auf die Spitze trieben. Das olympische Motto „Höher, schneller, weiter“ wurde auf das Jackass-Spektakel angewandt und zieht sich durch die immer extremer werdenden Clips der Filme. Im ersten Teil war noch mit recht geringem Budget die Nähe zur Fernsehserie deutlich erkennbar, wobei die Amateurhaftigkeit einen nahbaren Charme vermittelte. Dabei sorgten Streiche wie das Nutzen einer Ausstellungstoilette mitten in einem offenen Laden oder das Schnupfen von Wasabi für das wohlige (wenn auch etwas dämliche) Gefühl, dass es sich hier auch um ein Ereignis aus dem eigenen Freundeskreis handeln könnte. Im zweiten Teil stiegen mit dem Budget auch die Möglichkeiten, die vor allem für wilde Tiere aller Sorten genutzt werden, von denen die Crew über den Haufen gerannt, gebissen oder stranguliert wird. Bei „Jackass 3D“ letztendlich trieb man das Ganze auf die Spitze und drehte, wie der Titel schon sagt, den Film vollständig in 3D, wie es 2010 grade sehr im Trend lag. Anders als viele Blockbuster zu dieser Zeit wusste Jackass innovativ mit dem Medium umzugehen und ließ Blut, Schweiß und Fäkalien spektakulär durch das dreidimensionale Bild fliegen. 
Obwohl die Waghalsigkeit der Stunts und somit auch die zugezogenen Verletzungen der Crew immer größer wurden, kam es nie zu Unfällen der Art, dass der Spaß vorbei gewesen wäre. Die Zäsur folgte erst 2011, und zwar als Ryan Dunn, eines der beliebtesten Mitglieder, bei einem Autounfall ums Leben kam. Sein bester Freund und ebenfalls wichtiger Teil der Crew, Bam Margera, verfiel dem Alkoholismus und das Thema Jackass wurde auf unbestimmte Zeit auf Eis gelegt. 
Doch dieses Jahr sollte das Revival folgen: ohne Margera, aber dafür mit einigen neuen Mitgliedern, die die sichtlich gealterten Veteranen unterstützen. Es macht etwas wehmütig zu sehen, dass die alte Garde, die inzwischen um die 50 Jahre alt ist, nicht mehr zu körperlichen Höchstleistungen in Stande ist, doch von Altersmilde ist keine Spur. Die Stunts und Aufgaben, denen sich (vor allem) die Jugend unterziehen muss, sind eher noch extremer geworden und auch die gewaltige Kreativität hat nicht nachgelassen. Klar, Jackass ist und war geschmacklos, blöd und billig. Aber Jackass ist auch ein Spiel mit Männlichkeit, eine Katharsis der Zwänge und nicht zuletzt wahnsinnig witzig.    

:Henry Klur

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