Bild: Ruhrpott: Verantwortlich für circa 80 Prozent der deutschen kulturellen Weiterentwicklung, Fast Bochum verloren Bild:kiki

Rezension. Die Ruhrpott-AG hat ihre Spuren im Hip-Hop hinterlassen. „We Almost Lost Bochum“ erzählt die Geschichte einer Gruppe, die ohne Mainstream zu sein, den Mainstream machte.  

Wir befinden uns am Ende der Neunziger Jahre, als sich vier Ruhrpottjungs entschlossen, ihre beiden Kollektive zu einem zu verschmelzen und RAG zu gründen. Ein Höhenflug folgt, der schnell auch wieder zu Ende geht, zumindest scheint es so. Der Dokumentarfilm „We Almost Lost Bochum“ arbeitet die letzten zwanzig Jahre dieser Gruppierung auf und zeigt, wie die Anfänge des Hip-Hops in Deutschland von einer Band maßgeblich beeinflusst wurden, die es nie wirklich schafften, aus dem Untergrund herauszukommen. RAG scheint einer dieser Bands zu sein, die ihren Fußabdruck hinterlassen haben, obwohl sie tatsächlich wenig Musik gemacht haben. Es ist die Geschichte eines Albums: „Unter Tage“. Rapper wie Kool Savas, Marteria und Jan Delay äußern sich immer wieder im Film über das, was dieses Album für sie bedeuten würde. Immer wieder fällt das Wort „wegweisend“; doch fragt man sich, warum es mit dem Erfolg nie so klappte, bei dem Status dieser Band. Andere Gruppierungen wie Fanta 4 oder einszwo haben Label gegründet und mit ihren Alben Mainstream-Erfolge gefeiert. Am Schlusslicht dieser Gründungsromantik stehen Ruhrpott-AG. Doch vielleicht ist auch das, was Mr. Wiz, Aphroe, Pahel und Galla ausmachten, genau das, was die anderen durch Plattenverträge und immer größeren Erfolg ein wenig aufgaben: Die Realness. Die Geschichte dieses Hip-Hop Quartetts ist durchzogen von den Problemen einer Musikindustrie, die nicht den Wert hinter Musikern mit einer Idee sieht. Für den Untergrund reichte es. Der Status zahlt aber keine Rechnungen und so scheitert das Projekt aus dem Pott immer wieder daran, was sie ausmacht. Eine Geschichte wie sie nur das Ruhrgebiet selbst schreiben könnte. Denn auch die Region, aus der RAG stammt, prägt: Die Songs handeln von „Wo wir herkommen“ und geben einen Einblick in das Ruhrgebiet der Neunziger. Kernig eben und das, ohne es vermarkten zu wollen oder es zu müssen. 

Die Dokumentation fängt da an, wo der Hype aufgehört hat und begleitet die damaligen Mitglieder der Band in ihren neuen Leben. Wie lebt es sich als Untergrundrapper? Bis auf ein paar unbedeutende Soloprojekte blieb es bei Ruhrpott-AG bei zwei Platten. Die Jungs gingen verschiedene Wege. Manche versuchten im Mutterland des Hip-Hops Karriere zu machen, nur um noch weiter von der Industrie verschluckt zu werden. Ob es nun die Eröffnung einer Hip-Hop Boutique in Berlin ist oder das Rumkutschieren von Streetwear, um es auf Messen anzubieten, mit Musik hat das Leben der einzelnen Bandmitglieder nicht mehr viel zu tun und doch erklärt es so viel über Musik als Industrie aus. Es ist die Geschichte über diejenigen, die es schafften und dann vergessen wurden. Diejenigen, die nicht mit Geschäftssinn ins Geschäft getreten sind, sondern vielmehr „Mukke für den Zweck, Mukke zu machen“ machten.  

Wenn Du also eine knallharte Hip-Hop Doku gucken möchtest, die Dir nicht nur das Abgekulte gewisser Größen liefert, sondern ins Detail geht, dann empfehle ich Dir „We Almost Lost Bochum“. Die Dokumentation ist ein nüchternes Portrait einer Szenegröße und nimmt kein Blatt vor den Mund. Dabei lernt man einiges über die Industrie und wie wichtig es ist. als Szene einen lebendigen Untergrund aufrechtzuerhalten. Wir werden mitgenommen auf eine Reise, die Hip-Hop in all ihren Facetten ist.                                  

  :Gerit Höller

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