Bild: Back from the Dead: Kim Jong Un geht es gut., Zombies in Nordkorea cc0

Kommentar. Tot oder lebendig? Nach wochenlangen Spekulationen über Kim Jong Uns Gesundheitszustand zeigte er sich endlich wieder in der Öffentlichkeit.

Glaubt man allen Berichten, die über Kims Gesundheit und seinen angeblichen kritischen Zustand, scheint der Vorsitzende der Partei der Arbeit Koreas sich zuerst einer Herz-OP unterzogen zu haben, sei dann in ein Koma gefallen, für Hirntod erklärt, dann plötzlich doch wieder von den Toten auferstanden und mit einem Harem aus 2000 Sexsklavinnen zu einer Luxusresidenz aufgebrochen. Quellen für alle diese Behauptungen? Gibt es kaum. Während westliche Medien mal wieder verrückt spielten, weil sich der nordkoreanische Machthaber nicht bei öffentlichen Auftritten zeigte, musste natürlich das Schlimmste geschehen sein. Und wer die Absurdesten Behauptungen abfeuert, bekommt natürlich die meisten Klicks.
Regierungsvertreter*innen von den USA und auch Südkorea waren jedoch von Anfang an gelassen und versicherten, Kim ginge es gut. Doch es ist nicht das erste Mal, dass jemand in Nordkorea von den Toten aufersteht, zumindest wenn man allen Berichten über das abgeschottete Land Glauben schenken will. Ein hoher Offizier oder Politiker verschwindet für ein paar Wochen von der Bildfläche? Kim hat ihn persönlich mit einer Haubitze exekutiert oder Piranhas zum Fraß vorgeworfen. Dass besagter Offizier oder Politiker ein paar Wochen oder auch Jahre später wieder in der Öffentlichkeit auftaucht, erhält keine Erwähnung mehr. 

Ähnlich erging es Kim schon einmal 2014. Aufgrund gesundheitlicher Beschwerden war er für Wochen nicht bei öffentlichen Auftritten zu sehen, was damals Spekulationen anheizte, er sei weggeputscht worden. Bei aller berechtigter Kritik an Nordkorea, wenn es um die Berichterstattung über das asiatische Land geht, scheint die journalistische Sorgfaltspflicht nur eine untergeordnete Rolle zu spielen. Meist werden nur dubiose, anonyme Quellen angegeben oder blind auf Aussagen von nordkoreanischen Geflüchteten gehört, die in Südkorea für Aussagen gegen das sozialistische Regime fürstlich entlohnt werden. Korrekturen für absurde Berichte, die sich als falsch erweisen, gibt es nicht. So bleibt ein verzerrtes Bild in den Köpfen hängen, über ein Land, welches seit fast 70 Jahren an keinem Krieg mehr beteiligt war, jedoch zur weltweiten Bedrohung aufgebaut wird.

:Philipp Kubu

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