Bild: Europa 2020 - Der Kampf zwischen Werten und Humanität., Griechenland und das Mittelmeer Bild: bena

Kommentar. Deutschland und Europa befinden sich tief in der Krise. Während der Corona-Pandemie scheinen die Geflüchteten in Griechenland und auf dem Mittelmeer jedoch schon fast vergessen.

Ostern ist das höchste Fest des christlichen Glaubens. Obwohl im christlich geprägten Europa und Deutschland viele Menschen immer weniger Bezug zur Kirche haben, ist es dennoch ein wichtiges Familienfest. Logisch, das dieses Osterfest in Zeiten von Kontaktverboten durch die Corona-Pandemie ein wenig anders war. Doch Ostern ist auch ein Fest der Hoffnung. Der Hoffnung, dass es irgendwann wieder besser sein, der Virus besiegt und gerade die Bedrohung für ältere und Kranke in unserer Gesellschaft überwunden sein wird.
Doch Ostern und Europa haben auch andere Seiten. Wo Politiker*innen hier Verantwortung für die Bevölkerung übernehmen und mit Maßnahmen versuchen, zu schützen und die Krise einzudämmen, scheinen andere Probleme ignoriert oder vergessen zu sein. Die Lage der Geflüchteten in Griechenland und auf dem Mittelmeer ist weiterhin verheerend und gerade bei den Lagern auf den griechischen Inseln spielt nun auch die Gefahr einer Ausbreitung von COVID-19 eine Rolle. Am Osterwochenende gerieten Boote mit 250 Menschen in Seenot. Eins von ihnen sank, die Menschen an Bord sind vermutlich ertrunken. Obwohl die Lage der Boote und ihre Not bekannt war, leiteten weder Italien noch Malta Rettungsoperationen ein. Die libysche Küstenwache, auf welche die europäischen Mittelmeerstaaten auch gerne ihre Verantwortung abschieben, fährt wegen der Corona-Pandemie aktuell keine Einsätze mehr. Menschen, unter ihnen auch Kinder, die Hoffnung auf ein besseres Leben in Europa hatten, müssen sterben, weil Europa am Fest der Hoffnung keinen Finger rührt.

Während die Geflüchteten auf dem Mittelmeer ihrem Schicksal überlassen werden, benutzt der türkische Präsident Erdogan die Geflüchteten in der Türkei als Spielfiguren. Um Druck auf die Europäische Union auszuüben und mehr finanzielle Unterstützung zu erpressen, lässt die Türkei aktuell die Internierungslager abbrechen, in denen Geflüchtete aus Syrien bis jetzt untergebracht waren. Mit Bussen werden die Menschen bis ans Mittelmeer gebracht, ohne, dass sie selbst darüber entscheiden können. Von dort sollen sie dann per Boot nach Griechenland übersetzen.
Doch die Lage in den griechischen Lagern ist katastrophal. Auf Lesbos ist ein Camp, dass für 3.000 Menschen angelegt war, durch Erdogans Machtspiele bereits auf über 20.000 Menschen angewachsen. Auf der Insel wurden bereits erste Covid-19 Fälle festgestellt. Sollten von Seiten der EU hier keine Maßnahmen ergriffen werden, ist dies höchst unverantwortlich und könnte verheerende Folgen haben.Gerade jetzt zeigt sich, dass die EU auf weitere Abkommen und „Deals“ mit Erdogan verzichten muss, wenn sie nicht in Kauf nehmen will, Geflüchtete in Spielbälle der Politik zu verwandeln. Auch die riesigen Lager müssen aufgelöst werden, wenn eine unkontrollierte Verbreitung des Virus verhindert werden soll. Während es in vielen Teilen Europas sinnvolle Kontaktverbote gibt, leben die Menschen in diesen überfüllten Lagern eng zusammen.

Diese Menschen befinden sich in Europa. Während der Rest der Bevölkerung geschützt werden soll und immer strengere Maßnahmen ergriffen wurden, scheint man Geflüchtete zu Menschen zweiter Klasse zu degradieren. Will Europa es mit seinen Werten und der Humanität ernst meinen, müssen jetzt auch für die Geflüchteten auf dem Mittelmeer, sowie in Griechenland und der Türkei Maßnahmen ergriffen werden.

:Philipp Kubu

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