Bild: Karin Yeşilada leitet das Projekt „Erzählte Energie“ am Lehrstuhl für Literaturdidaktik , Ungewöhnliches Projekt in der Germanistik Bild: juma
Ruhr-Uni. Die Germanistin Dr. Karin Yeşilada widmet sich in ihrem Projekt „Erzählte Energie“ auf den ersten Blick für die Literaturwissenschaft untypischen Thematiken. Im Interview erläutert sie ihr Vorhaben.
 

:bsz: Liebe Frau Yeşilada, Energiegeschichte, Migration und Germanistik: Wie passt das zusammen?

Karin  Yeşilada: Zunächst einmal passen die Themen nicht zusammen, die interkulturelle Germanistik beschäftigt sich allerdings seit einigen Jahrzehnten mit der Literatur von Einwanderern. Gerade bei der Literatur türkisch-deutscher Autoren sind vor allem für das Ruhrgebiet Texte zu verzeichnen, in denen sich Autoren den Arbeits- und Lebensverhältnissen der Industriearbeiter zuwenden. Die Germanistik beschäftigt sich aber auch mit Filmen, beispielsweise Fatih Akins „Solino" (2002), der ebenfalls den Bergbau am Beispiel italienischer Einwanderer in Duisburg erzählt.

Die Energiegeschichte ist in der Literatur jedoch kaum vorhanden, es gibt abgesehen vom Kriminalgenre keine Prosa, die sich mit den erneuerbaren Energien beschäftigt, dieses Thema ist neu. Die Germanistik wendet sich hier einer zweifachen Modernisierung zu: durch Einwanderung und Energiewende. Anhand biographischer Erzählungen entsteht so ein neues Narrativ, das womöglich auch ein neues literarisches Thema bzw. Genre hervorbringt.

Wie entstand die Idee zu diesem Projekt?

Die Idee entstand aus dem Standort des Ruhrgebiets heraus, wo sich der Bergbau entwickelt hat und auch zu Einwanderung führte. Gleichzeitig ist es der Ort des Bergbau-Abbaus, Einwanderung wiederum prägt das Ruhrgebiet seit Jahrhunderten. Dadurch bietet sich eine Modernisierungsperspektive durch die Energiewende und durch Einwanderung. Einwanderer der zweiten und dritten Generation haben einen Bildungsaufstieg und werden womöglich Träger dieser Energiewende.

Welche Ziele, Wünsche und Hoffnungen verfolgen Sie mit dem Projekt?

Ziele sind es, ein interessiertes Publikum und auch Schulen durch eine Wanderausstellung auf diese zweifache Modernisierung aufmerksam zu machen und aufzuzeigen, dass Einwanderer an dieser Modernisierung teilhaben, indem sie womöglich als Nachfahren von Bergleuten in den erneuerbaren Energien tätig sind. Unsere Wünsche sind, Repräsentationsgeschichten dieser Entwicklung porträtieren zu können. Hiermit verbinden wir die Hoffnung, die Jugend als Zielpublikum für erneuerbare Energien zu interessieren und Einwanderer zu motivieren, zu Akteuren dieser Modernisierung zu werden.

Suchen Sie noch Teilnehmende?

Das Projekt befindet sich derzeit noch in der Phase der Zeitzeugeninterviews und wir suchen noch Teilnehmende. Dies sind idealerweise Menschen, die in ihrer Familie sowohl Bergbau- als auch Einwanderungsgeschichte aufweisen. Bei Interesse kann man sich unter erzaehlte-energie.de oder energiegeschichte@rub.de an uns wenden.

Das Interview führte :Justinian L. Mantoan

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