Bild: Atemberaubend: Pierre Huyghes postapokalyptisches Szenario „After ALife Ahead“ in der ehemaligen Eissporthalle in Münster, Schöner als man es wünschte: Die Skulptur Projekte in Münster Foto: box

Ausstellung. Seit dem 10. Juni prägt wieder einmal die Kunst das Münsteraner Stadtbild. Bis zum 1. Oktober halten sie: die Skulptur Projekte Münster. 

Jubel, Jubel, Jubiläum! 2017 steht ganz und gar im Zeichen der Kunst: documenta14 in Kassel, die Biennale in Venedig und das zunächst unscheinbare Krönchen – die Skulptur Projekte in Münster. Letztere beweisen: Es geht auch ohne den theoretischen Überbau à la Adam Szymczyk (siehe :bsz 1136). 

Münster? Ist das nicht das Fahrrad-Städtchen mit Giebelhäusern und Bogengängen; der Inbegriff biederer Bürgerlichkeit? Erstmals 1977 ausgetragen, sollte die Großausstellung vor allem eins bewirken: Dieses Image wie einen verstaubten Mantel abschütteln. Seitdem finden die Skulptur Projekte im 10-Jahres-Rhythmus statt, regelmäßig unter der künstlerischen Leitung Kasper Königs. Mit der kuratorischen Unterstützung Britta Peters’ und Marianne Wagners verwandelt sich die fünfte Ausgabe der Skulptur Projekte Münster in eine Plattform für Austausch und Genuss.

Die Kunst im Fokus

Die Fragestellungen der diesjährigen Ausstellung gelten „vor allem den Erfahrungen von Körper, Zeit und Raum in Zeiten zunehmender Digitalisierung“, wie es die künstlerische Leitung ankündigte. Zahlreiche Videoarbeiten, Performances und Interaktionen mit BesucherInnen stellen den klassischen Skulpturen-Begriff in Frage und regen zu einem neuen Denken künstlerischer Begriffe und Werte im 21. Jahrhundert an.

So wird die katholische Bistumsstadt zum Spielort biblischer Wunder: Die türkische Künstlerin Ayşe Erkmen installierte im stillgelegten Münsteraner Hafenbecken einen Steg unter Wasser. Die Arbeit „On Water“ wird jedoch erst wahrnehmbar, indem Menschen über eben jenen Steg laufen und selbst Teil der performierten Skulptur werden.

Kuratieren im Hintergrund

Vor allem durch eins brillieren die Skulptur Projekte: BesucherInnen-Freundlichkeit und kuratorische Zurückhaltung. Während Szymczyk in Kassel seine politische Botschaft inszeniert, lädt Münster zum Kunstgenuss ein: Der Eintritt ist überall kostenlos, eine ebenfalls kostenlose Smartphone-App füttert die Kunsttour mit Hintergründen und Karten. Arbeiten wie Jeremy Dellers 10-jähriges Kleingarten-Projekt bauen Brücken zwischen Münsters Kulturgeschichte, zeitgenössischer Kunst und, am allerwichtigsten, den Menschen.             

:Marcus Boxler

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