Bild: Abwechslung an den Reglern: Die Bochumer Techno-Szene ist stets auf der Suche nach neuem und frischem Sound. , Musik: Bochumer Techno-Szene hat viel zu bieten Symbolbild

Techno. Es wirkt wie ein Klischee, das sich jedoch wöchentlich reproduziert: Studium ist ohne Feiern nicht denkbar. Die :bsz wagte sich an den Versuch, eine Bochumer Techno-Szene zu definieren und Neuankömmlingen erste Impulse zu geben.*

Milieu, Szene und Clubkultur können bei der Wahl des zukünftigen Studienortes ausschlaggebend sein. Hamburg, Berlin und Köln trumpfen mit großen Namen wie „Uebel&Gefährlich“, „Berghain“ oder „Odonien“ auf. Und das Ruhrgebiet? 

Die 90er sind vorbei: Das, was allgemein unter Techno-Musik subsumiert wurde, ist heute diversifizierter denn je und bietet viel Spielraum für Genre-Experimente. 

Wat is in der Nähe?

Lange Nächte, abgeschottet von der Außenwelt, die kalte Ästhetik des Betons – willkommen im Goethebunker in Essen. Mit Veranstaltungsreihen von „Swing’n’Beton“, über Bunkernacht bis hin zu „Kalakuta Soul System“ bietet die Bunkerfamilie einen der abwechslungsreichsten Sounds im Ruhrgebiet: mal düster, mal dreckig, mal schwungvoll und funky. 

Kein Bock auf kalten Stein? Dann könnte das einladende Ambiente des Oma Doris in Dortmund das Richtige sein. Im alten Diner-Look und bei sphärischem Lampenschein bietet die Location den optimalen Ort für melodische Klänge. Während mit Veranstaltungen wie „Bring your own beats“ eher lofi und Chill-Hop bedient werden, die entfernt an Sophisticated Tech House à la Gunnar Stiller oder Marcus Meinhardt erinnern, versammelt ODT (Oma Doris Tanzt) Techno-JüngerInnen des gesamten Spektrums. 

Tief im Westeeen 

„‚Geh mal raus an die frische Luft‘, mahnen Mütter ihre Kinder“, erinnert die Facebook-Seite von Spontan Bochum. Für alle sonnenbadenden Outdoor-RaverInnen führt kein Weg daran vorbei. Von einer kleinen Untergrund-Community hin zum nationalen Player: Die BochumerInnen etablierten sich und feiern am 19. August gemeinsam mit ihren FreundInnen der Partyreihe „Tabula Rasa“ das SUBsTANZ Festival 2017. 

Einen der experimentellsten elektronischen Sounds bietet der Schumacher Club – Bochums Hotspot für Tanzfreudige. Mit visueller Kunst und geometrischem Design zeichnet der Club eine klare Linie der Ganzheitlichkeit. Deshalb sorgen verschiedene Partyreihen wie „200deep“, „Arrow, Why so serious?“ oder „Repetition“ für unterschiedlichste Atmosphären: ob mit Jonas Saalbach, Sam Rein, BAAL oder Massimiliano Pagliara, Hauptsache innovativ und antriebsvoll.

Wer zum Feiern gar nicht weggehen will, ist auch versorgt, denn: Bochumer Sound gibt es mit dem OWT Podcast bei soundcloud auch für Zuhause. 

Was ist besonders?

Auch wenn jede lokale Techno-Szene sich so charakterisiert, versprechen die Bochumer und Ruhrgebiets-RaverInnen nicht zu viel: Jede Menge Herzblut und noch mehr Engagement gewährleisten hier, dass Menschen zusammenkommen, denen gute Musik und erinnerungswürdige Nächte wichtig sind. Die InitiatorInnen sind nicht von kommerziellem Interesse motiviert und investieren schon mal drei bis vier Tage, um einen (abgeschiedenen) Ort partytauglich und ansehnlich einzurichten. Wer erste Kontakte geknüpft und Bekanntschaften gemacht hat, lernt schnell die lokalen Kanäle kennen und findet seinen/ihren Weg zu den non-public-events in Hattingen oder woanders. Funktion-One, Lichtinstallationen und viel Liebe im Detail begleiten hier FreundInnen des Techno durch den Abend. Bochum ist in Szene-Hinsicht keine TouristInnenstadt, sondern ein eingespieltes Team. Der Melting Pot wie er im Buche steht.

          :Marcus Boxler

Hinweis: Aus datenschutzrechtlichen Gründen werden die interviewten Personen nicht namentlich genannt. Andeutungen und Formulierungen wurden abgeändert.

(Anmerkung des Autors: Dies ist kein Partyguide durchs Ruhrgebiet und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die hier getroffene Auswahl ist repräsentativ und soll lediglich verschiedene Optionen aufzeigen).

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