Bild: Teil des Kulturguts: 50 Jahre nach der Erstaufführung kehrt Marketa Lazarová zurück. , Tschechiens bester Film im endstation.kino Bild: BILDSTÖRUNG

„Diese Geschichte wurde fast zufällig zusammengeschustert und verdient kaum Anerkennung. Aber egal. Fortan pulsiert die Wünschelrute über den verborgenen Wassern darunter.“ Mit diesen Worten führt sich der Film selbst ein. Zum 50-jährigen Jubiläum erfährt „Marketa Lazarová“ in einer restaurierten Version eine Wiederbelebung. Das Mittelalterepos, welcher in seiner Heimat zum als besten tschechischen Film aller Zeiten gekürt wurde, erzählt in poetischer Manier von zwei rivalisierenden Räuberclans. Verhandelt wird der Konflikt zwischen christlicher Religiosität und gottloser Barbarei. Versucht man jedoch einem narrativen Faden zu folgen, stößt man unweigerlich an die eigenen Grenzen.

Wider den Gewohnheiten

Der Film basiert auf einer „Räuberballade“ des avantgardistischen Schriftstellers Vladislav Vančura. Die Filmadaption bricht mit Kinogewohnheiten der Vergangenheit und Gegenwart und testet die rezeptive Flexibilität der BesucherInnen. „Die Bildtradition des Films war immer der Erzähltradition unterlegen“, kritisiert Filmwissenschaftler Rainer Vowe. Schwarz/Weiß-Optik und unvergleichliche Bildgewalt hinterlassen bleibende Eindrücke: unendliche Schneelandschaften, rohe Aufnahmen menschlicher Natur verbildlicht durch präzise Tiermetaphern. Die Bilder erzählen ihre eigene Geschichte; die Erzählung vermittelt ein Vakuum, das mit widerhallendem Kirchengesang und dem schweigsamen Fortgang der Zeit angefüllt ist.

Geduld ist gefragt

Mit einer Länge von 163 Minuten und schwerlich nachvollziehbarer Narration beansprucht der Film deutlich die Konzentration. Rainer Vowe appelliert in der Einführung an die „Geduld, sich auf die Bilder einzulassen.“ Wer aber Interesse an der Wiederbelebung der Form und Denkweise vergangener Tage hat, findet in diesem Film ein Portal zu einer Gefühlswelt aus überwältigenden Bildern und schwer artikulierbaren Sinneseindrücken.

:Marcus Boxler

0 comments

You must be logged in to post a comment.