Bild: Frontalunterricht adé: Anstatt kollektiv die Tafel anzustarren, arbeiten die SchülerInnen in Kleingruppen zusammen., Phänomene-Unterricht: Finnische Regierung plant die Abschaffung von Schulfächern Foto: Metropolitan School CC-BY-SA-3.0

Nach einem Beschluss der Regierung soll bis 2020 der gängige Fächerkanon verschwinden und durch ein auf Interdisziplinarität basierendes System ersetzt werden. 

Zuerst eine Doppelstunde Geschichte, dann Englisch und zum Schluss Religion. In Finnland gehört solch ein klassischer Stundenplan für SchülerInnen spätestens ab 2020 der Vergangenheit an. Wie die Regierung vergangene Woche mitteilte, wolle man bis dahin Schulfächer abschaffen und durch den sogenannten Phänomene-Unterricht ersetzen. Bestimmte Ereignisse und Themen werden zukünftig nicht mehr einzeln, sondern interdisziplinär aus verschiedenen wissenschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet.

Weg mit Frontalunterricht

Phänomene-Unterricht setzt neben Interdisziplinarität auf verstärkte Interaktion in Kleingruppen. Klassischer Frontalunterricht fällt weg. Zunächst sollen nur die Oberstufen (SchülerInnen ab 16 Jahren) auf diese Art unterrichtet werden. Die Jüngeren werden durch Projektwochen langsam an den veränderten Unterricht herangeführt. 

Das neue Konzept, so Marjo Kyllönen, Chefin der Bildungsbehörde in Helsinki, sei von finnischen Bildungsexperten erarbeitet worden. Erste Studien aus dem Jahre 2015 ergeben, dass sich die Leistungen der SchülerInnen eindeutig verbessert haben.  

Bereit dafür?

Laut Kyllönen seien bereits Zwei Drittel der Lehrenden in Finnland für Phänomene-Unterricht geschult. Ein Geschichtslehrer aus Vaasa befürwortet die Idee, stellt aber fest, dass das neue Schulsystem auch „eine Herausforderung, aber nicht unmöglich ist. Es kommt auf die Schule an, ob es funktioniert oder nicht.“ Der finnische Wirtschaftsstudent Artturi sieht die Änderungen positiv: „Schüler lernen dadurch logisches Denken und das ist eine wichtige Fähigkeit für die Zukunft. Ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg“. Schülerin Silja sieht darin ebenfalls eine Chance: „Schüler werden dadurch unabhängiger und sind bereit für die moderne Welt!“ 

:Andrea Lorenz

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