Bild: Jede Bewegung ein Ritual: Moon Eun-ju (links) und Christiane Leinberger (rechts) erklären die Abläufe einer koreanischen Teezeremonie. , Zum zweiten Mal lockt der Korea-Tag ein großes Publikum ins LSI Foto: Birthe Kolb

Zeit zum Runterkommen – so hätte das Motto des Korea-Tages am Landesspracheninstitut (LSI) an der Laerholzstraße lauten können. Zum zweiten Mal konnten sich die BesucherInnen am vergangenen Samstag Zeit nehmen, die koreanische Kultur in verschiedenen Workshops für sich zu entdecken.

Von Entspannung ist allerdings noch nichts zu spüren, als die Verfasserin dieser Reportage das LSI-Foyer betritt – aus einem der Seminarräume, der für diesen Anlass zum Tanzstudio umfunktioniert wurde, dröhnen hektische K-Pop-Rhythmen durch das ganze Gebäude, während sich die BesucherInnen an den Infoständen drängeln. Hoch im Kurs stehen nicht nur Fanartikel beliebter koreanischer Popgruppen wie BTS oder 2PM, sondern vor allem die Poster und Reisebroschüren, die am Infostand der Korean Tourism Organization (KTO) ausliegen. Die Zielgruppe ist klar: Fans, die durch koreanische Popgruppen und Fernsehserien, den sogenannten K-Dramas mit (Süd-)Korea in Berührung gekommen sind, sollen durch gezielte Tourismuswerbung mit den Stars des Landes in der Hauptrolle zu Korea-Reisen animiert werden – und weil das seit Jahren gut funktioniert, unterstützt die koreanische Regierung die Popmusik ihres Landes so sehr, wie es wohl in kaum einem anderen Staat der Fall ist: Zahlreiche südkoreanische Botschaften und Konsulate auf der ganzen Welt sind bereits als VeranstalterInnen von K-Pop-Events in Erscheinung getreten, in Deutschland veranstaltet das koreanische Konsulat in Hamburg beispielsweise jährlich einen unter dem Namen „K-Pop World-Festival“ bekannten Tanzwettbewerb. Doch auch abseits der überwiegend von Hip-Hop und Electronic Dance Music geprägten Klänge hat das LSI gemeinsam mit zahlreichen UnterstützerInnen viel zu bieten für alle, die sich für das Land jenseits der Popmusik interessieren.

Im Takt der Sanduhrtrommel

„Was ich Ihnen heute zeigen möchte, ist die Musik des einfachen Volkes“ heißt es etwa im Trommelworkshop von Lehrerin Lee Seon-hee. Gelehrt wird hier Pungmul, eine Form der Musik, die ursprünglich auf wandernde KünstlerInnengruppen aus den bäuerlichen Bevölkerungsschichten zurückgeht und Instrumente wie die „janggu“ hervorgebracht hat – eine sanduhrförmige Trommel, die an beiden Seiten mit Trommelfell bespannt ist und an einem Gurt vor den Bauch geschnallt werden kann. Diese und andere Trommeln durften die BesucherInnen zum Gesang von Lee ausprobieren – die richtige Atemtechnik inklusive. „Das tiefe Einatmen gehört zu den Trommelschlägen dazu, damit der Rhythmus runder klingt“, erklärt die Lehrerin.

Die Kunst der Teezubereitung

Ein paar Seminarräume weiter geht es mit meditativen Teezeremonien weiter. Mehrere Tee-Services sind schon angerichtet, damit jedeR den eigenen Grüntee in kleinen Kannen zubereiten kann – aber nicht, ohne vorher die korrekte Verbeugung um 45 Grad, das korrekte Zusammenfalten des Geschirrtuches und die Reihenfolge, in der die drei Tassen auf dem Tablett befüllt werden, einzustudieren. „Wir machen hier nur die vereinfachte Version einer Teezeremonie, alles andere würde zu lange dauern. Aber gerade in dieser hektischen Zeit ist es wichtig, sich auch mal Zeit für so etwas zu nehmen“, so Zeremonienmeisterin Moon Eun-ju. Diese Philosophie manifestiere sich auch in den drei rituellen Schlucken, mit denen der grüne Tee schließlich getrunken werden soll: Beim ersten Schluck, so Moon, solle man auf die Farbe des Getränks achten, beim zweiten den Geruch intensiv einatmen, bevor beim dritten Schluck der Geschmack mit all seinen Nuancen im Vordergrund stehe.

Wer danach noch nicht entspannt genug ist, kommt vielleicht bei der koreanischen Märchenstunde auf seine Kosten – in einem gemütlich hergerichteten Raum erzählen die RUB-Studierenden Kim Heeju und David Röttger in zwei Sprachen Märchen „aus einer Zeit, in der die Tiger noch Tabak rauchten“, wie es in vielen der Geschichten am Anfang heißt. Wer sich auf die Erzählungen einlässt, erfährt, dass der Tabak sogar Schuld daran ist, dass Tiger heute schwarze Streifen haben – glaubt man den koreanischen Märchen, so geht dieser Umstand auf einen Unfall zurück, bei dem ein Tiger mit der Tabakpfeife im Mund einschlief und sich böse das Fell verbrannte. Wer vom Klang der koreanischen Sprache angetan war, hatte hinterher die Gelegenheit, selbst Sätze aus einem Märchen vor der Kamera einzusprechen, die später zu einem YouTube-Video zusammengeschnitten werden sollen. Die richtige Aussprache wurde parallel dazu in einem der zahlreichen Mini-Sprachkurse vermittelt, mit denen das LSI den BesucherInnen sein Kursprogramm schmackhaft machen will.

Während es draußen langsam dunkel wird, ist es Zeit für einen letzten Workshop, in dem Musikerin Kang Jieun mit ihrer Haegeum (einer zweisaitigen Geige mit einem kleinen hölzernen Klangkörper in Form eines Fässchens) für einen besinnlichen Ausklang sorgt. Seit zwanzig Jahren schon spiele Kang das Instrument, erklärt Musikprofessorin Byeon Gyewon, die wie die Musikerin an der Seoul National University traditionelle koreanische Musik studiert hat und in diesem Semester als Gastdozentin an der RUB lehrt. „Solche zweisaitigen Streichinstrumente sind überall in Ostasien verbreitet. Heute werden viele Stücke komponiert, die die Haegeum in modernere Musikensembles integrieren“, so die Expertin. Kang Jieun stellt dies auch gleich unter Beweis und spielt ihr Instrument zu einer Klavierbegleitungvom Band. Das langsame, melancholisch wirkende Stück des Komponisten Ju Junyoung hat keinen Titel – diesen soll sich das Publikum selbst ausdenken. Kultur zum Mitmachen also – dieses Ziel hat der Korea-Tag auch bei seiner zweiten Auflage erfüllt.

:Gastautorin Birthe Kolb  

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