Bild: Kurzer Jubel: Nach einer schnellen Ehrenrunde mit dem Pokal ging es für die Bochumer gleich auf den Heimweg. , Unter Zeitdruck gewinnen RUB-Fußballer Europameistertitel Foto: RUB11

Vor großer Kulisse im Stadion des kroatischen Erstligisten NK Osijek aufzulaufen, war für die Bochumer Hochschulkicker ein ganz besonderes Erlebnis. Angefeuert wurden sie im Endspiel der European Universities Football Championship am 28. Juli auch von den anderen Hochschulteams, die die Spieler der RUB-Hochschulmannschaft während des Turniers als Freunde gewonnen hatten. Völkerverständigung spiele bei so einem Turnier neben dem Sport ebenfalls eine wichtige Rolle, sagte RUB-Coach Adam Frytz. Und mit dem 4:2 im Elfmeterschießen gegen die Staatliche Universität Kuban stimmte auch sportlich alles.

„Das Besondere war, dass wir ihnen in der Vorrunde komplett unterlegen waren“, berichtet Frytz, neben seinem Trainerjob auch Dozent an der RUB-Sportfakultät. Sie überlegten sich, wie sie es besser machen konnten. Das Team rückte noch enger zusammen.

„Wir haben alles rausgehauen, was wir hatten“, sagt er. „Wir haben es nicht nur auf der kämpferischen Ebene gemacht, sondern auch spielerisch. Die Jungs haben ein Riesenfußballspiel abgeliefert.“

Systemumstellung und Abseitsfalle

In der Vorrunde trat das Team noch etwas defensiver auf und verlor nach dem 7:0-Auftaktsieg gegen die Åbo Akademi aus dem finnischen Turku das zweite Gruppenspiel gegen die Staatliche Universität Kuban mit 0:3. Frytz stellte beim erneuten Aufeinandertreffen im Finale von 4-4-2 auf 4-1-4-1 um, richtete die Mannschaft offensiver aus. Der Plan, die Russen unter Druck zu setzen, wurde gut umgesetzt.

Da das Bochumer Team sich bei Standardsituationen als anfällig gezeigt hatte, wurde dort angesetzt. Es wurde für Standards eine Abseitsfalle einstudiert, was natürlich ein Wagnis war.

„Man hat eigentlich Schiss vor Abseitsfallen, weil es riskant ist“, sagt Kapitän Christian Mengert (25), der an der RUB Sportwissenschaft und Germanistik studiert. Die Falle funktionierte auch nicht auf Anhieb, aber beim zweiten Mal klappte es, dass auf das Kommando „Wibbe geht nach vorne“ alle Spieler wussten, was zu tun war, und die Falle zuschnappen ließen. „Wir haben es halt riskiert“, sagt Mengert. „Wir haben gesagt, das ist das Finale, wir ballern das jetzt durch.“

Dreimal Elferschießen

Durchballern – das könnte man auch auf das ganze Turnier beziehen, denn nach der der Gruppenphase war Schluss mit 90-Minuten-Spielen. In jedem KO-Match mussten die RUB-Kicker Überstunden machen und ins Elfmeterschießen. Im Viertelfinale hieß es nach einem zuvor torlosen Spiel 6:5 im Elfmeterschießen gegen die Universität Pamukkale (Türkei); im Halbfinale stand es gegen die franzöische Uni Franche-Comté aus Besançon nach Verlängerung  2:2, das Elferschießen entschied Bochum mit 6:3 für sich.

Jubelnd fallen sich die RUB-Spieler nach dem Spiel in die Arme. Foto: RUB11

Als hätte das noch nicht genug Kraft gekostet, musste auch das Finalspiel in die Verlängerung. „Es war ein sehr intensives Spiel mit auch harten Zweikämpfen“, sagt Mengert. Darauf bedacht, den Ball in den eigenen Reihen zu halten, wurden die Russen bei Ballbesesitz stark unter Druck gesetzt und gejagt. „Ab der Verlängerung merkte man aber schon den Kräfteverschleiß. Man hat sich mit Mann und Maus in die Zweikämpfe geworfen“, so Mengert. „In der letzten Minute der Verlängerung waren wir dann noch in doppelter Unterzahl.“ Im Elferschießen lastete dann auf Torwart Sören Rittmeier viel Druck, der mit seinen Paraden die Bochumer mehrmals im Spiel gehalten hatte. „Es war Weltklasse, wie er einen Ball unten rausgeholt hat“, lobte Kapitän Mengert seinen Schlussmann, der auch versuchte die Schützen des Gegners zu verunsichern. Durchaus erfolgreich, am Ende stand es 4:2.

Viel Zeit zum Feiern blieb nicht, eine halbe Stunde nach der Siegerehrung mussten die Bochumer schon die Heimreise antreten. Der Verband hatte versehentlich die Rückflüge für den Finaltag gebucht, erst fünf Stunden vor Anpfiff kam die Bestätigung der Umbuchung. Dennoch musste die Abreise schnell vonstattengehen, weswegen die Bochumer leider nicht vor Ort mit ihren Freunden aus den anderen Teams feiern konnten. Doch gebührend nachgefeiert wurde natürlich, im Bermudadreieck.

Kapitän Christian Mengert nimmt den EM-Pokal entgegen. Foto: RUB11

Seit ihrer Rückkehr ist auch ein unerwarteter Medienrummel über den Hochschul-Europameistern hereingebrochen. Sie sind stolz auf ihre Leistung und freuen sich, damit nun die Uni auch in den Medien repräsentieren zu können, sagt Kapitän Mengert. Dass aber sogar deutschlandweit über die Bochumer Europameister berichtet wird, etwa von EinsLive oder dem Magazin 11Freunde, habe sie dann schon überrascht. „Es ist eine schöne Belohnung, wenn man auf der Sportschau-Seite direkt unter Thomas Tuchel abgebildet wird“, sagt Trainer Frytz. „Das ist eine schöne Wertschätzung für uns.“

Weitere Infos findet Ihr im Netz unter www.rub11.de

:Johannes Opfermann

 

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