Bild: Heavy Metal oder Country? Auf manche Musikhybriden kann man getrost verzichten., Reiter ohne Mania: Wozu Unplugged-Konzerte? Foto: mar
Gespannt war ich wohl: Ich besuchte mein erstes sogenanntes Unplugged-Konzert in der Christuskirche. Die Zeit: Samstag Abend. Die Band: Die Apokalyptischen Reiter. Das Konzert war nicht schlecht, überhaupt nicht. Es war nett. Doch genau das ist das Problem, schließlich ist „nett“ bekanntermaßen der kleine Bruder von „scheiße“. Warum tun Bands so etwas? Warum finden Menschen das gut?
 
Ob es am Merchandise-Stand wohl Heizdecken gibt? Ich recke meinen Hals, sehe durch die Massen nur die üblichen Shirts, Pullis und Platten. Immerhin. War das meine Portion Wahnsinn für Samstagabend? Ich erinnere mich an Reiter-Konzerte, die ich voll kaputt durchgeschwitzt, schmerzerfüllt verließ – und glücklichst strahlend.
Natürlich wusste ich, dass ein Unplugged-Konzert niemals so abgehen kann wie ein „richtiges“. Das wissen auch die Apokalyptischen Reiter und inszenieren „Wahnsinn“ („Der Wahnsinn lebt in mir / Wie ein freudiges Tier / Der Abend ist noch jung / Und es giert die Lust in mir, etwas Wahnsinniges zu tun“) nicht als Partywut, als überschäumende Lebensfreude, sondern als dessen dunkle Seite, als Drang eines verrückten Wissenschaftlers. Und nicht ohne Grund haben sie „Reitermania“ nicht gespielt. Das ist nicht der Rahmen für Mania. Schunkeln, klatschen, wippen, aber bitte nicht ausflippen! Den Leuten gefällt es und ich sehe schwarz für die Welt.

Schildkrötenpartys – Nicht zu wild, nicht zu nah

Wo, wenn nicht auf einem zünftigen Konzert, kann man sich austoben? Heute wird sogar auf Privatpartys der obligatorische Betrunkene mit Verachtung gestraft. Von einer tollen Party spricht, wer seinen Cocktail lecker findet. Die Sumpfschildkröte, erklärt der Front-Reiter Fuchs, hat nur noch ein Refugium in Deutschland. Ich sage: Nein, die Menschen um mich herum versumpfschildkrötisieren. Statt „Sex, Drugs and Rock and Roll“ gilt sogar unter 22-Jährigen „Politisch korrekte Witze, Bärlauchpesto und Singer/Songwriter-Geklimper“. Natürlich, nicht alle Menschen stehen auf wilde Abende. Die beneide ich aber nicht um ihr  nettes Leben.
 
:Marek Firlej

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