Bild: Spielelektor Karsten Höser mit zwei von ihm lektorierten Spielen: „AufRuhr!“ und „Schafe Schubsen“., Für Karsten Höser aus Bochum-Werne ist seine Leidenschaft – Spielen – zugleich Lebensunterhalt Foto: joop

„Lieber eine kleine Auflage machen und ausverkaufen, als eine große, von der noch hunderte in der Garage stehen.“ So lautet ein Ratschlag von Karsten Höser an SpielautorInnen. Auch auf Thematik, Regeln oder Material eines Spiels achtet der Bochumer bei seiner Arbeit genau. Der passionierte Spieler und Sammler ist nicht nur Herausgeber zweier Fachmagazine, sondern hat noch einen viel ungewöhnlicheren Beruf: er ist Spielelektor.

Seit den Achtzigern sammelt der 52-jährige Höser schon Spiele; 3.810 sind es momentan, nach den Internationalen Spieletagen in Essen von 16. bis 19. Oktober werden es noch einige mehr sein. Zum Spiellektorat kam der gelernte Radio- und Fernsehtechniker eher zufällig. Im Kulturhauptstadtjahr 2010 wollte eine Firma ein thematisch passendes Brettspiel herausbringen und sprach den in der Spieleszene sehr aktiven Höser an. Gemeinsam brachten sie das mit viel Detailliebe gestaltete Strategiespiel „AufRuhr!“ heraus. Höser war zu dem Zeitpunkt arbeitssuchend, nachdem er bis 2010 in einer Bochumer Firma für Satellitentechnik gearbeitet hatte, und machte sein Hobby zum Beruf. Es gebe zwar SpielredakteurInnen, die für Verlage ein Spiel betreuen, aber Hösers Spiellektorat, das er von seiner Wohnung in Bochum-Werne aus betreibt, hat einen anderen Fokus: „Es richtet sich ausschließlich an Autoren, die Spiele selbst herausbringen wollen. Ich bin der einzige, der das so anbietet.“ Das Lektorat eines Spiels dauere etwa ein Dreivierteljahr, entsprechend hat Höser bisher drei bis vier Spiele lektoriert; die jüngste Anfrage ist ein Lernquiz für die Bundeswehr.

Sport und SciFi geht gar nicht

Je nach Wunsch der AutorInnen befasst er sich mit allen Aspekten eines Spiels. „Viele Autoren haben eine Spielidee und sind sehr selbstverliebt. Sie haben die Kosten nicht im Blick.“ Höser berät, wo am Material gespart werden kann, beispielsweise normale Würfel statt goldene zu nehmen. Rechtschreibung und Verständlichkeit der Regeln zu kontrollieren ist ebenso wichtig wie zwischen AutorIn, GrafikerIn und ProduzentIn zu vermitteln. Auch eine Änderung des Spielthemas sei manchmal zu empfehlen. Sportspiele würden sich gar nicht verkaufen, auch Science-Fiction-Themen seien nicht gefragt. „Da ist es angesagt, sie eher im Fantasy- und Mittelalterbereich anzulegen, dann klappt es auch mit dem Verkauf“, sagt Höser. Von hohen Stückzahlen, die ProduzentInnen oft den AutorInnen schmackhaft machen wollen, rät er ab; seine Richtlinie sind 300 bis 500 Spiele. Wenn sich diese schnell verkauften, könne man die Idee immer noch einem großen Verlag anbieten.

„Ein gutes Spiel muss leicht zu verstehen sein, der Einstieg muss leicht sein, aber es muss solche Tiefe haben, dass es nicht langweilig wird“, so Höser. Einen Spannungsbogen und einen Wiederspielwert sollten sie besitzen. „Wichtig ist, dass wenn ich Vielspieler und Neulinge am Tisch habe, die Chancen ungefähr gleich verteilt sind.“

Für Familien statt für VielspielerInnen

Spiele, die VielspielerInnen durch ihren Wissensvorsprung „arg bevorteilen“ gegenüber Neulingen, schätzt Höser weniger. Lieber sind ihm kooperative Spiele oder eben Familienspiele. Diese würden momentan von AutorInnen stark vernachlässigt, sodass sich sehr viele der Neuerscheinungen mit komplexen Regelmechaniken vor allem an VielspielerInnen richteten. Um Familienspiele wieder in den Vordergrund zu bringen, hat Höser einen AutorInnenwettbewerb ausgerufen, im von ihm herausgegebenen „Spiel & Autor“. Das Magazin gibt Tipps zum Spieldesign, empfiehlt entsprechende Sekundärliteratur, berichtet aber auch von Treffen der AutorInnenszene, wie Höser sie selbst regelmäßig organisiert, sowohl im Ruhrgebiet als auch im badischen Ländereck. Die zweite Zeitschrift „Spielerei“ stellt bereits veröffentlichte Spiele vor, mit dem Schwerpunkt auf Kleinverlagen.

Diese unterschiedlichen Aktivitäten kulminieren vor den Essener Spieletagen in einer Menge Arbeit. Dort betreut er mit seinen Magazinen und dem Spiellektorat drei Stände. „Davor ist es immer megaviel, ab November wird es deutlich ruhiger werden“, ergänzt er, doch das stimmt nur so halb, denn am Jahresende steht die Endrunde im AutorInnen-Wettbewerb an, und im Januar wartet mit der Nürnberger Spielwarenmesse das nächste Großevent.

Weitere Infos findet Ihr im Netz unter:

www.spiellektorat.de

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