Bild: Harvard-Professor: Lawrence Lessing: Kämpfer für ein besseres Urheberrecht., Das Internet braucht ein besseres Urheberrecht! Screenshot: YouTube/Kevin Kunze

Harvard-Professor Lawrence Lessig fordert ein besseres Urheberrecht für das Internet. Der Jurist und Gründer der Creative-Commons-Initiative setzt sich seit Jahren für mehr Möglichkeiten und Transparenz im Netz ein. Den Kampf gegen illegale Kopien betrachtet er als verloren. Am 20. Oktober fand in Berlin der zweite netzpolitische Kongress der Grünen Bundestagsfraktion statt. Eine Veranstaltung, zu der auch der Reformer als Redner geladen war.

Die Botschaft des Harvard-Professors war eindeutig: „Wir brauchen jetzt ein Copyright fürs Netz.“ Derzeit sei es für einen Laien unmöglich, das komplexe Regelwerk zu begreifen. Im Internetzeitalter müsse auch ein 15-jähriger verstehen können, was er mit den im Netz befindlichen Inhalten machen dürfe. In Europa habe eine Reform gute Chancen – in den USA sei dieser Zug längst abgefahren.
Lessig setzt sich seit Jahren für ein vereinfachtes Urheberrecht ein. Hierzu gründete er 2001 die Creative-Commons-Initiative. Bei dieser handelt es sich um eine Non-Profit-Organisation, die vorgefertigte Lizenzverträge zur Veröffentlichung und Verbreitung digitaler Medieninhalte anbietet. Insgesamt gibt es sechs Standardlizenzen, zwischen denen die UrheberInnen auswählen können. Was die Nutzer­Innen dann mit den digitalen Inhalten machen dürfen, ist abhängig vom ausgewählten Lizenzmodell. So steht zum Beispiel das Kürzel cc-by-nc-sa für einen Inhalt, der nur in Verbindung mit der Namensnennung des Urhebers (by), nicht kommerziell (nc) und im Rahmen der gleichen Bedingungen weitergegeben werden darf (sa). Vor Creative-Commons hatten die UrheberInnen nur zwei Möglichkeiten, ihre digitalen Inhalte gegen „Missbrauch“ im Rahmen des Urheberrechts zu schützen. Entweder sie wurden überhaupt nicht oder mit dem Zusatz „alle Rechte vorbehalten“ veröffentlicht. Ob man die bereitgestellten Inhalte verändern, weitergeben oder unter Berücksichtigung einer Namensnennung vervielfältigen durfte, ließ sich nur durch ausgeklügelte Lizenzverträge regeln. Eine Hürde, die man nur mit dem nötigen Kleingeld – oder juristischer Expertise – nehmen konnte. Lag lediglich der oben erwähnte Zusatz vor und man wollte die Arbeit eines Urhebers fortführen oder darauf aufbauen, musste man sich unweigerlich mit dem Rechteinhaber in Verbindung setzen. Oft ein kompliziertes und umständliches Unterfangen.

(CC)-Lizenzen sind eine gute Sache

Die Creative-Commons-Lizenzen gewähren einen besseren Schutz des geistigen Eigentums und erzeugen hinsichtlich der Verwendung und Manipulierung von Inhalten mehr Transparenz. Dabei greifen sie auf die Regelungen des Urheberrechts zurück und stellen somit eine kostenlose Alternative zu teuren Lizenzverträgen dar. Die lizenzrechtliche Kennzeichnung von Inhalten im Internet lässt sich in Form von Meta-Angaben regeln. Wie ein Inhalt (z.B. Bilder, Videos, MP3-Dateien oder Texte) verwendet werden darf, wird über das entsprechende Lizenzmodell geregelt und lässt sich anhand der einheitlichen Kennzeichnung schnell erkennen. Auf diesem Weg kann auch der/die UrheberIn eines Inhalts ermittelt werden, um Ausnahmeregelungen zu vereinbaren.
Ob ein als nicht-kommerziell gekennzeichneter Inhalt ausnahmsweise doch kommerziell genutzt werden darf, lässt sich durch die direkte Kommunikation zwischen RechteinhaberIn und NutzerIn ermitteln. Neben den formalen und gesetzlichen Regelungen sind die Creative-Commons-Lizenzen ein klares Statement für den freien Austausch von Wissen. Sie fördern den Zugang zu Kulturgütern und schaffen mehr Pluralität im gesellschaftlichen Kreativpool.

Reformimpulse

Obwohl die (CC)-Lizenzen vieles einfacher machen, bleibt das eigentliche Problem erhalten: die Komplexität des Urheberrechts. Lessig betonte auf dem Kongress, dass es in Europa Möglichkeiten gäbe, eine Reform des Urheberrechts auf den Weg zu bringen, die auch das Internet mit einbeziehe. Die von den Grünen vorgeschlagene „Kultur-Flatrate“ oder alternative Lizenzmodelle könnten hierzu einen Beitrag leisten. In den USA habe man diese Chance jedoch verpasst. Der von der Kreativwirtschaft ausgerufene „Krieg gegen die Raubkopie“ sei längst verloren. Auch die Forderung nach neuen Gesetzen, die das Urheberrecht in den USA immer weiter ausbauen sollen, sei gefährlich und kontraproduktiv. Der Impuls müsse also von Europa ausgehen. Bis dahin habe man wohl keine andere Möglichkeit, als auf die (CC)-Lizenzen oder vergleichbare Modelle zurückzugreifen, so Lessig

Mehr Informationen zu den Creative-Commons-Lizenzen findet man im Netz unter: 
www.creativecommons.de

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