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Ist die Trennung der Schulformen noch zeitgemäß? Eltern flüchten vor den Hauptschulen. - Foto: pixelio.de/ Dieter Schütz„Der Niedergang der Hauptschulen konnte durch die Einführung des Ganztags nicht verhindert werden“, erklären der DGB-Regionsvorsitzende Michael Hermund sowie der Bochumer GEW-Vorsitzende Ulrich Kriegesmann. Bereits vor einem halben Jahr haben sie das Bündnis „Länger gemeinsam lernen in Bochum“ ins Leben gerufen. Durch die aktuellen Anmeldezahlen sehen sie sich bestätigt. Zusammen mit lokalen VertreterInnen der NRW-Oppositionsparteien, Gewerkschaften, dem Bochumer Jugendring, dem Schulreferat der evangelischen Kirche und einigen Sozialverbänden fordern sie: Kinder dürfen nicht mehr nach der vierten Klasse in verschiedene Schulformen aussortiert werden. Im Gegensatz zum derzeitigen Modell könne eine Gemeinschaftsschule tatsächlich integrieren, anstatt frühzeitig auszugrenzen.

Die Vorstellung, dass die Biographien von Schülerinnen und Schülern bereits sehr früh vorgezeichnet werden müssten, stammt aus den vordemokratischen Zeiten des Preußischen Obrigkeitsstaates. Dort waren Kinder von Beamten bereits für die Laufbahn ihrer Eltern vorgesehen, während der Nachwuchs von ArbeiterInnen lediglich die Aussicht hatte, ebenfalls malochen zu gehen. In einem solchen Gesellschaftsmodell liegt es freilich nahe, die Kinder bereits in jungen Jahren auch sozial zu trennen. Förderkonzepte, die allen Kindern und Jugendlichen unabhängig von Elternhaus, sozialer oder kultureller Herkunft gleiche Chancen ermöglichen, konnten dagegen im Rahmen des dreigliedrigen Schulsystems bis heute nicht erfolgreich implementiert werden.

Die Mitglieder des Bochumer Bündnisses betonen, dass die in Deutschland und Österreich noch immer praktizierte frühe Selektion weltweit einzigartig ist. Die Erfahrungen im EU-Ausland zeigten, dass längeres gemeinsames Lernen viel bessere Voraussetzungen schaffe, um die individuellen Stärken der SchülerInnen zu fördern. Sie fordern außerdem ein Schulmodell, das wie in vielen anderen europäischen Ländern kein Sitzenbleiben vorsieht, sondern das individuell unterstützt, ohne soziale Zusammenhänge zu zerstören.

Auch für viele PädagogInnen ist es eine Binsenweisheit, dass die Fähigkeiten von SchülerInnen in unterschiedlichen Fächern in der Regel unterschiedlich ausgeprägt sind. Eine Einordnung in „gute“, „mittlere“ und „schlechte“ SchülerInnen entspricht keineswegs dem aktuellen Stand der pädagogischen Forschung. So beteiligen sich auch Mitglieder der AG Schulforschung und Schulpädagogik der Ruhr-Uni Bochum an dem lokalen Bündnis. Gemeinsam will die überparteiliche Initiative in den kommenden Wochen und Monaten des Landtagswahlkampfes in die Offensive gehen. Unter anderem sind mehrere Veranstaltungen und ein eigener Internetauftritt geplant.

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