Und warum finden sie ihren Weg vorbei an dutzenden anderen Reinigungsmitteln, Fernsehshows, alternativen Möglichkeiten der Abflussreinigung und der Freizeitgestaltung zwischen 13.15 Uhr und 13.45 Uhr? Nun, der kritische Geist wird antworten, dass es alles gibt, was sich irgendwie absetzen lässt, was also offenbar nachgefragt wird und Geld bringt. Das erklärt vielleicht, weshalb es den Studiengang der Skandinavistik nicht mehr gibt, den der Betriebswirtschaftslehre aber schon. Die Lunchtime-Orgel erklärt es nicht. Vorausgesetzt, es hat sich kein verwegener Lobbyist (unwahrscheinlicher: eine verwegene Lobbyistin) in Elmar Weilers Büro geschlichen, mit Geldköfferchen und einer immensen Liebe zur Orgelmusik. Die Orgellobby ist allerdings in der Vergangenheit viel zu wenig in Erscheinung getreten, um diese Möglichkeit als wahrscheinlich zu betrachten.

Eine andere Erklärung wäre, dass sich die Damen und Herren des Musischen Zentrums eines Tages zusammengesetzt und einfach mal so überlegt haben, welche kulturellen Kinkerlitzchen den Angestellten und Studierenden der Ruhr-Universität noch fehlen. Dabei hätten sie auf allerlei Absurditäten verfallen können, mittägliches Tanztheater beispielsweise oder einen Töpferkurs um sechs Uhr morgens (passt ja sonst in den Stundenplan der Bachelor-Studierenden nicht rein, ne). Die Lunchtime-Orgel aber ist der heiteren musischen Runde dann doch nicht zuzutrauen. Ist vielleicht die katholische Kirche der Grund, weshalb die Menschen montags zur Mittagszeit zum „Abschalten und Genießen bei schöner Musik“ eingeladen sind und verschiedene Interpreten an der „großen Klais-Orgel“ erleben sollen, „egal ob aus Neugierde oder einfach per Zufall“, „vor oder nach dem Mittagessen (oder stattdessen)“? Schließlich sollen demnächst etwa 100 Kirchen im Ruhrgebiet geschlossen werden, und auch der Spiegel war schon pikiert über die bald arbeitslosen Organistinnen und Organisten. Ist nun die Ruhr-Universität die letzte Zuflucht für die Opfer der aussterbenden Katholikinnen und Katholiken? Wäre das der Fall, stellte sich aber schon die Frage, weshalb es dann auf dem Campus kein montägliches Kuchenbacken gibt, angeleitet von den von Kamps verdrängten Bäckerinnen und Bäckern. Nein, für die „Novität“ der Orgelmusik muss es eine andere Erklärung geben. Was, wenn es einfach jemand gemacht hat? Jemand hatte die Idee, hat es vorgeschlagen, alle fanden es absurd und keiner hat etwas dagegen unternommen? Der kritische Geist wird nun darüber nachdenken müssen.
sjn

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