Me, myself and I

Was macht ein Mensch, wenn er alleine ist? Also, nicht nur alleine, sondern einsam. Gezwungen einsam. Kein Internet, kein Fernsehen, niemanden, den man anrufen oder besuchen kann (weil alle (!) Freunde unterwegs sind bzw. in den Semesterferien nicht in der Stadt). Ach, ja: fürs SMS-Schreiben hat man gerade auch kein Geld. Also: Isolation.

Nun, ich bin vor kurzem, um genau zu sein vor zwei Wochen, aus meiner dritten WG ausgezogen und wohne nun in schöner Abgeschiedenheit und Ruhe allein. Mit zwei Katzen und neun Mäusen. Es ist traumhaft. Kein Lärm, kein Dreck von anderen, keine Diskussionen. Nur ist es eben auch ein wenig einsam. Speziell am Anfang, in der Gewöhnungsphase. Zumal die Internetleitung noch nicht steht.
Was macht man da? Die ersten Tage konnte ich mich noch mit dem Einrichten meiner eigenen vier Wände beschäftigen. Mittlerweile ist alles (!) schon fertig. Habe insgesamt eine Woche dafür gebraucht. Sogar die Bücher und DVDs sind nach Genre und dann auch noch alphabetisch geordnet. Kein Karton mehr zum Auspacken, muss nur noch einen Putzeimer besorgen. Neue Aufgabe her. Ausmisten: Leider Gottes hat auch dies nur drei Stunden beansprucht. Also lesen: zwei Tage und das Buch ist durch. Photoband her: eine Stunde. Gedichtband: drei Stunden. Mäusekäfig verschönern: zwei Stunden. Telefonieren: zwei Stunden, bis der Letzte ins Bett muss. Musik hören: zwei Stunden, dann wird’s öde. Kleiderschrank nach Kleiderstückzugehörigkeit und Farben sortieren: vier Stunden. Küchengeschirr ordnen: drei Stunden. Zeitschriften aussortieren: zwei Stunden und dreißig Minuten. Arbeiten: drei Stunden, dann schmerzen die Finger vom Tippen. Spazieren gehen: eine Stunden, dann friert der Arsch ab. Einkaufen gehen: eineinhalb Stunden, Schulter fast ausgerenkt. Baden? Keine Lust auf verschrumpelte Haut. Postkarten nach „Inhalt“ sortieren: eine Stunde, man kommt sich irgendwann blöd vor. Mit den Katzen schmusen: sieben Stunden, Arm eingeschlafen. Lampenschirme umhängen: zwanzig Minuten. Räucherstäbchen nach Duft sortieren: dreißig Minuten, Schnupfen stellt unüberwindbares Hindernis dar. DVD gucken: sechs Stunden, dann flimmert es vor den Äuglein. Festplatte neu formatieren: fünf Stunden, Laptop wird beinahe Opfer meiner Ungeduld. Werkzeugkasten säubern: zwei Stunden. Schminkutensilien neu ordnen: eine Stunde, langweilig. Alleine ins Kino gehen? Kein interessanter Film. Alleine ins Theater? Zu teuer. Alleine Kaffee trinken gehen: vier Stunden, Koffeingehalt im Blut: überdimensional, an Schlaf ist in dieser Nacht nicht mehr zu denken. Rauchen: zwei Stunden, Lunge teerschwarz. Kühlschrank nach Lebensmitteln sortieren: zehn Minuten, dann wird der Hunger zu groß. Kochen: zwanzig Minuten, Magen voll, zuvor geordneter Kühlschrank leer.
Ich habe, sage und schreibe, eine ganze Woche so durchgehalten. Zugegebenermaßen bekam ich dreimal kurz Besuch, insgesamt fünf Stunden. Aber im Vergleich zum WG-Leben ist Allein-Leben schon ein Akt. Herausforderung trifft es ebenfalls.
Man muss sich selbst andauernd beschäftigen. Zwar kann man auch in Ruhe entspannen, sich erholen, die Stille genießen. Doch, wenn man anfängt sich mit der eigenen Rauhfasertapete zu unterhalten wird es gruselig.
Und die Moral von der Geschicht’: Vertreibe deine FreundInnen nicht!

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