Ein (einigermaßen) hoher Geist palaverte einmal vom „Lumpenproletariat von Langendreer“. In diesem Bochums östlichstem Stadtteil würden doch „nur“ Studenten und „Gescheiterte“ leben. Harte Tiraden, die gewiss daher rührten, dass sich der Sprecher, ein Student, damals wohl selbst als Gescheiterten sah. Nichtsdestoweniger bleibt ein Fünkchen Wahrheit in seinen Worten: Die Bewohner des historischen Stadtteils mit den vielen Kirchen und dem für Ruhrgebietsverhältnisse beinah allgegenwärtigen Grünbewuchs verbindet eine Art Hassliebe mit ihrer selbst erwählten Heimat.
Zu betrachten oder auch (je nach Fakultät) analytisch zu zerpflücken war diese „geographisch-soziologische“ Gemengelage neulich nachts mal wieder allzu gut. Da hallten Pistolenkugeln durch die Langendreerer Nacht. Peng Boom Bang. In unmittelbarer Nähe zum Spielplatz „Hohe Eiche“ duellierten sich gegen 3 Uhr deutlich hörbar zwei Halbstarke mit tödlichen Waffen. Nichts Neues im Osten? Dafür war das Gezeter aber groß. Jene Schüsse unterbrachen den Schlaf nur kurz, viel aufreibender war ihr Nachhall.
Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hatten die Verantwortlichen bereits kurz nach dem harschen Durchdringen der Nachtruhe einen Abgang gemacht, so schlau ist der Langendreerer Lazzaroni. Leider kennt auch der gemeine Anwohner hier seine Bandenkriege in (S-)Bahnhofsnähe zu gut. Schon Minuten später goutierten Gaffer die Gassen. Wer wollte nicht schon mal eine noch lauwarme Pistolenkugel anfassen? Anzunehmenderweise scheinen diese ähnlich angenehm anfassbar wie die frischen Brötchen am Morgen bei einem der gefühlten 25 Bäcker an der Alten Bahnhofsstraße. Herzlich willkommen, ihr schaulustigen Statisten, zur Live-Staffel von CSI: Bochum.
Wo so viel Auflauf war, durfte auch der Käse nicht fehlen. Bevor auch nur einer der Bordsteinkommandanten, die hier „Nachbarn“ heißen sollen, auch nur an Zeugenaussage denken konnte, patroullierten auch schon sieben (!) Polizeiwagen ziel- und planlos zwischen Unter- und Ümminger Straße. Dabei warnte der eine Beamte den anderen derart laut vor potentiell folgenschweren Fehlentscheidungen, dass der Sandmann endgültig in den Streik trat. „Den Spielplatz hatten wir schon, Heinz!“ Gut zu wissen. Als Provinz-Profikiller würde ich mich nun gerade dort verstecken.
In diesem Sinne, liebes Langendreerer Lumpenproletariat: Besinnt euch ob der wenigen mir verbliebenen Schlummerstunden auf das, was ihr wirklich könnt. Fahrräder klauen und Navis aus parkenden Autos schrauben. Dabei lässt man euch schließlich auch in Ruhe.

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