Yours truly, angry mob!

Sie sind wie ihre Songs. Kurz, aber kurzweilig. Die Show der Kaiser Chiefs im Kölner E-Werk rauschte über die Masse wie britischer Dauerregen über 3000 ekstatische Fans. Eskapismus pur.

Passend dazu gab sich Ricky Wilson als Wirbelwind. Der Frontmann hüpfte quasi permanent, ließ sich ins Publikum werfen, schwankte zurück, wirbelte das Mikrofon herum, stieß Ständer um. Zwischendurch warf er übrigens auch noch die Smash-
Hits des Chiefs-Debüt-Krachers von 2005 mit den Songs vom neuen Album „Yours truly, angry mob“ durcheinander. „I can do it without you / but it wouldn‘t be better“, schnalzte Wilson ins Mikro und lieferte damit auch textlich den perfekten Soundtrack zur aufgeheizten Stimmung im gut gefüllten Palladium. Man kann kaum glauben, dass dieser zackige, gedrängte Sound erst seit zwei Jahren Markenzeichen der britischen Kapelle ist.
Vorher machten Wilson & Co. als „Parva“ Garage Rock mit subversivem Anspruch – wer sie in Köln erlebte, musste das als Gerücht abtun. Songs wie das an diesem Abend früh verschleuderte „Everyday I love you less and less“ oder die Überhymne dieses Jahres, „Ruby“, katapultierten die tanzwütige Jugend (und einige ältere Semester) für 85 Minuten in eine Welt, in der der Alltag einem Fremdwort gleichkommt. „Oh my god I can‘t believe it / I‘ve never been so far away from home.”
Wilson und auch der charismatische Schlagzeuger Nick Hodgson ließen die Assosziationsmaschine rotieren, während sich der Besucher fragen musste, welches Attribut dieses tolle Tempo am besten umschreibt. Hungrig oder ungläubig, lechzend oder bewusst unvollkommen wären Vorschläge. Wilson hat eh in Anspielung an einen weiteren Hit seine eigene radebrechende Simplifizierung dafür: „Ich kann nicht deutsch, aber ,Na na na na na‘ kann ja jeder.“ bp
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