Für eine bessere Zukunft
Zum Hiroshima- Gedenktag: Atomwaffen sind noch nicht Vergangenheit
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Bochumer Friedensplenum: Mitten im Bermuda3eck, für den guten Zweck im Schutzanzug. Bild: fufu
Bochumer Friedensplenum: Mitten im Bermuda3eck, für den guten Zweck im Schutzanzug.

Friedensdemonstration. Vor 74 Jahren wurde die Stadt Hiroshima durch den ersten Atombombeneinsatz der USA dem Erdboden gleichgemacht. In Bochum wurde erinnert.

Mit Bannern liefen sie durch das Bermuda3Eck und erinnerten daran, was am 6. August 1945 in Japan geschah. Das Bochumer Friedensplenum will dabei nicht nur gedenken, sondern auch auf die aktuelle Lage zur Atomwaffenfrage in Deutschland aufmerksam machen.
Die Situation ist verändert, denn nach der Kündigung des Intermediate Range Nuclear Forces-Vertrages zwischen den USA und Russland droht nicht nur ein immer angespannteres kaltes Säbelrasseln, sondern auch neue nukleare Mittelstreckenraketen in Europa. Schon heute lagern die USA, Atombomben in Büchel in der Eifel, weniger als 200 Kilometer von Bochum entfernt. Selbst wenn laut Forsa-Umfrage in Deutschland 88 Prozent (Im Jahr 2016 seien es in Umfragen sogar 93 Prozent gewesen) dagegen seien, ändert dies nichts an der Nutzung Deutschlands, als Atomwaffenlager der Vereinigten Staaten, obwohl von CDU/CSU und FDP im Koalitionsvertrag 2009 der Abzug aller US-Atomwaffen aus Deutschland vereinbart wurde. Als wäre dies nicht genug, sollen Bundeswehrpilot*innen diese US-Bomben unter Natobefehl dann abwerfen. Dies nennt man „nukleare Teilhabe“ und es ist für die Bundesregierung ein Weg, Atomwaffen zu haben, ohne wirklich Atomwaffen zu haben. Auch laut Bundeskanzlerin Merkel, sei die nukleare Abschreckung der Nato unverzichtbar. Die Natostrategie, wird allerdings von den USA wesentlich bestimmt und hatte früher noch das Ziel, einen Atomkrieg führen und gewinnen zu können. Womit wir wieder beim Säbelrasseln wären, was in unserer heutigen Zeit gerade wieder besonders laut, bedrohlich aufgeplustert, immer häufiger und vor allem mit viel Machomen-Allüren und manchmal sogar per Twitter, stattfindet. Wenn man sich John Olivers „Last Week Tonight“-Folge zu nuklearen Waffen anguckt und dort dann die ein oder andere Hintergrundgeschichte zu denjenigen Menschen bekommt, die über diese Waffen zu früheren Zeitpunkten der Geschichte verwaltet haben, wirkt der Besitz solcher Waffen eher fragwürdig. So wurden im Jahr 1961 versehentlich zwei scharfe Atombomben in Goldsboro, North Carolina von einem Militärflugzeug verloren und nur mit purem Glück, geschah keine weitere Tragödie. Ein Vorfall, der kaum bekannt ist und doch leider kein Einzelfall. Dennoch haben auch heute noch die USA, Großbritannien, China, Frankreich, Russland, Indien, Israel, Pakistan und Nordkorea ganz offiziell Atomwaffen. Im Juli 2017 stimmten 122 von 193 Ländern der UNO für ein Atomwaffenverbotsvertrag. Die Bundesregierung war nicht für dieses Verbot.
Als in Hiroshima die erste Atombombe einschlug, verbrannten 78.000 Menschen sofort, weitere 122.000 starben an den Folgen und bis heute ist die Stadt mit erhöhten Strahlenwerten belastet. Drei Tage nachdem Hiroshima von der US-Atombombe getroffen wurde, folgte der nächste Abwurf in Nagasaki, obwohl Japan zu diesem Zeitpunkt schon kapituliert hatte. Hunderttausende Menschen starben an diesen Tagen.

Das Bochumer Friedensplenum will auf diese Wahrheiten aufmerksam machen. Auch der Bochumer Stadtrat verabschiedete am 11. Juli in einer Resolution: „Die Stadt Bochum ist zutiefst besorgt über die immense Bedrohung, die Atomwaffen für die Städte und Gemeinden auf der ganzen Welt darstellen. Wir sind fest überzeugt, dass unsere Einwohner und Einwohnerinnen das Recht auf ein Leben frei von dieser Bedrohung haben. (…) Daher begrüßen wir den von den Vereinten Nationen verabschiedeten Vertrag zum Verbot von Atomwaffen 2017 und fordern die Bundesregierung zum Beitritt auf.“

:Christian Feras Kaddoura