Fußballsatire mal anders
Traditionsverein noch am Leben
Bild: bena
Das Lohrheidestadion: Die Heimstätte des SG Wattenscheid 09 soll in Zukunft wieder ein Ort für ehrlichen Fußball sein. Bild: bena
Das Lohrheidestadion: Die Heimstätte des SG Wattenscheid 09 soll in Zukunft wieder ein Ort für ehrlichen Fußball sein.

Sport. Im Jahr des 110. Geburtstages der Sportgemeinschaft Wattenscheid 09 drohte die Katastrophe, denn der frühere Bundesligist benötigte rund 350.000 Euro, um die aktuelle Saison zu finanzieren – Die Rettung kam in letzter Minute.

Im November 2018 startete Wattenscheid eine  Crowdfunding-Kampagne, denn die Sportgemeinschaft kämpfte bis zur letzten Minute ums Überleben.  Bereits vor zwölf Jahren stand der Traditionsverein kurz vor der Schließung.
Durch eine großzügige Finanzspritze des Aufsichtsratsvorsitzenden Oguzhan Can konnte der Spielbetrieb für die aktuelle und kommende Saison vorerst gesichert werden. „Wir sind alle froh, dass die Rettung gelungen ist, es wäre geradezu tragisch gewesen, wenn 109 Jahre Fußball-Tradition „gestorben“ wäre. Gleichzeitig hat uns die Crowdfunding-Aktion aber eindrucksvoll bewiesen, dass 09 noch lebt und es sich lohnt, für den Fortbestand zu kämpfen“, meinte Daniel Knorr, Pressesprecher des Vereins.  „Den Wattenscheidern liege die SG 09 doch mehr am Herzen, als wir das in der Vergangenheit wahrgenommen haben.“ Für den Club müsse das große Ziel sein, den Verein wirtschaftlich zu konsolidieren, damit er nie wieder in eine Schieflage gerate. Knorr fügt an, dass sie sich sportlich zunächst weiter in der Regionalliga etablieren möchten und sollte ihnen das beides in den nächsten Jahren gelingen, könne man sich eventuell über andere Ziele Gedanken machen. Zum jetzigen Zeitpunkt wäre dies jedoch vollkommen vermessen und unangebracht.

Glorreiche Zeiten

Die am 18. September 1909 gegründete Sportgemeinschaft pendelte wie viele Fußballvereine anfangs zwischen der zweit- und dritthöchsten Spielklasse.
Nach anfänglichen Fusionen entstand erst nach dem Kriegsende der Verein, den wir heute unter Namen Sportgemeinschaft Wattenscheid 09 kennen. Der Verein hatte sich über die Jahre als feste Größe im Fußball etabliert und spielte von 1990 bis 1994 sogar in der höchsten deutschen Spielklasse, der Bundesliga.
Wattenscheid galt dort als graue Maus, die dennoch den großen FC Bayern im Ruhrstadion schlagen konnte. Die fetten Jahre waren nicht von Dauer, denn Wattenscheid musste nach zwei Spielzeiten den Hut nehmen und damit begann Ende der Neunziger auch der Fall des Vereins.
Mit dem Millennium kam die Trendwende und die 09er spielten zwischen Regional und Oberliga. Dadurch litt auch die finanzielle Situation des Vereins und 2007 drohte die Insolvenz. Durch den Verzicht der Großgläubiger auf 90 Prozent ihrer Forderungen und die Unterstützung der Vorstände und des Aufsichtsrats konnte diese im Juli 2007 jedoch abgewendet werden. Um den Club, für den Spieler wie Fußballfunktionär Michael Preetz, Fußballlehrer Thorsten Fink, die Altintop-Zwillinge und Vereinslegende Souleymane Sané kickten, wurde es in den letzten Jahren etwas ruhiger.


Finale Chance

Die Spieler schrieben schon 2013 einen offenen Brief mit Ihrem Unverständnis bezüglich des Umgangs zwischen Clubführung und der Mannschaft, der sportlichen Planung und fehlender Zahlungen.
Abschließend fasst Daniel Knorr zusammen: „Allen im Verein Verantwortlichen und Mitwirkenden ist aktuell bewusst, dass es die wohl letzte Chance ist, um den Verein auf finanziell gesunde Beine zu stellen. Wir müssen nachhaltige Strukturen schaffen und transparenter gegenüber den Mitgliedern und den Fans werden.“                      

:Abena Appiah