Facebook-Seite der AStA Köln nach Trollangriff offline
Shitstorm nach rechtskritischem Post
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Der geteilte Beitrag: Auf Anraten der Polizei ging die gesamte Facebook-Seite des AStA Köln vergangenes Wochenende offline.Bild: lor
Der geteilte Beitrag: Auf Anraten der Polizei ging die gesamte Facebook-Seite des AStA Köln vergangenes Wochenende offline.

Rechtsextremismus. Innerhalb eines Tages erreichten den AStA der Uni Köln 8.000 Kommentare nicht nur rechter UserInnen: Nach einem Shitstorm unter einem Facebook-Post ermitteln nun Polizei und Staatsschutz. 

In dem fraglichen Post vom 10. Mai 2018 kritisierte der AStA der Uni Köln das Tragen von Bekleidung der Firmen „Thor Steinar“ und „Landser“. Diese wurde von mehreren Bauarbeitern auf dem Kölner Campus getragen, so die Beobachtungen mehrerer Studierender. Innerhalb von vier Tagen erreichten die Seite tausende Kommentare mutmaßlich rechter UserInnen, die sich extremistischen Gruppierungen wie der sogenannten „Identitäten Bewegung“ (IB, :bsz 1135) zuordnen lassen. Auf Anraten der Polizei Köln wurde die Facebook-Präsenz des AStA zeitweise offline geschaltet. 

Hintergrund

Der Post wurde verfasst, nachdem der AStA sich mit der Universitätsverwaltung über die Hinweise Studierender ausgetauscht hatten, dass zwei Bauarbeiter mit der rechten Szene assoziierte Kleidung getragen haben. Man habe diese Hinweise an das Rektorat getragen, so 

AStA-Vorsitzender Theodor Jost in der Pressemitteilung. Das Rektorat habe geprüft, ob das Tragen solcher Bekleidung auf dem Campus rechtens sei: „Diese Prüfung hat ergeben, dass diese Kleidung gegen das Neutralitätsgebot der Universität spricht.“ In einer Sitzung des Studierendenparlaments wurde nach einem entsprechenden Antrag beschlossen, dass man sich in den Sozialen Medien dazu äußern würde. Daraufhin wurde der entsprechende Hinweis vonseiten des AStA gepostet. „Samstagmorgen ging es dann los, dass Kommentare von der einschlägigen Szene kamen“, erinnert sich Florian Pranghe, AStA-Mitglied und Pressereferent. Der Link zum Post der Studierendenvertretung wurde in rechten Foren mit dem Aufruf gepostet, unter dem Beitrag zu trollen, wie der AStA von InsiderInnen erfuhr.

So kam es zu über 8.000 Kommentaren und über 1.000 Shares innerhalb von vier Tagen: „Der Beitrag wurde auch von einzelnen AfDlern und AfD-Landesverbänden geteilt.“ Schließlich entschloss man sich vergangenen Sonntag, sich an die örtliche Polizei zu wenden. Diese riet dazu, die Seite erst einmal offline zu nehmen.„Zusätzlich haben wir Anzeige erstattet gegen die Kommentator*innen, die rechtsradikale und diskriminierende Posts auf unserer Seite verfasst haben“, so Jost weiter. Laut Pressesprecher der Polizei, Lutz Flaßnöcker, ermittle nun der „hiesige Staatsschutz wegen des Verdachts der Beleidigung in Bezug auf den ‚Shitstorm‘“. 

Hilfe aus dem Netz

Mit dem Hashtag #ichbinhier zeigten derweil NutzerInnen ihre Solidarität mit dem Kölner AStA. Expliziter Dank gehe zudem an die AktivistInnen von „Reconquista Internet“, die sich ebenfalls – unabhängig vom AStA– eingeschaltet haben. Die von TV-Satiriker Jan Böhmermann ins Leben gerufene Gruppierung versteht sich als Gegenbewegung zu den organisierten Troll-Attacken Rechter. 

Schon vor zwei Jahren sei der AStA Köln Ziel eines „Shitstörmchens“ im Zusammenhang mit einem Diskriminierungsmelder geworden, so Pranghe: „Aber das war nicht der Rede wert damals!“ 

Die betroffene Firma habe mittlerweile zugesagt, dass das Tragen solcher Kleidung nicht nochmal vorkomme, so Pranghe. 

:Andrea Lorenz