Netzwerk für Frauen mit Migrationshintergrund
Zeit, das alte Rollenbild abzustreifen
Foto: Netzwerk ImMigra
Strahlend in die Zukunft? Langfristig will sich das Sozialunternehmen selbst finanziell tragen können. Foto: Netzwerk ImMigra
Strahlend in die Zukunft? Langfristig will sich das Sozialunternehmen selbst finanziell tragen können.

Engagement. Frauen helfen Frauen: Handan Cakir und Fatima Caliskan unterstützen mit „Netzwerk ImMigra“ Schülerinnen und Studentinnen mit Migrationshintergrund in Bezug auf (Weiter)Bildung.

Studieren ist für viele junge Frauen mit Migrationshintergrund immer noch eine utopische Vorstellung und eine nicht berücksichtigte Option für die Ausrichtung der Zukunft. Seit Anfang des Jahres bieten Handan Cakir und Fatima Caliskan, Studentinnen der RUB, gemeinsam mit ihrem Team mit „Netzwerk ImMigra“ eine Anlaufstelle und Vernetzungsmöglichkeit für Studentinnen und Schülerinnen mit Migrationshintergrund. Die lokalen Gruppierungen geben Möglichkeit zur beruflichen Orientierung, aber auch zum persönlichen Austausch über Erfahrungen – gerade im Hinblick auf kulturelle Unterschiede und Konflikte. Daneben wollen die ehrenamtlichen Netzwerkerinnen durch die Teilnahme am öffentlichen Diskurs „positive Rollenbilder der Frau mit Migrationshintergrund prägen“, so Cakir. Bis heute sind bereits 100 Aktive Teil des Sozialunternehmens. 

Resonanz groß

Die Idee entstand bereits 2016, die beiden Studentinnen wollten allen Frauen eine Möglichkeit geben, die nicht wie sie selbst Stipendiatinnen sind. Die Resonanz, die sie bereits vor dem ersten Netzwerktreffen im Dezember erhielten, sei überwältigend gewesen: Viele Studentinnen, die bereits am Ende des Studiums sind, hätten sich solch eine Gruppe bereits zu Beginn gewünscht. 

Gerade Frauen mit Migrationshintergrund müssen mit erschwerten Bedingungen zurechtkommen: „Frauen müssen aus etablierten Strukturen ausbrechen und ihren eigenen Weg gehen.“ Cakir spricht auch das Thema Vorurteile an, die für Frauen noch problematischer seien als für Männer: „Frauen werden oft nur auf das Äußere reduziert. Gesprächspartner sind oft erstaunt, wenn ich erzähle, dass ich fünf Sprachen spreche und wo ich bereits im Ausland gearbeitet habe.“ Auch deswegen ist es wichtig, ein neues Rollenbild zu prägen: Das der starken, unabhängigen Frau, die mit ihrem kulturellen Background Teil der deutschen Gesellschaft ist und ihren Beitrag leistet. 

Das durch Spenden finanzierte Sozialunternehmen soll keineswegs auf das Ruhrgebiet beschränkt bleiben. Neben den Gruppen in Essen und Bochum laufen im Moment Gespräche zur Gründung von lokalen Zellen in Köln und Berlin. 

Interessierte Frauen und Männer können sich unter netzwerk-immigra.de/kontakt/ melden. 

:Andrea Lorenz