Indonesien
„Rampokan“: Historisch-psychologische Graphic Novels zur indonesischen Geschichte
Was war los im indonesischen Unabhängigkeitskrieg? „Rampokan“ spielt in Niederländisch-Ostindien Ende der 1940er Jahre. Cover: Avant-Verlag

Wenig weiß man hierzulande über die Nation der 17.000 Inseln zwischen dem Indischen und dem Pazifischen Ozean. Umso wertvoller ist die Gelegenheit, Indonesien als diesjähriges Gastland auf der Frankfurter Buchmesse (siehe Schwer:Punkt auf Seite 8) kennenlernen zu können. Aus diesem Anlass macht der Avant-Verlag auf den bereits 2008/09 erschienenen Comic „Rampokan“ aufmerksam.

Zwei indonesische Autorinnen thematisieren in ihren Werken Schrecken und Schönheit ihrer Landesgeschichte
Traditionelle Rhythmen: Indonesische Tänzerinnen begrüßen das Publikum auf der Frankfurter Buchmesse. Foto: bk

Mit wohlriechenden Gewürzen, traditionell gekleideten TänzerInnen und dem Schattentheater – einer Kunst, für die das Land berühmt ist – stellte sich die diesjährige Gastnation Indonesien auf der Frankfurter Buchmesse vor. Natürlich stand vor allem die Literatur des Landes im Mittelpunkt, die sich erst seit einigen Jahren mit den bisher verdrängten Kapiteln der indonesischen Geschichte befasst. Dass es dort einiges aufzuarbeiten gibt, verraten die Autorinnen Leila Chudori und Laksmi Pamuntjak. 

In Graphic Diaries zeichnen indonesische Frauen Szenen aus ihrem Leben
Aus dem Leben gegriffen: Die Graphic Diaries von Tita Larasati geben die alltäglichen Gedanken der Zeichnerin wieder. Foto: bk

Kinder, die statt eines nahrhaften Mittagessens lieber gleich den süßen Nachtisch hätten, Eltern, die mit den kleinen Tücken des Alltags zu kämpfen haben – die indonesischen Graphic Diaries sind Comics der besonderen Art. Statt SuperheldInnen und Monster bilden die Zeichnungen kleine Szenen des alltäglichen Lebens ab. Zwei Vertreterinnen des in Indonesien sehr populären Genres stellten ihre Werke am Sonntag auf der Frankfurter Buchmesse vor. 

Symbole aus dem Nationalsozialismus im indonesischen Wahlkampf
Macht Wahlkampf ohne Nazi-Stars: Der indonesische Präsidentschaftskandidat Joko Widodo (im weißen Hemd) 2013 mit US-Botschafter Marciel in der Stadt Kampung. Foto: flickr, U.S. Embassy, Jakarta (CC BY-ND 2.0)

Die Methode, mit welcher der indonesische Präsidentschaftskandidat Prabowo Subianto auf Stimmenfang geht, ist altbewährt:  Ein bekannter Sänger, der gemeinsam mit AnhängerInnen der konservativen Gerindra-Partei zur Melodie von Queens Welthit „We Will Rock You“ patriotisch anmutende Textzeilen skandiert, soll Subianto zu einem Sieg bei den Präsidentschaftswahlen am neunten Juli verhelfen. Die dabei verwendete Symbolik wirkt jedoch befremdlich: Sänger Ahmad Dhani trägt die Uniform des Reichsführers-SS Heinrich Himmler.

Indonesiens Gewaltherrschaft in West-Papua
Melbourne 2012: Papua und UnterstützerInnen demonstrieren für ein unabhängiges West-Papua. Foto: Wikimedia Commons / Nichollas Harrison

Um die 3.000 schwer bewaffnete Polizisten und Soldaten bewachen in tropischem Klima das Areal der größten Goldmine der Welt. Jedes Jahr werden mehrere Milliarden Dollar durch das dort geförderte Gold und Kupfer verdient. Jeden Tag werden dort hunderttausende Tonnen giftige Rückstände erzeugt, welche die Gewässer und das Grundwasser in der Umgebung vergiften. Trotz der starken Bewachung wagen sich regelmäßig kleine Gruppen von Rebellen aus dem nahe gelegenen Dschungel, um Sabotageakte und Anschläge gegen die Mine durchzuführen. Ihren gefährlichsten Gegner stellen die Spezialeinheiten des Militärs dar, von denen sie schon seit langem gnadenlos gejagt werden. Ein schmutziger Krieg wird geführt, in dem verzweifelte Rebellen mit Speeren, Bögen und Jagdgewehren gegen eine moderne Armee samt Elitetruppen, Hubschraubern und Flugzeugen kämpfen. Ein Konflikt mit geringer Intensität, von dem kaum jemand in Europa etwas weiß, der aber bereits über 100.000 Todesopfer gefordert hat. Ein Konflikt zwischen den Interessen eines Staates und der Existenz indigener Völker.