Freundschaft
Time, To Help?
Chaos im Kopf: Bei Überforderung helfen Beratungsstellen. Symbolbld

Workload im Studium. Weniger (Selbst-)Vorwürfe, sanfter mit sich selbst und anderen sein: Wieso „Scheitern“ okay ist und wie es danach weiter gehen kann.

100 Jahre Genozid an den ArmenierInnen: Berlin sucht Schuldige, Bochum erneuert Freundschaften
Gärtner der Freundschaft: AAV-Vorsitzender Azat Ordukhanyan (rechts) pflanzt Bäume in Bochum. Foto: Armenisch-akademischer Verein 1860 e. V.

Von Gärten und Prinzessinen
„Wir haben bewusst 155 Bäume genommen und nicht einhundert“, erklärt Azat Ordukhanyan, Vorsitzender des Armenisch-akademischen Vereins 1860 e. V. (AAV) aus Bochum, „denn damit zeigen wir: Unsere Freundschaft ist älter und wichtiger als ihre Unterbrechung vor hundert Jahren.“

Die Armenischen Platanen, Walnussbäume, Trauerweiden, Fliedern und Aprikosenbäume wurden eigens aus dem Kaukasusland herbeitransportiert und sollen im Laufe des Jahres an Kulturstätten, Schulen und Friedhöfen, an denen Kriegsgefangener und Zwangsarbeiter gedacht wird, in Bochum und bundesweit gepflanzt werden. Am 18. April wurden bereits 50 Bäume auf der Bochumer Schmechtingwiese unweit des Bergbaumuseums gepflanzt; acht weitere stehen im Tierpark. Damit werde Bochum zu einem internationalen Freundschaftsgarten. In der armenischen Hauptstadt Jerewan wurde auf Ordukhanyans Initiative hin bereits ein Pendant errichtet.

„Freundschaft, das ist wie Heimat“ – doch was, wenn Freunde eine andere Heimat haben?
Statt Karten: Lieber mal FreundInnen besuchen.	- Foto: ks

Es ist voll auf dem Bahnsteig, denn es ist Freitagnachmittag. Feierabendverkehr trifft auf Wochenendpendelei und einige Verreisende. Am Gepäck der Menschen lässt sich ablesen, ob diese eher auf der Durchreise, auf dem Heimweg oder auf wirklich großer Fahrt sind. Und dann sind da noch Abholende. Sie haben kaum Gepäck und stehen auch nicht so nah am Gleis. Ich bin heute ebenfalls eine von denen, die mit dem eigentlichen Bahnhofsgeschehen wenig zu tun haben. Ich warte auf meine beste Freundin Lili, die ich schon seit Monaten nicht mehr gesehen habe. Doch obgleich Fernfreundschaften – anders als ihr berühmt-berüchtigter Verwandter „Fernbeziehung“ – in Medien, Sachbüchern und Psychologie bisher kaum bis gar keine Erwähnung finden, spielen sie heute in fast jedem Leben irgendwann eine Rolle und stellen die Beteiligten trotz aller fortschrittlichen Kommunika­tionsweisen oft vor große Herausforderungen.

Liebe, Schläger und „Kanaken“: Roman über zwei Seelenverwandte von Levend Seyhan
Tod im Wohnzimmer: Über diesem Abschied liegt der Zauber der Freundschaft. Cover: Größenwahn Verlag

In seinem Debütroman „Torben stirbt im Wohnzimmer“ erzählt Levend Seyhan die Geschichte einer Freundschaft. Kaan und Torben teilen seit ihrer Schulzeit die Liebe für Tennis, Literatur, Filme und verrückte Streiche. Und sie teilen die Erfahrung von Gewalt. Kaan wird als Sohn türkischstämmiger Eltern immer wieder Opfer rassistisch motivierter Gewalt. Torben wird von seinem Vater regelmäßig misshandelt, bis dieser Mutter und Sohn verlässt. Der Roman handelt von den Versuchen der beiden Freunde, die traumatische Jugend gemeinsam zu bewältigen und für sich einen Ort in der Welt zu finden. Dabei macht es ihnen das Leben nicht gerade leicht. Und sie selber es sich auch nicht.