Flüchtlingspolitik
An den Außengrenzen nichts Neues

Kommentar. Die Kehrseite von Reisefreiheit und relativem Wohlstand sind Diktaturen, Lager, Sklaverei und Massensterben.

Eine Reise nach Podlachien zu den letzten Tataren Europas
Drei Halbmonde für ein Allahu akbar: Die konservative Regierung in Polen wollte nur christliche Asylsuchende aufnehmen – dabei vergaß sie anscheinend, dass im Lande bereits seit Jahrhunderten MuslimInnen heimisch sind, die Tatarinnen und Tataren. Foto: mar

Wer hätte das gewusst? Seit dem 17. Jahrhundert gibt es einen lebendigen Islam in Polen. :bsz-Redakteur Marek Firlej wollte mehr darüber erfahren und reiste ins tatarische Dorf Bohoniki.

Ein kleiner Ausflug in ein urmuslimisches Dorf mitten in Europa
Islamische Bräuche nach Jahrhunderten unter ChristInnen: Der muslimische Friedhof im polnischen Bohoniki ist sehr vom Christentum beeinflusst – das sieht man auch an den Vornamen der Tataren wie Jan (von Johannes). Foto: mar

Unlängst geriet die polnische Regierung in die Kritik, weil sie erstens nur wenige Geflüchtete aufnehmen wollte und zweitens weil sie nur bereit waren, ChristInnen aufzunehmen. Die Bevölkerung sei nicht bereit, sich auf den Islam einzulassen, hieß es von polnischer Seite oft. Dabei wurde genauso häufig übersehen, dass es eine einheimische muslimische Minderheit gibt – mitten in Europa! Seit hunderten von Jahren leben TatarInnen in Polen. Unser Redakteur und Student der Religionswissenschaft Marek besuchte das tatarische Dorf Bohoniki.

Zentrum für politische Schönheit stürmt mit 5.000 Menschen auf den Platz der Republik
Massengrab Mittelmeer: Kunstaktion bringt tote Flüchtende symbolisch ins Herz der Republik. Foto: Kolja Schmidt

Ein Hauch von 1989: Am 21. Juni hatte das Zentrum für politische Schönheit (ZPS) weitere Beisetzungen von „unbekannten Einwanderern“ in Berlin geplant. Auf dem Vorplatz des Kanzleramts sollten „tote Opfer der militärischen Abriegelung Europas“ auf einem Gräberfeld ihre letzte Ruhe erhalten, das als Mahnmal „den unbekannten Einwanderern Europas“ gewidmet werden sollte.

Kommentar: Kunstintervention: Wer hat die Grenze überschritten?
Dunkle Wolken über dem KanzlerInnenamt: Die Toten kommen nach Berlin. Foto: Kolja Schmidt
Das Zentrum für politische Schönheit (ZPS) erregt seit Beginn der vergangenen Woche einmal mehr Aufsehen mit einer Performance auf der Grenze zwischen Kunst und Politik. Das KünstlerInnenkollektiv, das sich dem Thema Flucht und Migration verschrieben hat, überführt tote Einwanderer von den Außengrenzen der EU nach Berlin, um sie dort menschenwürdig zu bestatten. 
Interview: Berliner AktivistInnen wollen Europäischen Mauerfall – und treffen auf Polizeipanzer
Aufbruchstimmung: Nach einer Ansprache von Shermin Langhoff am Gorki-­Theater, Berlin. Foto: Hanna Aders

Am  Vorabend des 9. November brachen vom Berliner Maxim-Gorki-Theater aus einhundert AktionskünstlerInnen und PolitaktivistInnen rund um das Zentrum für politische Schönheit zu den Außengrenzen der EU auf. 14 Kreuze zum Gedenken an die ‚Mauertoten‘ an der ehemaligen innerdeutschen Grenze zwischen Ost- und Westberlin wurden am 25. Jahrestag des Mauerfalls für die Aktion ‚entliehen‘ und an drei Orten entlang der EU-Grenze aufgestellt: am Grenzzaun der spanischen Enklave Melilla in Marokko, in Griechenland sowie in Bulgarien. Dies entfachte eine breite mediale Debatte darum, was (politische) Kunst darf und was nicht. Erklärtes Ziel der AktivistInnen war es zudem, den europäischen Grenzzaun einzureißen, um so für den „Ersten Europäischen Mauerfall“ zu sorgen. Die beiden politischen AktivistInnen Kathrin und Jan waren mit dabei und berichten im Interview mit Gastautor Philipp Adamik für die :bsz.

Flüchtlingsproblematik: Von Nordafrika nach Europa und wieder zurück
Kein Ende in Sicht: In Europa geht die Irrfahrt der zahlreichen Flüchtlinge weiter. Quelle: flickr. com, noborder network

Das Flüchtlingsdrama in Nord­afrika und an der europäischen Grenze hat neue Dimensionen angenommen. Die deutsche und europäische Politik steht dabei mit dem Problem des Flüchtlingsstroms vor einer schweren Aufgabe. Welche Richtung in den kommenden Jahren auf europäischer Ebene eingeschlagen wird, können wir bei der EU-Wahl am 25. Mai mitbestimmen. Wie sieht es zurzeit in Nordafrika aus und welchen Rahmenbedingungen unterliegt die derzeitige Situation? Dieser Artikel will dies im Kurzen skizzieren.

Vortragsreihe zur Flüchtlingspolitik in Bochum
Das Flüchtlingsdrama: Nur weil man es nicht sieht, heißt es nicht, dass es nicht da ist. Foto: kac

Seit mehreren Monaten beschäftigt ganz Europa die Problematik der Flüchtlingspolitik. Schlagzeilen wie Missstände und unmenschliche Bedingungen – die als Zuflucht gedachten Räume wie z.B. auf der Insel Lampedusa oder Tod durch Verdursten in der nigerianischen Wüste – findet man nur, wenn man gezielt danach sucht.  Diese Kontroverse wird nun in den nächsten Wochen in Form einer Vortragsreihe und Diskussionsrunde an der Bochumer Evangelischen Fachhochschule fächer­übergreifend thematisiert. Anstoß dafür gaben die zahlreichen Demonstrationen und Übergriffe gegen Flüchtlinge in der EU. Zu Wort kommen ReferentInnen aus verschiedenen Bereichen aus Deutschland.